Reformationsjubiläum

500 Jahre Reformation - Eine museale Welt-Zeitreise erkundet den "Luther-Effekt"

Sie leben in allen Erdteilen: Doch die 800 Millionen Protestanten gäbe es nicht ohne die Reformation vor 500 Jahren. Daran erinnert das Deutsche Historische Museum mit der ersten nationalen Schau "Der Luther-Effekt".

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Ausstellung "Der Luther-Effekt" in Berlin

Das Museum im Berliner Martin-Gropius-Bau verspricht eine "Weltzeitreise" durch fünf Jahrhunderte und vier Kontinente. Ein halbes Jahrtausend, nachdem Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen - der Überlieferung nach - an der Tür der Schlosskirche zu Wittenberg anschlug, fragt das Deutsche Historische Museum (DHM) nach der Wirkungsgeschichte des Protestantismus: Welche Spuren hinterließ er in anderen Konfessionen und Religionen? Wie haben sich Menschen verschiedenster Kulturen die evangelische Lehre angeeignet, sie geformt und gelebt? Welche Konflikte gab es?

Deutschland, Schweden, die Vereinigten Staaten von Amerika, Korea und Tansania - das sind die Stationen, die die Ausstellung beispielhaft beleuchtet. Das Fazit freilich steht längst fest: Die Reformation hat die moderne Kultur - Theologie, Recht, Wirtschaftsethik und Geistesgeschichte - vielerorts tief geprägt. Vom sachsen-anhaltinischen Städtchen Wittenberg reicht ihr langer Arm noch heute in alle Teile der Welt.

Der Reformator Martin Luther als Briefmarken-Kopf. (c) Antonia Graschberger

Der Reformator Martin Luther als Briefmarken-Kopf

Auf gut 3000 Quadratmetern breitet das Museum seine Luther-Schau aus, mit mehr als 500 Exponaten, darunter seltene Kunstwerke ebenso wie historische Alltagsgegenstände. Auch medial stellen die Ausstellungsmacher Luthers Thesenanschlag von 1517 in den Schatten: Von all den flimmernden Bildschirmen, tönenden Lautsprechern und rotierenden Projektionen, die das Dargestellte erhellen, konnte der Reformator seinerzeit nur träumen. Doch die Kraft seiner Ideen war riesig.

Ein Land, ein Glaube - die lutherische Großmacht Schweden

Seit dem 16. Jahrhundert führen viele Reformwege zu einer Erneuerung von Kirche und Leben, einen davon beschreitet Luther. Nie zuvor haben sich derart viele Menschen an einem Glaubensstreit beteiligt. Doch verläuft die Frontlinie nicht nur zwischen Reformern und Reformgegnern. Auch untereinander wird um den rechten Weg gestritten: Lutheraner, Reformierte, Täufer, Anglikaner, sie alle dringen auf Abgrenzung. Die verschiedenen Reformwege formieren sich zu Konfessionen.

Unter dem Eindruck der lutherischen Reformation beschließt Schwedens König Gustav Wasa 1527 die Abkehr von Rom. Reformatorische Ideen verbreiten sich wie ein Lauffeuer im Schwedischen Reich. Schließlich legen die Synode und der Reichstag von Uppsala 1593 das lutherische Bekenntnis als verpflichtend fest. Schweden bekommt eine lutherische Staatskirche. Als Schutzmacht des Luthertums ziehen die schwedischen Heere alsbald auf die Schlachtfelder Europas - und unterstreichen die Großmachtstellung Schwedens.

Die Vereinigten Staaten von Amerika - das Gelobte Land?

Die Einwanderung verschiedenster Gruppen, Kirchen und Konfessionen bringt den Protestantismus in die britischen Kolonien Nordamerikas, die späteren Vereinigten Staaten. Dort hat er bis heute viele Gesichter: Eine Staatskirche gibt es nicht. Zahllose Kirchen ringen um Gläubige. Charismatische Erweckungsprediger geben dem Protestantismus eine Stimme. Neue Konfessionen und zahlreiche soziale Reformbewegungen entstehen, darunter die sogenannten Schwarzen Kirchen der Afroamerikaner. "Der Protestantismus trägt erheblich zur Entstehung der amerikanischen Nation und ihres Selbstverständnisses bei", lautet denn auch die These der Ausstellungsmacher, "er prägt die Auffassung von Amerika als dem Gelobten Land und von den Amerikanern als dem Erwählten Volk."

Korea - Boomland des Protestantismus

Bis heute ist Südkorea das einzige ostasiatische Land mit einem großen protestantischen Bevölkerungsanteil. Fast 30 Prozent der Südkoreaner bezeichnen sich als Christen, davon sind rund zwei Drittel Protestanten und damit eine stark wachsende Glaubensgruppe. Dabei hatten sich protestantische Missionare überhaupt erst Ende des 19. Jahrhunderts in Korea angesiedelt.

Tansania - Mission und Selbstbestimmung

Ein mondsichelförmiges Abzeichen der Geusen Lieber Türke als Papist, um 1574. (c) Rijksmuseum, Amsterdam

Abzeichen der Geusen (niederländische Freiheitskämpfer) "Lieber Türke als Papist", um 1574

Auch im ostafrikanischen Tansania ist der Protestantismus, wie die Ausstellung zeigt, auf dem Vormarsch. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania (ELCT) bildet mit über sechs Millionen Mitgliedern und 24 Diözesen die größte lutherische Kirche Afrikas und die zweitgrößte lutherische Kirche der Welt. Ihre Ursprünge gehen auf deutsche, skandinavische und amerikanische Missionsgesellschaften zurück, die im Gebiet der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Burundi und Ruanda sowie ein Teil des heutigen Mosambik) tätig waren.

Daneben spielten die Herrnhuter Brüdergemeine, die anglikanische Kirche und charismatische Bewegungen eine bedeutende Rolle bei der Ausbreitung des Protestantismus. Heute beschränkt sich deren Einfluss längst nicht mehr auf das eigene Land. Missionare aus Tansania arbeiten auf dem gesamten Kontinent. Gegenüber den Kirchen in Europa sehen sie sich als Vertreter der ursprünglichen lutherischen Ideale.

Das und viel mehr gibt es zu entdecken. "Der Luther-Effekt" - die Schau des Deutschen Historischen Museums ist eine der drei großen Nationalen Sonderausstellungen zum 500. Reformationsjubiläum 2017. Weitere Ausstellungsorte im Jubiläumsjahr sind neben Berlin die Wartburg in Eisenach und die Lutherstadt Wittenberg.

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