Fokus Osteuropa

Albanien: Auch Kinder leiden an Folgen der Blutrache

In Nordalbanien gibt es noch immer Blutrache. Die Zahl dieser Verbrechen ist zwar rückläufig. Aber viele Kinder von Betroffenen besuchen aus Angst nicht die Schule. Eine gemeinnützige Stiftung bemüht sich um Abhilfe.

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Im Hinterland von Shkodra leben Opfer von Blutrache isololiert

Die Anzahl der Morde, die auf Blutrache-Fehden zurückgehen, ist in den vergangenen Jahren in der größten nordalbanischen Stadt Shkodra zwar zurückgegangen. Doch in entlegeneren Regionen Nordalbaniens tritt dieses Phänomen noch immer auf. Betroffen sind auch Kinder und Jugendliche. Oft werden ganze Familien bedroht. Manche Kinder gehen deshalb nicht regelmäßig zur Schule. Eine gemeinnützige Organisation versucht, diesen Kindern zu helfen.

Hauslehrer als Alternative

Schätzungen zufolge kommen in Nordalbanien über zweihundert Kinder und Jugendliche wegen Blutfehden ihrer Schulpflicht nicht nach. Sie werden nicht mehr aus dem Haus gelassen, weil Eltern befürchten, ihre Kinder könnten Opfer eines Blutrachemordes durch eine verfeindete Familie werden. Die meisten dieser Familien leben in den schroffen und unwirtlichen Bergregionen bei Kukes. Nun hat die gemeinnützige Stiftung zur Konfliktlösung und Versöhnung in Zusammenarbeit mit der Schulbehörde in Shkodra ein Programm ins Leben gerufen, das den betroffenen Kindern die Möglichkeit gibt, zuhause den Stoff des Schuljahres nachzuholen. Der Mitarbeiter der Stiftung, der bei den Konflikten in Shkodra vermittelt, Aleksander Kola, betont, es sei wichtig, dass der Unterrichtsstoff bewältigt werde und die Kinder den Anschluss an ihren Jahrgang nicht verpassten. "Wir hielten es für vernünftig, in den Schulbezirken, in denen es eine große Anzahl betroffener Schüler gab, eine Gruppe von Lehrern zu bilden, die direkt zu den Kindern gehen und sie zu Hause unterrichten. Das Lernprogramm entspricht dabei dem, was auch in der Schule im gleichen Zeitraum durchgenommen wird", meint Kola.

Isolation durchbrechen

Nicht weniger bedeutend als die Vermittlung des reinen Lernstoffes ist Kola zufolge auch, dass durch die regelmäßigen Besuche die Isolation der Kinder durchbrochen wird. "Es ist für die Kinder wichtig, dass die Lehrer durch die Hausbesuche auch menschliche Wärme vermitteln. Es ist wirklich wunderschön, wenn wir mit den Lehrern in diese Familien kommen, zu sehen, wie glücklich die Kinder darüber sind, dass sich jemand ihrer annimmt. Wenn ein Lehrer oder Bewohner des Dorfes die Türschwelle überschreitet, fühlen sie die Fürsorge der Gemeinde und der Schule."

Durch das Programm möchte die Stiftung den Teufelskreis aus mangelnder Bildung und Isolation in den Haushalten der betroffenen Familien durchbrechen. Mangelnde Bildung und Zurückgezogenheit verstärken sich nach Ansicht der Initiatoren des Projektes gegenseitig und führen letztlich zu einer ausweglosen Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen. Indem den Schülern ermöglicht wird, zuhause ihre Abschlüsse zu machen, soll ihnen so die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben in Zukunft offen stehen.

Leka Plani, Shkodra
DW-RADIO/Albanisch, 22.3.2007, Fokus Ost-Südost

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