Asien

Alternativer Nobelpreis für Inder Colin Gonsalves

Der indische Anwalt Colin Gonsalves ist einer der vier Preisträger des diesjährigen Alternativen Nobelpreises. Er setzt sich seit Jahrzehnten für moderne Sklaven, Slumbewohner, Frauen und Arme ein.

Colin Gonsalves (Getty Images/Center for Reproductive Rights/I.S. Savenok)

Als Joshua Castellino, Dekan der Juristischen Fakultät der University of Middlesex in London, Colin Gonsalves (Artikelbild) vor sieben Jahren die Ehrendoktorwürde verlieh,  fasste er die Leistung des Geehrten folgendermaßen zusammen: "Sie und die von Ihnen gegründete Organisation verkörpern das Gewissen des modernen Indiens. Die Achtung der Würde jedes einzelnen hatte die Gründerväter des modernen Indien beseelt. Im Kampf für die Verwirklichung dieser Vision spielen Sie eine wesentliche Rolle."

Der mittlerweile 65jährige ist in der akademischen Disziplin Global Public Law und in Menschenrechtskreisen eine bekannte Persönlichkeit. 2010 erhielt Gonsalves den "Mother Teresa  Memorial Award" für seine juristische Hilfe in Menschenrechtsangelegenheiten. "Sein Verständnis für Arbeitsrecht bildete sich nach seinen eigenen Worten durch seine Interaktion mit Arbeitern heraus, und indem er die Welt aus ihrer Sicht betrachtete", sagte Ruth Manomara, eine Aktivistin für die Rechte der Kaste der Dalits (früher: Unberührbare), die 2006 ebenfalls mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Kinderarbeit in Indien (AP)

Gonsalves wurde durch die Zustände in Indiens Fabriken mit Kinderarbeit und moderner Sklavenarbeit zum Aktivisten

Einsatz für Arbeiterrechte

1989 gründete Gonsalves das Human Rights Law Network (HRLN), das sich vor allem durch Zuschüsse von verschiedenen anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen finanziert. Inzwischen arbeiten über 200 Rechtsanwälte und juristische Hilfskräfte für Gonsalves‘ Organisation in 28 Büros in ganz Indien. Als Absolvent des Indian Institute of Technology in Bombay (Mumbai) hatte Gonsalves ursprünglich eine Karriere als Bauingenieur angesteuert. "Aber er interessierte sich von Anfang an für juristische Fragen, vor allem durch seinen Kontakt mit der  Fabrikarbeiter-Gewerkschaft in Mumbai", erzählt Gewerkschaftsaktivist Manik Chand.  "Er schaffte es damals, 50.000 Arbeiter aus Schuldknechtschaft (bonded labor) zu befreien, ein großer Sieg für ihn."

Indien Mutter und Kind (picture-alliance/dpa)

Unterstützung für Mütter und Kinder durch Gonsalves' Recht-auf-Nahrung-Initiative

Recht auf Nahrung 

Ein weiterer spektakulärer Erfolg für Gonsalves war die gewonnene Sammelklage auf das Recht auf Nahrung im Jahr 2001. Damals hatte die People's Union for Civil Liberties (PUCL) das in der indischen Verfassung vorgesehene Rechtsinstrument  "Public Interest Litigation" angewandt und beim Obersten Gericht beantragt, dass das Recht auf Nahrung als einklagbares Recht eines jeden Bürgers verankert wird. Dem gab das Gericht unter Hinweis auf Verfassungsartikel 21, der den Schutz des Lebens und der persönlichen Freiheit behandelt, Recht. Praktische Folge des Urteils  war die Schulspeisung für 250 Millionen Kinder sowie Nahrungsmittelhilfe und weitere Unterstützung für Schwangere, stillende Mütter, heranwachsende Mädchen und Kinder unter sechs Jahren. Es handelte sich  um die bis dato größte einzelne staatliche Intervention zur Bekämpfung von Hunger und Unterernährung weltweit.

Indien Wahlen Uttar Pradesh (Getty Images/AFP/P. Singh)

Kritik am extremem Hindu-Nationalismus unter Modi

Düsteres Bild der aktuellen Politik Indiens 

Darüber hinaus engagiert sich Colin Gonsalves nach Auskunft seiner Kollegen immer wieder für zivilgesellschaftliche Gruppen und übernimmt Fälle für Menschen, die zu arm sind, um sich Recht zu verschaffen, oder weil sie Analphabeten sind. So konnte er etwa erreichen,  dass die Kündigung eines Lehrers, der unter zerebraler Bewegungsstörung litt, zurückgenommen wurde, dass der Abriss von Slums gestoppt wurde, dass die Preise für wichtige Medikamente gesenkt wurden, dass Fälle sexuelle Belästigung geahndet wurden. "Es ist Gonsalves zu verdanken, dass über 1000 Einrichtungen für in Not geratene Kinder in Indien eingerichtet wurden", sagte Sozialarbeiter Raj Kumwar der DW. Trotz dieser Erfolge zeichnet Gonsalves mit Blick auf die aktuelle gesellschaftliche Lage in Indien ein pessimistisches Bild. Vor Jura-Studenten sagte er vor kurzem: "Die Diskriminierung von Minderheiten hat ein noch nie dagewesenes Maß erreicht. Die Programme aller politischen Parteien laufen auf die Bereicherung der Kapitalisten und auf die Verarmung der arbeitenden Schichten hinaus. Eine politische Alternative ist nicht in Sicht."

 

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