Afrika

Amnesty: Tote bei Protesten in Kamerun

Bei Protesten für die Unabhängigkeit von Kameruns englischsprachigem Landesteil haben laut Amnesty International Sicherheitskräfte mindestens 17 Menschen getötet. Die Lage ist angespannt.

Kamerun Proteste (Reuters/TV)

Ein Screenshot aus einem Video zeigt eine Verhaftung in der Stadt Buea

"Unverhältnismäßige Gewalt einzusetzen, um Proteste in den westlichen und südwestlichen Regionen Kameruns zu unterdrücken, ist nicht die Lösung", erklärte eine Vertreterin von Amnesty International. Die Gewalt der Sicherheitskräfte und das Blockieren von Kommunikationsplattformen wie Facebook und WhatsApp seien eine "extrem beunruhigende" Eskalation der Regierung in ihrem Kampf gegen Andersdenkende, teilte die Organisation mit.

Am Wochenende hatte es in den mehrheitlich englischsprachigen Landesteilen Kameruns Proteste für die Unabhängigkeit vom französischsprachigen Rest des Landes gegeben. Amnesty geht von 17 Todesopfern aus. Journalisten berichteten, die Armee sei mit äußerster Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen. Die englischsprachige Minderheit fühlt sich von der französischen Mehrheit des westafrikanischen Landes unterdrückt. Anführer der Proteste reklamierten am Sonntag die Unabhängigkeit für ihren Staat mit dem Namen "Ambazonia", bestehend aus den beiden anglophonen Provinzen des Landes an der Grenze zu Nigeria.

Die Geschichte der Kolonie

Kamerun war zeitweise eine deutsche Kolonie, wurde jedoch nach dem Ersten Weltkrieg zwischen Briten und Franzosen aufgeteilt. 1961 wurden die beiden Landesteile wieder vereint - was sich nun zum 56. Mal jährte. Etwa ein Fünftel der 23 Millionen Kameruner soll im anglophonen Teil des Landes leben.

Kamerun Präsident Paul Biya mit Gattin Chantal (picture-alliance/AP Photo/C. Owen)

Präsident Biya und seine Gattin Chantal (Archivbild)

Amnesty forderte ein sofortiges Ende der Gewalt. Die Lage ist auch deshalb unübersichtlich, weil es in Kamerun kaum unabhängige Medien gibt. Die Separatisten haben breite Unterstützung in der Region. Das liegt auch an der Politik der autoritären Regierung von Präsident Paul Biya, der seit 35 Jahren im Amt ist. Die Englisch sprechenden Kameruner werfen Biya vor, ihren Landesteil bewusst zu vernachlässigen.

ml/cgn (dpa, epd)

 

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