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Angst vor "Super-Virus"

30. Januar 2004

Die Vogelgrippe greift weiter um sich. Inzwischen ordnete auch Indonesien Massentötungen an. Trotzdem breitet sich die Krankheit weiter aus.

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Lebensaussichten für Hühner in Asien gehen gegen NullBild: AP

Mehrere Millionen Hühner sind an der Vogelgrippe verendet – Millionen wurden getötet. Inzwischen sind mindestens zehn asiatische Länder von dem Virus betroffen: China, Japan, Vietnam, Thailand, Laos, Südkorea, Taiwan, Kambodscha, Pakistan und Indonesien. Nach langem Zögern hat nun auch Indonesien am Donnerstag (29.1.) die massenhafte Tötung von infizierten Hühnern angekündigt. Trotz der Vernichtung von Hühnern breitet sich die Krankheit weiter aus. So in Thailand, wo bereits knapp elf Millionen Hühner getötet wurden.

Vogelgrippe in Bangkok
In Thailand wurden 11 Millionen Hühner getötetBild: AP

Bislang sind zehn Menschen an der Vogelgrippe gestorben: acht in Vietnam und zwei in Thailand. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verschärfte mittlerweile ihre Warnung vor einer weltweiten Grippeepidemie mit Millionen von Toten. Die Zeit, diese Gefahr abzuwenden, sei knapp, mahnten WHO und die Welternährungsorganisation FAO. Die internationale Gemeinschaft müsse rasch und entschlossen zusammenarbeiten.

Am Mittwoch (28.1.) trafen sich die betroffenen Länder in Bangkok zu einem Krisengipfel, um über das weitere Vorgehen zu diskutieren. Sie beschlossen die Zusammenarbeit zu verstärken und ihre Maßnahmen besser aufeinander abzustimmen.

Angst vor "Super-Virus"

Vogelgrippe in Malaysia
Auf dem Markt in Kuala Lumpur, MalaysiaBild: AP

Generell infizieren sich Menschen nicht so leicht mit der Vogelgrippe und die Übertragung des Virus erfolgte bislang nur vom Tier zum Menschen. Was aber der WHO Sorgen bereitet ist, dass zurzeit auch ein menschliches Grippe-Virus umgeht. Sollte sich das menschliche Influenza-Virus mit dem Geflügel-Virus verbinden, könnte es für den Menschen tatsächlich gefährlich werden.

"Influenza-Viren sind generell sehr leicht veränderlich", erklärt Ortrud Werner von der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere. Wenn sich nun ein Mensch mit beiden Viren infiziere und sich diese in den Zellen vermehrten, könne es zu einem Austausch von Genen kommen. Kein Mensch der Welt hätte gegen ein derartiges neues Virus Antikörper. Durch die Teile des menschlichen Grippe-Virus könnte das neu entstandene Virus sich dann auch von Mensch zu Mensch übertragen und eine weltweite Pandemie (mehrere Länder erfassende Seuche) auslösen.

Bereits bei der Hongkong-Grippe 1968, die allein in Deutschland 30.000 Todesopfer forderte, stammte ein Teil des Virus von der Vogelgrippe. Allerdings fand die Gen-Veränderung damals beim Schwein statt, das über die Rezeptoren sowohl für das menschliche als auch das Geflügel-Virus verfügt. Daher gelangen Geflügel-Erkrankungen oft über das Schwein zum Menschen. "Bisher ist es noch nie vorgekommen, dass eine derartige Veränderung des Virus im Menschen stattgefunden hat", erläutert Werner. Dies sei ein zufälliges Ereignis, "ob und wann so etwas vorkommt, das weiß niemand". Pandemien haben ihren Ursprung häufig in Asien, weil dort Menschen, Geflügel und Schweine auf engem Raum zusammenleben und tierische Viren so leichter auf Menschen übergehen können.

Grippevirus H5N1 soll für Vogelgrippe verantwortlich sein
Mikroskopaufnahme des Grippevirus H5N1, das für die Vogelgrippe verantwortlich sein sollBild: DPA

EU verbietet Importe

Als Vorsichtsmaßnahme, um eine Ausbreitung nach Europa zu verhindern, setzte die EU-Kommission die Einfuhr von Hausvögeln aus Südostasien aus. Unter die Regelung fallen nicht nur Hühner und Enten, sondern auch Papageien, Sittiche, Buchfinken und Falken.

Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mitteilte, wollen sich weltweit elf namhafte pharmazeutische Unternehmen an der Suche nach einem Impfstoff für Menschen gegen die Vogelgrippe beteiligen. Der Leiter des WHO-Programms zur Bekämpfung der Vogelgrippe, Klaus Stöhr, sagte in Genf, es werde voraussichtlich noch bis zu sechs Monate dauern, bis eine nennenswerte Impfstoffmenge für Menschen zur Verfügung stehe. (iw)