Arbeit: Vom lästigen Übel zum Sinnstifter

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Müßiggang als Idealzustand

Unter den Vordenkern im antiken Griechenland ist Arbeit verpönt. Aristoteles setzt Arbeit in Gegensatz zu Freiheit; Homer besingt den Müßiggang des altgriechischen Adels als erstrebenswertes Ziel. Körperliche Arbeit ist Frauen, Knechten und Sklaven vorbehalten.

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Wer feiern kann, braucht nicht zu arbeiten

Auch im Mittelalter lässt die Arbeitsmoral zu wünschen übrig: Arbeit - vor allem in der Landwirtschaft - ist eine lästige Pflicht. Wer Frondienst für seinen Grundherren leisten muss, hat keine Wahl. Wer die Wahl hat, feiert lieber und lebt von der Hand in den Mund. Gewinnstreben gilt als Laster. Bis zu 100 Feiertage im Jahr stellen sicher, dass die Arbeit nicht zu sehr in den Vordergrund gerät.

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Arbeit als Befehl Gottes

Im 16. Jahrhundert erklärt Martin Luther den Müßiggang schließlich zur Sünde: Der Mensch sei zum Arbeiten geboren, schreibt Luther. Arbeit sei "Gottesdienst" und zugleich "Berufung". Im englisch-amerikanischen Puritarismus gilt Arbeit als Zeichen, von Gott erwählt zu sein. Das beschleunigt die Entstehung des Kapitalismus.

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Im Dienst der Maschinen

Im 18. Jahrhundert beginnt in Europa die Industrialisierung. Die Bevölkerung wächst, das Land wird knapp - mehr und mehr Menschen strömen in die Fabriken und Eisengießereien. Um 1850 arbeiten viele Engländer bis zu 14 Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Die Löhne reichen trotzdem kaum zum Überleben. Erfindungen wie Dampfmaschine und mechanischer Webstuhl führen zur Verdreifachung der Produktion.

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Sinkende Preise, steigende Löhne

Anfang des 20. Jahrhunderts perfektioniert Henry Ford die Fließbandfertigung im Automobilbau - und setzt damit Standards für die gesamte Industrie. Die Produktion des "Ford Modell T" kann Ford dank der Fließbänder verachtfachen. Dadurch kann er den Verkaufspreis stark senken und seinen Arbeitern höhere Löhne zahlen.

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Arbeitssucht vs. Recht auf Faulheit

Mit den Fabriken entsteht eine neue gesellschaftliche Klasse: das Proletariat. Für Karl Marx, der diesen Begriff prägt, macht Arbeit das Wesen des Menschen aus. Marx' Schwiegersohn, der Sozialist Paul Lafargue, stellt 1880 fest: "Eine seltsame Sucht beherrscht die Arbeiterklasse aller Länder. (…) Es ist die Liebe zur Arbeit, die rasende, bis zur Erschöpfung der Individuen gehende Arbeitssucht."

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Globalisierte Arbeitswelt

Im Laufe des 20. Jahrhunderts steigen in den wohlhabenden Staaten der Welt die Arbeitskosten deutlich an. Die Folge: Unternehmen verlagern ihre Produktion dorthin, wo es billiger ist. In vielen ärmeren Ländern herrschen dadurch bis heute Verhältnisse, die an die der Industrialisierungsphase Europas erinnern: Kinderarbeit, niedrige Löhne und fehlende soziale Absicherung.

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Neue Rahmenbedingungen

In Europa entstehen derweil mehr und mehr Jobs im Dienstleistungssektor. Neue Betätigungsfelder tun sich auf - nicht nur als Ergebnis des technologischen, sondern auch des gesellschaftlichen Wandels: Altenpfleger werden händeringend gesucht. Die individuelle Arbeitszeit verkürzt sich; in Deutschland nimmt das Arbeitsvolumen pro Kopf zwischen 1960 und 2010 um 30 Prozent ab.

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Nie wieder arbeiten?

Sie streiken nicht, verlangen keinen Lohn und arbeiten extrem präzise: Industrie-Roboter revolutionieren die Arbeitswelt aufs Neue. Der US-amerikanische Ökonom Jeremy Rifkin spricht von einer "dritten industriellen Revolution", die der massenhaften Lohn- und Gehaltsarbeit ein Ende setzen werde.

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Jobkiller Roboter?

Es ist eine seit 40 Jahren gestellte Frage, seit die stählernen Helfer Einzug in die Fabrikhallen gehalten haben. Doch jetzt scheint sich die Entwicklung in der Tat zuzuspitzen. Die Digitalisierung, das Internet der Dinge und Industrie 4.0 werden etliche Berufe überflüssig machen - und zwar keinesfalls nur in der Industrie.

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Schöne, neue Arbeitswelt

Die Maschinen machen die Arbeit und die Menschen haben Zeit für das Wesentliche, so die Utopie. Umweltschutz, Betreuung von Alten und Kranken, Unterstützung von Bedürftigen: Dies Aufgaben werden im Moment vor allem von Ehrenamtlichen übernommen. In der neuen Arbeitswelt könnte die Berufung dann wieder zum Beruf werden.

Bis ins Mittelalter hatte Arbeit einen durch und durch schlechten Ruf. Dann kam Martin Luther und machte sie zu einer göttlichen Pflicht. Jetzt drohen Roboter, uns die Arbeit abzunehmen. Eine Zeitreise.