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Dauerprotest gegen Formel-1

20. April 2013

Auslöser ist wieder das umstrittene Formel-1-Rennen am Sonntag: Zehntausende Menschen demonstrieren auf den Straßen der Hauptstadt Manama gegen die Regierung Bahrains. Die Armee wurde in Alarmbereitschaft versetzt.

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Frauen in Bahrain mit Protestplakaten (foto: REUTERS)
Bild: reuters

Nach den Freitagsgebeten folgten erneut die oppositionellen Massen den Aufrufen ihrer Führer zu einem "Tag des Zorns". Auch zehntausende aufgebrachte moslemische Gläubige im gesamten arabischen Golfstaat Bahrain protestierten gegen die politische Führung. Bei den Kundgebungen wurden Menschenrechte und Demokratie eingefordert sowie die Freilassung der politischen Gefangenen. Die Aufmärsche richteten sich zudem an die Organisatoren der Formel-1, das Grand-Prix-Rennen am Sonntag abzusagen.

Wenn die Weltöffentlichkeit auf den Großen Preis von Bahrain schaut, sollen die Scheinwerfer auch das autoritäre Königreich beleuchten, und die Aufmerksamkeit auch auf die Proteste für Reformen richten. In der Hauptstadt Manama wurden am Freitag Autos und Autoreifen in Brand gesetzt, um Straßen zu blockieren - auch in der Nähe des Flughafens. Die Polizei setzte Tränengas und Blendgranaten ein. Die Protestierenden skandierten "Nein zur Blut-Formel-1" und "Keine Formel-1 im besetzten Bahrain".

Am Abend kam es dann zu heftigen Ausschreitungen, als Demonstranten eine Autobahn in Manama besetzen wollten. Angeführt von der radikalen "Bewegung des 14. Februar" versuchten Aktivisten, die Verkehrsverbindungen aus Manama zu den Motorsport-Austragungsorten zu unterbrechen.

Immer wieder blutige Unruhen gegen das autoritäre Königreich Bahrain (foto: REUTERS)
Immer wieder blutige Unruhen gegen das autoritäre Königreich BahrainBild: Reuters

Die Sicherheitskräfte befinden sich in Alarmbereitschaft. Die Polizei ließ in den Nebenstraßen der Hauptstadt gepanzerte Fahrzeuge auffahren und Straßensperren errichten. Eine Sprecherin des Regimes nannte die Demonstranten eine "kindische Bewegung". Das alle werde keinen Einfluss auf das Rennen haben. Ein Team des britischen Fernsehsenders ITV wurde gezwungen, Bahrain zu verlassen. Die fünfköpfige Gruppe hatte am Vortag Demonstrationen gefilmt, wurde bei ihrer Arbeit unterbrochen und zweimal verhört. Nach der Drohung, sonst im Gefängnis zu landen, bereiteten die Journalisten ihre Ausreise vor.

"Keine Bedenken"

Formel-1-Mogul Bernie Ecclestone und Jean Todt, Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA, halten trotz der angespannten Lage an dem umstrittensten Rennen der Saison fest. Der Sport habe auch viele positive Wirkungen und könne helfen, Schwierigkeiten zu lindern. Er wissen nicht, ob es in Bahrain Probleme gebe, er selbst habe keine, mockierte sich Ecclestone vor den Journalisten. Der Brite reagierte nervös auf Kritik und rief dazu auf, sich mehr um die Menschenrechte in Syrien zu kümmern. Er soll rund 40 Millionen Dollar Antrittsgage für das Rennen erhalten.

Seit zwei Jahren kämpfen Oppositionelle der mehrheitlich schiitischen Bevölkerung für mehr Rechte in Bahrain, das seit Jahrhunderten von der Herrscherfamilie Al-Khalifa regiert wird - einer sunnitischen Dynastie. 80 Menschen sind seit dem Ausbruch des Arabischen Frühlings Anfang 2011 ums Leben gekommen. Allein in diesem Monat sollen bisher rund 100 Aktivisten eingesperrt und 30 verletzt worden sein. 2011 war das Rennen am Golf abgesagt worden, nachdem die aufkommenden Unruhen von Truppen aus dem benachbarten Saudi-Arabien blutig niedergeschlagen worden waren. Auch der Grand Prix 2012 wurde von Protesten begleitet.

SC/ml (sid, rtre, dpae)