eSports

Brutstätte für neue eSport-Stars

Weil die halbe Fußball-Bundesliga ein Auge auf den eSport geworfen und zum Teil groß investiert hat, steht die Szene unter Druck. Penta Sports will nun mit dem ersten eSport-Leistungszentrum der Konkurrenz enteilen.

Die Macher von Penta Sports im neuen Leistungszentrum in Berlin. Foto: Penta Sports

Die Macher von Penta Sports im neuen Leistungszentrum in Berlin

"Und hier, auch schon fertig", sagt Andreas Schätzke und zeigt einen Raum, in dem sich Baumaterialien bis zur Decke stapeln und volle Champagnerflaschen neben leeren Cola-Kisten stehen. Natürlich ist hier noch nichts fertig, schließlich sollen diese gut 20 Quadratmeter kein Lager werden, sondern ein hochmodernes Multimedia-Studio. Aber Spaß muss sein.

Kurz vor Ostern war bei Penta Sports in Berlin noch Baustelle. Bis zur letzten Sekunde hatten die Geschäftsführung, ein paar freie Mitarbeiter und 20 Helfer Hand angelegt, um den großen Lounge-Bereich und die Gaming-Räume auf Vordermann zu bringen. Kaum geschlafen haben sie, um der eSport-Welt ihr neues Baby zu präsentieren: das erste Leistungszentrum für den elektronischen Sport in Deutschland.

Wie Priester in der Wüste

"Lange sind wir wie Priester durch die Wüste gelaufen, um unseren Glauben an den eSport zu verbreiten und wurden dafür doof angeguckt", sagt Schätzke, Managing Director bei Penta Sports, einer der erfolgreichsten eSport-Institutionen in Deutschland. Nun, sagt der 27-Jährige, wende sich das Blatt. Von 500.000 Euro werde der Jahresumsatz seines Unternehmens in diesem Jahr auf zwei Millionen Euro steigen. "Aber schon 2019", glaubt Schätzke, "werden wir die Zehn-Millionen-Marke erreichen."

eSports (lolesports.com)

Der Urknall des eSports ist längst erfolgt, nun ordnen sich die Sonnensysteme

Enorme Wachstumsraten fachen den aktuellen Boom im internationalen eSport weiter an. "Nach einem langen linearen Wachstum ist nun ein Wirtschaftssystem entstanden, das sich in alle Bereiche massiv ausdehnt. Wir haben vor zwei Jahren den Urknall erlebt", sagt Schätzke. Urknall? Der eSport-Unternehmer ist ein Freund sprachlicher Bilder. Die Spiele im eSport, die professionell betrieben würden, seien wie Sonnensysteme. Jedes einzelne Spiel kreise dabei um eine Sonne, sprich den Publisher, den Urheber der Spiele-Software. Hinzu kämen dann die verschiedenen Ligen, die sich als Monde in jedem Sonnensystem wiederfänden. "Und das alles wächst in alle Richtungen", sagt Schätzke.

Fußballvereine drängen in den Markt

Schalkes eSport-Team. Foto: FC Schalke 04

Schalkes eSport-Team

In Deutschland wird die Professionalisierung des elektronischen Sports seit einigen Monaten von ganz neuen Marktteilnehmern beeinflusst: Mit dem FC Schalke 04 und dem VfL Wolfsburg sind zwei Fußball-Bundesligavereine in das Business eingestiegen und haben eigene Profi-Teams aufgebaut. Darüber hinaus soll die halbe Bundesliga, darunter auch Branchenprimus Bayern München ähnliche Strategien planen. Schätzke, der als Jugendlicher selbst als eSportler aktiv war und parallel zu seinem noch nicht beendeten Studium der Wirtschaftswissenschaften auf die Management-Seite wechselte, ist kein Freund der Kicker-Clans. "Bis auf wenige Ausnahmen verstehen die Fußballteams nicht, wie interessant der eSport-Markt per se ist. Vielmehr sehen sie darin ein Vermarktungstool."

Dem Druck, den die Fußballvereine im Wettbewerb entfachen, können sich aber auch etablierte Organisationen wie Penta Sports nicht entziehen. Die Umsetzung des Anfang des Jahres beschlossenen Leistungszentrums in Berlin darf dafür als Beleg gelten. "Der Kerngedanke kam aber schon im März 2015 in Katowice auf, als wir unseren bislang größten sportlichen Erfolg feiern konnten. Die Idee war damals aber ein Gaming-Haus. Mit der Zeit haben wir gemerkt, dass es für uns viel, viel interessanter und auch viel lukrativer ist, größer und umfangreicher zu denken."

Professionelles Umfeld

Penta-Managing Director Andreas Schätzke. Foto: Penta Sports

Penta-Managing Director Andreas Schätzke (r.)

Umfangreich und groß sind allein schon die Ausmaße des Leistungszentrums. Die Etage in einem Wohn- und Gewerbekomplex tief im Berliner Osten umfasst 430 Quadratmeter. Herzstück ist die Lobby, die für Veranstaltungen, Meetings und zur Entspannung genutzt werden kann. Von dort aus geht es dann in die vier Gaming-Räume, die für jeweils fünf eSportler und einen Trainer technisch hochgerüstet sind. Hinzu kommen Schnittplätze, Büros des Managements und Konferenzräume, die etwa für die sportpsychologische Betreuung der Athleten genutzt werden sollen. "Zudem haben wir eine Kooperation mit einem Fitnessstudio. Und dadurch, dass wir unsere Büros hier haben, können wir die Spieler direkt in der Eigenvermarktung coachen und rundum wie Profis betreuen."

Samantha "MissSamply" Lange und Alexander Kneußel, alias "KnuSper", zwei der Penta-Spieler, waren bei der Eröffnung des Leistungszentrums in Berlin sichtlich geflasht. Allerdings ist es ihnen aktuell kaum möglich, die Örtlichkeit zu nutzen. Schließlich studiert Lange in Düsseldorf, und Kneußel absolviert im normalen Leben eine Ausbildung als Informationselektroniker in Hannover. Mit ihren Counterstrike- und FIFA-Teams werden beide höchstens Trainingslager in Berlin absolvieren. "Unser Ziel ist es, dass wir einige Teams hier ins ELZ [eSport-Leistungszentrum, Anm. der Redaktion] holen", sagt Managing Director Andreas Schätzke. "Die Spieler sollen dann in Berlin wohnen und bei uns als Profis einen normalen Arbeitsalltag haben. Aber das werden wir in diesem Jahr noch nicht umsetzen können."

Organisatorisch "Champions League"

Das Leistungszentrum ist eine mittelfristige Investition, die Penta trotz der neuen großen Konkurrenz am Markt einen exponierten Platz in der eSport-"Galaxie" sichern soll. Damit reagieren die Macher auf eine von ihnen selbst ausgemachte eigene Schieflage: Denn organisatorisch sei Penta spätestens mit dem Leistungszentrum, so Schätzke, "Champions League", sportlich trotz aller bisherigen Erfolge noch eher Europa League: "Aber in etwa zwei Jahren werden wir hier in unserem Leistungszentrum die ersten Stars produziert haben. Der Ort ist dafür die Grundlage."

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