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Frischer Wind für Verleger

Amira El Ahl © Qantara.de 201330. Januar 2013

Im Jahr Zwei nach der Revolution in Ägypten findet die Kairoer Buchmesse 2013 wieder mit vollem Programm statt. Das Publikumsinteresse nimmt spürbar zu, gefragt sind vor allem Bücher für die junge Generation.

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Junge Besucherinnen am Stand der Frankfurter Buchmesse in Kairo (Foto: DWAmira El Ahl)
Junge Besucherinnen des Stands der Frankfurter BuchmesseBild: DW/A. El Ahl

Das Mittagsgebet hat gerade begonnen und im saudischen Zelt knien in einem abgetrennten Raum die Männer zum Gebet in Richtung Mekka nieder. Unbeeindruckt davon geht in den Gängen um sie herum das geschäftige Treiben weiter.

Überall sind Stände mit Büchern über den Islam und islamisches Recht aufgebaut, davor stehen vor allem Männer mit langen Bärten und "Galabeyas", den langen, meist bis auf die Füße reichenden Gewändern.

Älteste Buchmesse der arabischen Welt

Es ist das Jahr 2 nach der Revolution in Ägypten und zum ersten Mal findet die Kairoer Buchmesse 2013 wieder im vollen Umfang statt (23.01. bis 04.02.2013). 735 Verleger sind zur 44. Buchmesse in die ägyptische Hauptstadt gekommen, um dem Publikum Bücher vorzustellen und zu verkaufen. Es ist die größte und älteste Buchmesse der arabischen Welt und sie beginnt traditionell in der letzten Woche im Januar.

Vor zwei Jahren war schon alles aufgebaut, als die Demonstrationen gegen Machthaber Husni Mubarak auf dem Tahrir-Platz im Zentrum der Stadt begannen. Die Messe wurde daraufhin kurzfristig abgesagt. 2012 fand sie zwar wieder statt, aber immer noch mit eingeschränktem Angebot.

Proteste auf dem Kairoer Tahrir-Platz im Februar 2011 (Foto: dpa)
Proteste auf dem Kairoer Tahrir-Platz 2011Bild: picture-alliance/dpa

Eigene Kollektion der Frankfurter Buchmesse

In Halle 19, einem der Hauptgebäude des Geländes, steht der deutsche Messestand. Er wird wie in jedem Jahr von der Frankfurter Buchmesse in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut organisiert. 450 Neuerscheinungen aus Deutschland werden hier präsentiert, darunter literarische Neuerscheinungen. Dazu kommt eine extra für die internationalen Messen zusammengestellte Buchkollektion der Frankfurter Buchmesse, die in diesem Jahr unter dem Titel "Urbanität leben" steht, sowie Bücher über Ägypten. Außerdem stellen fünf Verlage ihre Neuerscheinungen vor, darunter der renommierte Suhrkamp Verlag.

Seit 2008 führt das Goethe-Institut Kairo Trainingsprogramme für ägyptische Verleger durch, die vom ägyptischen Verlegerverband unterstützt werden, so auch 2013. Das Goethe-Institut bietet jungen Verlegern die Chance, Hospitationen in deutschen Verlagen zu absolvieren - und Buchhändlern die Möglichkeit, vier Wochen lang in einer deutschen Buchhandlung zu hospitieren.

Trainingsprogramm für Verleger

Sherif Bakr (Mitte, vor grünem Hintergrund) während einer Diskussionsrunde auf der Kairoer Buchmesse (Foto: DW/Amira El Ahl)
Sherif Bakr (Mitte, vor grünem Hintergrund) während einer Diskussionsrunde auf der Kairoer BuchmesseBild: DW/A. El Ahl

Einer, der von Anfang an mit dabei gewesen ist, ist Sherif Bakr. Er hat gemeinsam mit Sherif Kassem und dem Goethe-Institut das Langzeitprojekt "Training Programme for Publishers from the Arab World" organisiert, um dem arabischen Verlagswesen zu helfen, sich zu modernisieren. Denn obwohl das Verlagswesen in der arabischen Welt eine lange Tradition hat und Ägypten mit etwa 650 Verlagshäusern und seiner internationalen Buchmesse über die größte Buchindustrie der Region verfügt, krankt es im arabischen Verlagswesen an vielen Dingen.

Fehlendes Publikum

Meist sind die Verlage alteingesessene Familienbetriebe, die extrem hierarchisch aufgebaut sind und in denen Entscheidungen über das Verlagsprogramm kaum bis gar nicht kommuniziert werden. Zudem fehlen Vertriebsstrukturen fast gänzlich. Doch das größte Problem der arabischen Verleger ist, dass ihnen das Publikum fehlt.

Denn obwohl 300 Millionen Menschen Arabisch sprechen, werden durchschnittlich nur 1000 bis 3000 Exemplare eines Buches gedruckt, wie Sherif Bakr erläutert. Ein Buch, das sich in sechs Monaten 6000 Mal verkauft, gilt schon als Bestseller.

Literatur für die junge ägyptische Generation

Doch Sherif Bakr ist Optimist. 2005 übernahm er von seinem Vater den Familienbetrieb "Al-Arabi". "Wir haben den schwersten und dunkelsten Teil hinter uns gebracht", sagt der Verleger. Die Kurve zeige nun nach oben. "Es wächst eine neue Generation heran, die andere Dinge lesen will und interessiert ist."

Besucher auf der Kairoer Buchmesse (Foto: DW/Amira El Ahl)
Umworben: junge LeserBild: DW/A. El Ahl

Hinzu kämen eine Reihe junger Verleger, die mit eigenen Ideen frischen Wind in das Verlagswesen bringen würden. "Sie wissen, was die junge Generation bewegt, worüber sie reden und was sie lesen wollen", sagt Sherif Bakr. Sie gäben den jungen Leuten was sie wollen und änderten dadurch das Geschäftsmodell der Branche.

Die größte Herausforderung der Verleger sei momentan jedoch die wirtschaftliche Lage im Land, sagt Sherif Bakr. 2011 wurde die Kairoer Buchmesse abgesagt, einige Verleger brachten 2011 kein einziges Buch auf den Markt. Und auch 2012 entspannte sich die Lage nicht. Öffentliche Bibliotheken, die sonst in jedem Jahr die Buchmesse nutzen, um ihre Bestände auf den neuesten Stand zu bringen und treue Abnehmer waren, kauften 2012 kein einziges Buch. Dem Staat fehlt das Geld.

Revolutionsimport unerwünscht

Eigentlich sind auch die Golfstaaten ein guter Markt für die ägyptischen Verleger, meint Sherif Bakr, jede Universität und Bibliothek kaufe auf der Buchmesse Neuerscheinungen. "Doch seit der Revolution sind sie vorsichtig geworden mit Verlegern aus Ägypten", sagt Sherif Bakr. "Sie wollen nicht die Revolution importieren."

Die Kairoer Buchmesse ist die Hauptveranstaltung für Universitäten, Bibliotheken und Forschungszentren. 60 Prozent der Titel, die auf der Buchmesse verkauft werden, sind religiös, 60 Prozent der restlichen 40 Prozent akademisch. Die Zahlen, sagt Sherif Bakr, seien über die Jahre relativ gleich geblieben, die Revolution habe keinen großen Umschwung gebracht.

Die Hoffnungen des Verlegers für die diesjährige Buchmesse ruhen nun vor allem auf den Verkaufszahlen. Die werden bestimmen, wie die Verlage im kommenden Jahr arbeiten können. "Wir machen 40 Prozent unseres Jahresumsatzes auf der Buchmesse, da ist es entscheidend wie gut wir hier verkaufen."