1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
Politik

China macht sich im Nordkorea-Konflikt klein

28. April 2017

Die Führung in Peking hat vor überzogenen Erwartungen an ihre Möglichkeiten gewarnt, den Streit um Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm beenden zu können. Aber auch Washington übt sich in - relativer - Zurückhaltung.

https://p.dw.com/p/2c4W5
Der chinesische Außenminister Wang Yi (Foto: Reuters/J. Lee)
Auch der chinesische Außenminister Wang Yi wird am Minister-Treffen des Weltsicherheitsrats teilnehmen Bild: Reuters/J. Lee

"Wir halten nicht den Schlüssel zur Lösung des Nordkorea-Problems", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Geng Shuang, vor der Presse in Peking. "Wir haben den Konflikt nicht verschärft." Gemeinsame Anstrengungen seien erforderlich. Der Außenamtssprecher wollte Äußerungen von US-Außenminister Rex Tillerson nicht bestätigen, dass China Nordkorea mit Sanktionen gedroht habe, sollte der Nachbar einen weiteren Atomtest unternehmen.

Peking: "Positive" Stellungnahmen des US-Präsidenten

In der Vergangenheit hatte die Führung in Peking die USA immer wieder aufgefordert, direkte Gespräche mit Nordkorea aufzunehmen, um so die beiden Hauptkontrahenten an einen Tisch zu bringen. Geng Shuang begrüßte die "positiven" Stellungnahmen von US-Präsident Donald Trump, der sich wiederholt lobend über Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping und seine Bemühungen geäußert hatte. Die Volksrepublik unterstütze die Sanktionen der Vereinten Nationen und habe sich immer dafür eingesetzt, die Probleme durch Dialog und Austausch zu lösen. Er verwies auf die Gespräche im Weltsicherheitsrat an diesem Freitag in New York.

US-Präsident Donald Trump (Foto: Getty Images/O. Douliery)
Der US-Präsident gibt sich - nach fast 100 Tagen im Amt - für seine Verhältnisse recht moderat im Nordkorea-KonfliktBild: Getty Images/O. Douliery

Bei der Sitzung des Rats wird UN-Generalsekretär António Guterres das Gremium über die Lage informieren. Außer US-Außenminister Tillerson nimmt auch dessen chinesischer Kollege Wang Yi teil. Ein greifbares Ergebnis wie eine Erklärung, eine Resolution oder gar die Verabschiedung neuer Sanktionen sei nicht geplant, hieß es von der US-Vertretung bei den Vereinten Nationen.

Trump: "Ich hoffe, dass Kim Jong Un vernünftig ist"

Tillerson selbst sagte derweil dem National Public Radio (NPR), die USA seien durchaus offen für direkte Gespräche mit Nordkorea. Aber das Land müsse sich vorher dazu bereit erklären, sein Atomprogramm aufzugeben. "Wir streben nicht den Kollaps des Regimes an. Wir wollen keine beschleunigte Wiedervereinigung der koreanischen Halbinsel. Wir wollen eine nuklearwaffenfreie Halbinsel." Die USA gehen davon aus, dass Peking großen Einfluss auf Nordkorea hat, auch weil rund 80 Prozent des nordkoreanischen Außenhandels über China läuft. Nach zwei Atomversuchen und zahlreichen nordkoreanischen Raketentests seit dem vergangenen Jahr ist die Lage in der Region angespannt.

Washington erhöht Druck auf Nordkorea

Der US-Präsident erneuerte unterdessen seine Warnung vor einer Eskalation im Streit mit Nordkorea. "Es besteht die Möglichkeit, dass wir am Ende einen großen, großen Konflikt mit Nordkorea haben", sagte er in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Er strebe beim nordkoreanischen Atom- und Raketenprogramm zwar weiter eine diplomatische Lösung an. Doch sei dies sehr schwierig. Machthaber Kim Jong Un könne er nur schwer einschätzen, so Trump weiter: "Ich hoffe, dass er vernünftig ist."

Auswärtiges Amt rät von nicht zwingend notwendigen Reisen ab 

Angesichts der zunehmenden Spannungen rät das Auswärtige Amt dringend von allen nicht erforderlichen Reisen nach Nordkorea ab. "Deutschen Staatsangehörigen, die sich dennoch weiter in Nordkorea befinden, wird dringend empfohlen, sich in die Krisenvorsorgeliste einzutragen", heißt es auf der Internetseite des Ministeriums. Nordkorea zählt zu den am stärksten abgeschotteten Ländern der Welt. Der Reiseverkehr von Deutschland in das ostasiatische Land ist entsprechend gering. Es handelt sich bei dem neuen Reisehinweis nicht um eine Reisewarnung, die nur für Kriegs- und Bürgerkriegsgebiete ausgesprochen wird.

sti/cr (dpa, rtr)