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Chinesen wollen Kuka kaufen

18. Mai 2016

Im vergangenen Jahr stieg das chinesische Unternehmen Midea beim deutschen Roboter-Hersteller Kuka ein. Nun will es seine Beteiligung kräftig aufstocken. Deutsche Mittelständler stehen in China hoch im Kurs.

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Hannover Messe 2013
Bild: DW/A. Becker

Der chinesische Klimaanlagen- und Haushaltsgeräte-Hersteller Midea hat ein öffentliches Übernahmeangebot für den Augsburger Roboterbauer Kuka abgegeben: Pro Aktie bieten die Chinesen demnach 115 Euro - das entspricht einem Unternehmenswert von rund 4,5 Milliarden Euro. Kuka kündigte an, das Angebot zu prüfen.

Midea hält derzeit 13,5 Prozent der Kuka-Anteile und will sich mindestens 30 Prozent sichern. Wird diese Schwelle verfehlt, gilt das Angebot nicht. Die Kontrolle über Kuka wollen sie aber nach eigenen Angaben auch als dann größter Einzelaktionär nicht übernehmen. Der Vorstand um Till Reuter habe weiterhin freie Hand.

Es gehe darum, die Chancen im chinesischen Logistikmarkt zu nutzen und die Automatisierung bei Mideas bestehenden Kunden voranzutreiben, hieß es in einer Präsentation. Die Chinesen sind nach eigenen Angaben weltweit Marktführer für Haushaltsgeräte und erzielen sieben von fast 19 Milliarden Euro Umsatz außerhalb ihres Heimatlandes.

Kukas Tor nach China?

Kuka wiederum hat sich vorgenommen, nach jahrelanger Abhängigkeit von der Autoindustrie mehr Geschäft mit Kunden aus der Logistik, Luftfahrt, IT oder Herstellern von Computern, Telefonen, Tablets und Haushaltsgeräten zu machen. Die Schwaben sprechen bereits seit einiger Zeit mit dem chinesischen Unternehmen über dessen Automatisierung von gut 100 Logistikzentren.

China ist für Kuka auch deshalb interessant, weil im größten Robotermarkt der Welt der Automatisierungsgrad vergleichsweise gering ist. Mit dem Einstieg von Midea und der Partnerschaft könne Kukas China-Strategie beschleunigt werden, hieß es weiter. Kuka will seinen Umsatz bis 2020 auf über vier Milliarden Euro steigern, zuletzt waren es knapp unter drei Milliarden Euro.

Midea macht den Schwaben im Zuge des Übernahmeangebots weitreichende Zugeständnisse. Kuka soll an der Börse notiert bleiben, ein Beherrschungsvertrag sei nicht geplant. Firmensitz bleibe Augsburg, auch an den Produktionsstandorten solle sich nichts ändern. Bei der Belegschaft seien ebenfalls keine Veränderungen geplant. Kuka beschäftigt rund 12.300 Menschen.

Großaktionär Voith

Midea war im August zunächst mit fünf Prozent bei Kuka eingestiegen und Anfang Februar mit 10,2 Prozent zum zweitgrößten Aktionär aufgestiegen. Schon damals hatten die Chinesen angekündigt, den Anteil aufstocken zu wollen.

Größter Kuka-Aktionär ist der schwäbische Anlagenbauer Voith, der 25,1 Prozent hält und damit wichtige Entscheidungen blockieren kann. "Wir gehen davon aus, dass Midea Voith als größtem Einzelaktionär seine Planungen und Absichten erläutern wird", sagte ein Sprecher am Mittwoch.

"Unabhängig von dieser aktuellen Entwicklung sind wir mit unserem Investment gut positioniert und mit der Entwicklung der Beteiligung seit unserem Einstieg im November 2014 sehr zufrieden", erklärte Voith.

Voith hatte sich an Kuka beteiligt, um seine "Industrie 4.0"-Strategie zu untermauern. Mit einem Verkauf seiner Anteile an die Chinesen könnte Voith seinen Einsatz mehr als verdoppeln. Damals kostete die Kuka-Aktie rund 50 Euro, Midea bietet nun 115 Euro je Aktie.

bea/hb (rtr, dpa)