Danzig würdigt Grass

Zu Lebzeiten sprach sich Günter Grass stets gegen ein Denkmal in seiner Geburtsstadt aus. Jetzt sitzt sein bronzenes Ebenbild neben seiner wohl bekanntesten Romanfigur aus der "Blechtrommel" auf einer Parkbank.

Bisher erinnerte nur eine kleine Bronzefigur von Oskar Matzerath, dem Helden aus Günter Grass' wohl bekanntestem Roman "Die Blechtrommel", an den berühmten Sohn der Stadt. Jetzt kehrt der Literaturnobelpreisträger ein halbes Jahr nach seinem Tod zurück.

"An seinem Geburtstag haben wir ihn geholt. Günter, willkommen zurück in Danzig", sagte der Danziger Bürgermeister Pawel Adamowicz während einer kleinen Feier in der polnischen Hafenstadt, an der laut der polnischen Nachrichtenagentur PAP auch Franz Grass, der Sohn des Schriftstellers, teilnahm.

Günter und Oskar - zwei Touristenmagneten

Die Skulptur zeigt Grass in einer typischen Pose - mit einem Buch und der Pfeife in der Hand. 13 Jahre lang hatte sie in einem Depot geschlummert, weil der Schriftsteller ein Denkmal zu Lebzeiten ablehnte. "Der Wille von Günter Grass ist uns heilig, darum wanderte seine Figur erst einmal ins Magazin", hieß es damals. Doch nach seinem Tod sitzen der große Autor und der kleine Oskar jetzt einträchtig zusammen - auf einer Parkbank in der Nähe von Grass' Geburtshaus im Stadtteil Langfuhr, heute Wreszcz: Denn der Zweite Weltkrieg schuf neue Grenzen, Danzig wurde zerbombt, wiederaufgebaut und heißt heute Gdansk.

Günter Grass, der am 13. April in Lübeck starb, war seiner Heimatstadt immer eng verbunden, wiederholt setzte er ihr ein literarisches Denkmal. 1993 wurde er Gdansker Ehrenbürger.

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suc/mak (epd, ntv)