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Das Schwesterchen bitte wieder abholen

Anne Passow 30. November 2005

In Engelskirchen, wie auch in Himmelpforta, gibt es ein spezielles Postamt: Hier landen Briefe mit Wunschzetteln für den Weihnachtsmann - und werden beantwortet. Haben wollen die Kinder nicht nur Barbie und Carrera-Bahn.

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Wünsche an das Christkind, 51766 EngelskirchenBild: dpa

Das Schloss, ein Kuscheltierpferd, Barbie und Prinzen, das sind einige der Wünsche der fünfjährigen Lara. Am meisten wünscht sie sich aber, dass sie das Christkind dieses Jahr endlich einmal sehen kann und dass es dann bei ihr übernachtet. Ihren Wunschzettel hat sie fertig geschrieben und will ihn nun in den Christkind-Briefkasten werfen.

Der steht in Engelskirchen, einem kleinen Ort im oberbergischen Land, eine Stunde von Köln entfernt. Täglich wird er geleert. Die Briefe kommen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Japan, Australien, China, Brasilien und Russland. Britta Töllner von der Deutschen Post erzählt, dass die erste Karte an das Christkind schon im Sommer in Engelskirchen ankam - und zwar aus Mallorca. Der Schreiber wollte wissen, was das Christkind eigentlich im Sommer mache.

Das Christkind-Team

BdT Ausstellung Lego Spiel - Weltenbau mit Noppen
Lego ist wieder beliebtBild: dpa - Bildfunk

Auch wenn die Wunschzettelschreiber keine individuelle Antwort bekommen, so werden doch alle Briefe gelesen. Das machen zehn Engelskirchener Hausfrauen, die im November und Dezember sozusagen als Posthelfer für das Christkind angestellt sind. Jeder Brief mit Absender bekommt ein Antwortschreiben, in dem das Christkind dem Erdenkind für den Brief dankt, etwas von seiner Arbeit erzählt und auch darauf hinweist, dass nicht immer alle Wünsche in Erfüllung gehen können. Denn nicht immer sind es bescheidene Wünsche.

Alles was die moderne Spielzeugindustrie hergibt, findet sich auch auf den Wunschzetteln wieder. Birgit Müller, eine der Christkindhelferinnen, betont aber, dass der Trend wieder weg von Computerspielen, hin zu wirklichem Spielzeug gehe. Lego, Puppen, Lastwagen, Fahrräder und Inlineskater stehen dieses Jahr ganz hoch im Kurs. Sogar eine Gummibärchen-Maschine wünscht sich ein Mädchen.

Seit 20 Jahren

Weihnachten in Engelskirchen Briefkasten
Weihnachten in Engelskirchen BriefkastenBild: DW

Neben den materiellen Wünschen finden sich auch immer viele immaterielle Wünsche. So wünschen sich die Kinder immer wieder genug zu essen und warme Kleidung für alle und dass keine Kinder mehr auf der Straße schlafen müssen. "Dann gibt es auch wieder Briefe, wo das Kind so ein bisschen das Herz ausschüttet - zum Beispiel würde es sich wünschen, dass Mama und Papa wieder zusammen kommen". Darunter seien auch ganz lustige Briefe. "Zum Beispiel hat ein Kind sich gewünscht, dass das Schwesterchen, was es sich vorheriges Jahr so gewünscht hat, bitte wieder abgeholt wird."

Das Christkindbüro in Engelskirchen entstand vor 20 Jahren. Bis dahin waren um die Weihnachtszeit immer wieder Briefe aufgetaucht, die an das Christkind adressiert waren, ohne konkrete Adresse. Die Post begann diese an das Engelskirchener Postamt weiterzuleiten. Dort öffnete sie eine Mitarbeiterin und beantwortete auch den ein oder anderen Brief. Mit der Zeit entwickelte sich ein Service der Deutschen Post, der immer mehr Zuspruch findet. 70.000 Briefe an das Christkind trafen im Jahr 2004 in Engelskirchen ein.

Soziale Dienste

Es sind nicht nur Kinder die schreiben, sondern auch Senioren und Gefängnisinsassen. Sie freuen sich besonders über einen Antwortbrief. Für viele Menschen ist es einfach wichtig, dass jemand ihre Briefe liest, auch wenn sie eigentlich nicht mehr ans Christkind glauben. Sogar in Liebesangelegenheiten soll das Postamt vermitteln.

Die meisten Wunschzettel kommen aber von den sieben- bis zwölfjährigen. Und fast alle Briefe sind sehr fantasievoll gestaltet: Figuren aus Moosgummi, Sticker, kleine Bilder, ausgeschnittene Katalogbilder, die das Wunschobjekt darstellen. Auch Lara hat ihren Brief mit Aufklebern und Zeichnungen verziert. Außerdem hat sie Schokolade und Kekse in den Umschlag gesteckt. Das Christkind hat schließlich auch mal Hunger. Sie wirft den Brief in den großen gelben Briefkasten. Denn je früher desto besser. Das Christkind braucht bestimmt ein wenig Zeit, um alle ihre Wünsche zu besorgen.

Hinweis: Wer auch einen Brief vom Christkind höchstpersönlich bekommen möchte, der schreibt einfach bis zum 22. Dezember an das Christkind in 51766 Engelskirchen. Ganz wichtig: Absender nicht vergessen!