Venezuela-Krise

Delcy Rodriguez, die mächtigste Frau Venezuelas

Als Präsidentin der von Nicolas Maduro eingesetzten verfassunggebenden Versammlung hat Delcy Rodriguez enormen Einfluss auf die Zukunft Venezuelas. Die Anwältin und Ex-Ministerin gilt als knallhart und undiplomatisch.

Mexiko Organisation Amerikanischer Staaten | Generalversammlung - Delcy Rodriguez (Reuters/C. Jasso)

Die graue Eminenz des Maduro-Regimes musste Platz machen. Als aussichtsreichster Kandidat für die Präsidentschaft der verfassunggebenden Versammlung galt lange Diosdado Cabello, der stellvertretende Vorsitzender der regierenden Vereinigten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV). Doch wenige Tage nach der von der Opposition boykottierten Wahl der Mitglieder der verfassunggebenden Versammlung wurde überraschend bekannt, dass Delcy Rodriguez, bis vor kurzem noch Außenministerin Venezuelas, das Amt übernehmen würde.

Cabello gilt zwar immer noch als zweitmächtigster Politiker und einflussreicher Strippenzieher, der selbst Maduro gefährlich werden könnte. Doch der plötzliche Machtzuwachs der 48jährigen Rodriguez verschafft ihr einen enormen Einfluss auf den venezolanischen Staatsapparat. Immerhin ist sie nun die Präsidentin einer Versammlung, die eine neue Verfassung für Venezuela ausarbeiten soll.

Venezuela - Verfassunggebende Versammlung in Caracas (Reuters/Miraflores Palace)

Delcy Rodríguez auf der konstituierenden Sitzung der verfassunggebenden Versammlung

Ihr Vater - ein sozialistischer Märtyrer

Doch wie wurde aus der Rechtsanwältin Delcy Eloina Rodriguez Gomez die mächtigste Frau Venezuelas? Eine Familientragödie könnte ihr Interesse für Politik ausgelöst haben. Ihr Vater Jorge Antonio Rodriguez war Mitbegründer und schließlich Generalsekretär der Partei "Sozialistische Liga". 1976 wurde der damals 34jährige in einem venezolanischen Gefängnis zu Tode gefoltert. Zu der Zeit war Delcy Rodriguez gerade sieben Jahre alt.

Rodriguez sympathisierte früh mit der marxistischen Ideologie und engagierte sich in mehreren sozialistischen Bewegungen. Nach dem Abschluss ihres Jura-Studiums an der Zentralen Universität von Venezuela führte sie ein Aufbaustudium in Arbeitsrecht nach Frankreich und Großbritannien. Schon unter der Präsidentschaft von Hugo Chavez bekleidete sie öffentliche Ämter. Doch ihr politischer Aufstieg begann erst 2013 unter Nicolas Maduro.

Knallhart und der Regierung treu ergeben

Maduro machte sie zuerst zur Ministerin für Kommunikation und Information und später zur Außenministerin. Von 2014 bis 2017 führte sie das Außenministerium mit harter Hand und bis dahin ungewohnter Schroffheit. Ihre Kritiker bezeichneten sie als "Außenministerin ohne Sinn für Diplomatie". Für die Anhänger des Regimes dagegen war sie die "Außenministerin der Würde", da sie mit aller Schärfe das Maduro-Regime gegen internationale Kritik verteidigte.

Argentinien | Venezuelas Außenministerin Rodriguez wird des Mercosur-Treffens verwiesen (REUTERS/Stringer)

Medienwirksamer Auftritt auf dem Mercosur-Treffen in Argentinien

Aufsehen erregte ihr Auftritt auf dem Treffen der Mercosur-Staaten in Buenos Aires im Dezember 2016, zu dem sie sich selbst einlud. Die Mitgliedschaft Venezuelas in dem wichtigen Wirtschaftsbündnis war kurz zuvor suspendiert worden. "Wenn man uns die Türen versperrt, kommen wir halt durch das Fenster", schimpfte Rodriguez, als sie die Sicherheitsabsperrung rund um den Konferenzort durchbrach. Die Polizei verhinderte ihre Teilnahme an der Konferenz.

Als die Organisation amerikanischer Staaten (OAS) zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkam, um die venezolanische Krise zu besprechen, kündigte Rodriguez den Austritt ihres Landes aus dem Staatenbund an.

Als Präsidentin der verfassunggebenden Versammlung hat Rodriguez die Aufgabe, die Verfassung umzuschreiben. Damit verfügt sie theoretisch über mehr Macht als Nicolas Maduro selbst. Ihrem knallharten und kompromisslosen Stil wird sie wohl treu bleiben.

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