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Den Euro ertasten

Thomas Meinhardt 16. November 2001

Die gemeinsame europäische Währung ist blindenfreundlich. Der Umgang mit dem neuen Bargeld wird in speziellen Seminaren geübt.

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Die Euroscheine sind auch für Blinde zu erkennen, z.B. durch die Reliefinschrift "BCE ECB EZB EKT EKP".Bild: EZB

Beim Design der neuen europäischen Währung legte die Europäische Zentralbank vor allem auf die Fälschungssicherheit großen Wert. Den Falschgeld-Druckern soll das Leben schwer gemacht werden. Doch darüber hinaus bietet der Euro auch ein Service für blinde Menschen. Durch besondere tastbare Zeichen soll ihnen das Erkennen der neuen Scheine leichter gemacht werden.

Gerd Krötzig arbeitet beim Landschaftsverband Rheinland in Köln. Er ist dort Vertrauensmann der Schwerbehinderten. Als Blinder gehört er zu den Euro-Multiplikatoren, die Blinden und Sehbehinderten den Umgang mit dem neuen Geld beibringen. Deshalb ist er bei allen seinen Kolleginnen und Kollegen zur Zeit besonders gefragt: "Kurz zeigen kann man es schon.Auch die anderen Kollegen sind neugierig. Aber dem kann ich nicht erecht werden, weil eben der Bedarf erst einmal bei blinden nd sehbehinderten Kolleginnen und Kollegen so groß ist, dass wir den erst einmal abdecken müssen."

Das Interesse gilt dem neuen Euro-Geld. Denn Gerd Krötzig verfügt bereits über einige Sätze an Euro-Münzen und -Scheinen. Als Vorsitzender des Düsseldorfer Blindenvereins gehört er zu den 500 Euro-Multiplikatoren, die den Umgang mit dem neuen Geld schulen: "Scheine sowie Münzen werden dann den Teilnehmern an so einem Seminar ausgehändigt. Zunächst einmal zum eigenen Studium der ertastbaren Unterschiede. Dann kann ich auf Grund meiner eigenen Erfahrung mit dem Geld und meiner Schulung, noch gezielt auf ertastbare Unterschiede hinweisen."

Auf Feinheiten hinweisen und Eselsbrücken bauen, damit sich die Teilnehmer auch kleine Unterschiede leicht merken. So geht Gerd Krötzig in seinen Seminaren vor. Dabei beginnt er mit den kleinen Kupfermünzen im Wert von einem, zwei oder fünf Cent:

"Geringster Wert, geringste Randgestaltung. Bei genauem Hinsehen stellt man dann fest, dass das Zwei-Cent-Stück eine umlaufende Rille hat. Das Zweit-Cent-Stück ist dagegen zweigespalten. Die mittlere Gruppe die Zehn-, Zwanzig- und Fünfzig-Cent-Stücke haben einen geschwungenen Rand. Wobei das Zwanzig-Cent-Stück analog zum Zwei-Cent-Stück auch wieder aus dem Rahmen fällt, weil es so einen unterschiedlich geschwungenen Rand hat und daran gut von dem Zehn und Fünfziger zu unterscheiden ist."

Kleinstes Format bedeutet auch kleinster Wert. Größer sind dann die mittleren Werte von zehn, zwanzig und fünfzig Cent. Aus Gold und Silber, statt Kupfer, sind dann die Ein- und Zwei-Euro-Münzen. Je feiner das Material, desto feiner ist auch die fühlbare Riffelung am Rand, lautet hier die Eselsbrücke von Gerd Krötzig. Schwieriger ist dagegen der Umgang mit den neuen Noten:

"Die Geldscheine selber unterscheiden sich zwar alle in ihrer Länge. Bis zum 100-Euro-Schein auch in ihrer Breite. Allerdings sind der 100er, der 200er und der 500er gleich breit. Wenn man so einen einzelnen Schein in die Hand bekommt, kann man den geringen Längenunterschied zunächst nicht wahrnehmen. Für Blinde und hochgradig Sehbehinderte sind aber die zwei größten Banknoten, der 500er und der 200er mit taktilen Markierungen versehen worden."

Berührbare Rippelungen sind bei der 500-Euro-Note vertikal
angebracht. Bei der 200-Euro-Note horizontal. Der Hunderter hat keine solchen Riffelungen.

Die Blindenvereine haben einen Cash-Tester, ein Plastikgerät entwickelt. Es sieht aus wie ein klappbares Linial. Beide Seiten sind nur etwas größer als eine Scheckkarte. Dazwischen wird der Geldschein bis ganz nach unten zum Anschlag geschoben und eingeklemmt. Das überstehende Ende wird am oberen Rand umgeschlagen, so als wolle man die Banknote einmal zusammenfalten. Außen läßt sich nun in Blindenschrift die Größe, beziehungsweise der Wert ablesen.

Insgesamt, meint Gerd Krötzig, ist das neue Geld für Behinderte leichter zu handhaben als unsere bisherige Währung: "Ich kann jedem Blinden und Sehbehinderten nur empfehlen, so ein Euro-Seminar mitzumachen. Es gibt wwertvolle Tipps und Hinweise. Und dann sollte man sich möglichst schnell Mitte Dezember diesen Münzsatz bei den Banken besorgen, um sich intensiv mit dem Geld zu
beschäftigen."