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Der deutsche Tanker fährt weiter

Danhong Zhang
27. Dezember 2016

Was erwartet die deutsche Wirtschaft vom neuen Jahr? Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat sich bei den Unternehmen umgehört und Prognosen erstellt.

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Deutschland Tanker
Bild: German Tanker Shipping

"Der Tanker 'Deutsche Volkswirtschaft' fährt weiter, zieht seine Bahnen ruhig, ohne zusätzlichen Gewinn an Kraft und Dynamik, aber auch ohne Gefährdungen", sagt IW-Direktor Michael Hüther gegenüber der Deutschen Welle. Das Gesamtbild zeige eine robuste Entwicklung. So gehen 28 der 48 befragten Verbände von einer steigenden Produktion im nächsten Jahr aus - jedoch nur drei von einer wesentlich höheren. Acht Verbände rechnen dagegen mit einem schlechteren Ergebnis.

Zu den "Gewinnerbranchen" gehört abermals das Baugewerbe. "Hier merken wir das Anhalten der Baukonjunktur, Wohnungsbau, auch der öffentliche Bau zieht an durch bessere finanzielle Ausstattung der Kommunen", sagt Michael Hüther. Die Branche rechnet 2017 mit einer erheblichen Produktionsausweitung. Verwandte Branchen, wie das Handwerk, profitieren davon. Der Bauboom spiegle auch die weiter prosperierende Immobilienbranche wider, die von der binnenwirtschaftlichen Entwicklung getragen werde, so Hüther: "Wir haben eine gute Einkommenssituation. Hinzu kommen die niedrigen Zinsen, die die Finanzierung erleichtern."

Boom auf dem Arbeitsmarkt geht weiter

Michael Hüther Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln
Bild: picture alliance/ZB

Des einen Freud ist des anderen Leid. Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank führt bei Banken und Versicherungen zu kläglichen Erträgen. Die neuen Regularien tun ihr Übriges. So gehören Sparkassen, Volksbanken und die Versicherungswirtschaft zu den wenigen Branchen, die ihre Lage schlechter einschätzen als ein Jahr zuvor. Kein Wunder, dass gerade diese Wirtschaftszweige zusammen mit anderen neun Branchen in der Umfrage angeben, im neuen Jahr weitere Stellen streichen zu müssen. Dagegen wollen Unternehmen aus 15 Branchen mehr Menschen einstellen. 20 Verbände rechnen mit einer gleichbleibenden Beschäftigung. "Der Beschäftigungsboom ist noch nicht vorbei", so IW-Chef Hüther.

Die Frage, ob der Arbeitsmarkt von der massenhaften Zuwanderung profitiert oder durch sie belastet wird, könne noch nicht beantwortet werden. "Wir sind noch immer in der Phase, die Beschäftigungsfähigkeit der Flüchtlinge zu testen", sagt Hüther. "Generell gilt, dass ein dynamischer Arbeitsmarkt das Beste ist, was einem Land passieren kann."

Noch erfreulicher sieht es bei der Investitionsbereitschaft aus. Hier gehen 18 der 48 Verbände davon aus, dass die Unternehmen ihrer Branche im kommenden Jahr mehr investieren als 2016 - vor allem der Dienstleistungssektor. "Die Digitalisierung wird in vielen Branchen immer bedeutsamer. Das treibt die Unternehmen zum Investieren an", so Hüther. Nur drei Branchen werden ihre Investitionen zurückfahren - darunter die Chemieindustrie. Das liegt seiner Meinung nach an der Energiewende. "Wir haben in der chemischen Industrie im erheblichen Maße energieintensive Produktionsweisen. Hier haben die Energiekosten eine höhere Bewandtnis als die Arbeitskosten", so Hüther weiter.

Unsicherheiten im Im- und Ausland

Zu der Unsicherheit durch die Energiewende gesellen sich Ungewissheiten durch den Brexit und die zukünftige Wirtschafts- und Handelspolitik der US-Regierung unter Donald Trump. Mehr Protektionismus würde vor allem die deutschen Autobauer treffen. Das sei auch der Grund, warum die Automobilbranche vorsorglich ein graueres Bild male, meint Hüther. Immerhin wird die aktuelle Stimmung angesichts der lebhaften Automobilkonjunktur im Euro-Raum als nicht schlechter gesehen als vor einem Jahr. Nur die Risiken seien größer geworden, heißt es in der IW-Verbandsumfrage.

Risiken für die Weltwirtschaft gehen, so der IW-Direktor Hüther, auch von Ländern wie Russland, der Türkei, Brasilien und China aus. Vor allem der langjährige Wachstumsmotor China habe Schwierigkeiten, auf die nächste Qualitätsstufe der Globalisierung zu kommen.

Im kommenden Jahr rechnet das Institut für Deutschland lediglich mit einem Prozent Wachstum, da die exportorientierte deutsche Wirtschaft keinen Schub von außen erwarten kann. Im Moment ist die größte Volkswirtschaft in Europa sich selbst genug. Der Privatkonsum hat inzwischen einen Anteil von 56 Prozent am deutschen Bruttoinlandsprodukt.