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Der Kampf um den Masterstudienplatz

Jennifer Fraczek15. April 2013

Zu viele Studenten, zu wenig Plätze: Laut einer Studie werden demnächst die Master-Studienplätze knapp. Das wäre nicht nur schlecht für die Studenten. Es könnte auch dem Ruf deutscher Universitäten im Ausland schaden.

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Studenten sitzen am in einem großen Hörsaal der Technischen Universität München (Foto: dpa)
Bild: picture-alliance/dpa

Die Bilder von vollen Hörsälen und Seminaren an deutschen Universitäten sind bekannt. Junge Leute strömen an die Hochschulen, machen ihren Bachelor - und wollen dann meist noch einen Masterabschluss dranhängen. Das könnte aber in Zukunft schwierig werden, glaubt man einer aktuellen Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE).

Das CHE, eine Denkfabrik, deren Gesellschafter die Bertelsmann Stiftung und die Stiftung zur Förderung der Hochschulrektorenkonferenz sind, hat sich die Zahl der Bachelorstudenten angesehen und eine Prognose dazu erstellt, wie groß die Nachfrage nach Masterstudiengängen künftig sein wird. Im schlimmsten Fall fehlen in drei Jahren 36.000 Plätze, so der CHE-Geschäftsführer und Wirtschaftswissenschaftler Frank Ziegele im DW-Gespräch.

Laut Ziegele wäre das der Fall, wenn 85 Prozent der Bachelorstudenten einen Master machen wollten. Eine offenbar nicht ganz unrealistische Quote. An manchen Universitäten, wie der RWTH Aachen, wird sie in einigen Fächern heute schon überschritten. "In den Maschinenbaustudiengängen hatten wir in den vergangenen Jahren Quoten von etwa 90 Prozent", sagte der Vorsitzende der Studentenvertretung der Hochschule, Matthias Nick, der Deutschen Welle. Dennoch sei die Lage in Aachen noch relativ entspannt, so Nick weiter. So gebe es für die meisten Masterstudienplätze keine Zulassungsbeschränkung, etwa in Form eines Numerus clausus (NC).

Wird das Studium in Deutschland unattraktiv?

An der Freien Universität (FU) Berlin sieht das etwas anders aus. Es gebe seit Jahren zu wenige Masterstudienplätze, sagte Sina Prasse von der dortigen Studentenvertretung im DW-Interview. "Sehr viele Bewerber werden abgelehnt. Wir merken das an dem großen Zulauf von Menschen, die zu uns kommen und fragen, wie sie gegen eine Ablehnung vorgehen können." Wie die NC-Tabelle der FU Berlin vom vergangenen Wintersemester zeigt, braucht beispielsweise ein Philosophiestudent eine Abschlussnote von 1,4, um ein Masterstudium machen zu können; ein Politikwissenschaftler eine 1,5.

Für die ausländischen Studierenden sei die Lage noch schwieriger, sagt Prasse weiter. Sie müssten sehr viele Nachweise und Dokumente einreichen, von denen einige nur mit großem Aufwand zu beschaffen seien. "Wenn es künftig noch mehr Bewerber auf die Masterstudienplätze geben wird, werden die Bemühungen wohl nicht steigen, dieses Verfahren einfacher zu machen", meint Prasse. Insgesamt sei zu erwarten, dass das Studium in Deutschland dadurch unattraktiver werde.

Diese Befürchtung hat auch Frank Ziegele. Zwar wird der konkrete Fall ausländischer Studierender in der CHE-Studie nicht näher untersucht - ebensowenig wie die Frage, welche Fachrichtungen von dem Studienplatzmangel voraussichtlich am stärksten betroffen sein werden. Aber: "Wenn die Konkurrenz um die Masterstudienplätze insgesamt zunimmt, wird es natürlich auch für ausländische Studierende schwieriger, einen Platz zu bekommen", sagt Ziegele.

Doppelte Abi-Jahrgänge stürmen die Unis

Dass die Nachfrage nach Masterstudienplätzen steigen wird, ist schon an folgenden Zahlen zu sehen: 2005 gab es rund 350.000 Studienanfänger, 2011 etwa 515.000. Dazu beigetragen hat unter anderem die von der Politik beschlossene Verkürzung der Schulzeit von 13 auf 12 Jahre, denn in vielen Bundesländern wurden zuletzt zwei Jahrgänge von Abiturienten gleichzeitig mit der Schule fertig. Mit der Aussetzung von Wehr- und Zivildienst werden bald noch mehr Studierende um die Plätze kämpfen.

Die Politik hat darauf durchaus reagiert und ein Programm verabschiedet, das den Universitäten mehr Geld zur Verfügung stellt: den Hochschulpakt 2020. Milliarden Euro werden von Bund und Ländern investiert, hunderttausende neue Studienplätze sollen geschaffen werden. "Der Hochschulpakt war erst einmal eine gute Sache, um überhaupt mehr Geld in das Hochschulsystem zu bekommen", sagt Ziegele. Allerdings greife das Programm zu kurz, da es sich zu sehr auf den Bachelor konzentriere, also zu wenig Geld für die Masterstudiengänge zur Verfügung stelle.

Ziegele glaubt, dass dies letztlich auch dem Ruf der deutschen Universitäten im Ausland schaden könnte. Ein zu geringes Angebot an Studienplätzen wirke auf ausländische Studenten möglicherweise abschreckend. "Dadurch könnte einiges an Potenzial verlorengehen", glaubt er. Bishher ist Deutschland noch eines der beliebtesten Gastländer für ausländische Studierende. Deutschland liegt auf Platz vier der internationalen Liste, als erstes nicht-englischsprachiges Land direkt hinter den USA, UK und Australien.

Mehr Geld von Bund und Ländern

Bund und Länder haben sich am vergangenen Freitag (12.04.2013) immerhin darauf geeinigt, mehr Geld für die überfüllten Hochschulen zur Verfügung zu stellen. Auch wenn Universitäten eigentlich Sache der Länder sind, gibt es auch Geld vom Bundesbildungsministerium. Bisher stellte der Bund für die Jahre 2011 bis 2015 rund fünf Milliarden Euro für die Aufnahme zusätzlicher Studienanfänger zur Verfügung. Nach der gemeinsamen Wissenschaftskonferenz vor wenigen Tagen kommen vom Bund jetzt über sieben Milliarden. Vergleichbare zusätzliche finanzielle Leistungen soll es auch von den Ländern geben.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka bei einer Pressekonferenz (Foto: dpa)
Bildungsministerin Wanka besprach sich mit Ländervertretern zum HochschulpaktBild: picture-alliance/dpa
Ausländische Studenten sitzen in einer Vorlesung an der Technischen Hochschule Hamburg-Harburg (Foto: dpa)
Deutschlands Unis: Weiterhin reizvoll auch für ausländische Studenten?Bild: picture-alliance/dpa

Die Hochschulrektorenkonferenz begrüßt die Einigung, kritisierte aber weiterhin, dass der nötige Ausbau der Master-Studienplätze weiter ungelöst sei.Das Bundesbildungsministerium will den Vorwurf einer Vernachlässigung der Masterstudiengänge aber nicht gelten lassen. Eine Sprecherin teilte mit, dass bei den Finanzmitteln mit einem Durchschnittspreis pro Student gerechnet werde. "Dabei ist der Durchschnittspreis, der pro Kopf zugrunde gelegt wird, auf ein gesamtes Studium inklusive Masterstudium ausgerichtet."