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Der Ton zwischen Berlin und Athen wird rauer

Martin Muno16. Februar 2012

Die Schuldenkrise belastet das deutsch-griechische Verhältnis. Die Bundesregierung hat Bedenken gegen weitere Milliardenhilfen. Und der griechische Präsident Papoulias fühlt sich von Finanzminister Schäuble beleidigt.

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Der griechische Präsident Karolos Papoulias
Bild: picture-alliance/dpa

Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ungewöhnlich scharf angegriffen. Der 82-Jährige empörte sich nach Presseberichten über jüngste Äußerungen Schäubles in der Griechenland-Krise. "Ich akzeptiere es als Grieche nicht, dass mein Land von Herrn Schäuble beleidigt wird", polterte Papoulias. "Wer ist denn Herr Schäuble, der Griechenland beleidigen kann. Wer sind denn die Niederländer, wer sind die Finnen?"

Das Staatsoberhaupt empörte sich über die jüngsten Vorschläge der Bundesregierung über die mögliche Einsetzung eines Sparkommissars in Griechenland. Seine Äußerungen fielen inoffiziell am Mittwoch während eines Mittagessens im Athener Verteidigungsministerium und wurden in ihrem Wortlaut am Donnerstag in der griechischen Presse veröffentlicht.

Das Prinzip Hoffnung

Griechenland hofft weiter auf die Rettung vor dem Staatsbankrott in letzter Minute. Am kommenden Montag wollen die Eurostaaten den Weg für das neue Hilfspaket in Höhe von mindestens 130 Milliarden Euro endgültig frei machen. Das kündigte der Vorsitzende der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, nach einer Telefonkonferenz mit den Finanzministern an. Nach dem Treffen wurde jedoch bekannt, dass mehrere Staaten, darunter auch Deutschland, immer noch Bedenken hätten. Der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager schlug inzwischen sogar vor, mit dem Beschluss für das neue Hilfsprogramm bis nach den griechischen Parlamentswahlen zu warten, die für April anberaumt sind.

Griechen in Brüssel leiden wegen Eurokrise

Zuletzt hatte die griechische Regierung die geforderten Sparvorschläge für weitere 325 Millionen Euro vorgelegt. Zudem verpflichteten sich die Chefs der beiden griechischen Regierungsparteien schriftlich, die Spar- und Reformzusagen auch nach der nächsten Parlamentswahl einzuhalten. Sozialistenchef Giorgos Papandreou und der Chef der Konservativen, Antonis Samaras, sandten nach Angaben ihrer Parteien entsprechende Schreiben nach Brüssel und kamen damit einer Forderung der EU nach.

Der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn mahnte derweil zur Eile: "Die Zeit rennt davon", sagte er. Denn Griechenland muss bis zum 20. März 14,5 Milliarden Euro seiner Schulden begleichen. Schafft es die Regierung in Athen nicht, bis dahin neue Hilfen aufzutreiben, ist Griechenland bankrott.

mm/gmf (dpa, afp, dapd, rtr)