Deutsche Kultur - Mythen und Fakten!

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Großes Kino?

1,5 mal im Jahr geht der Durchschnittsdeutsche ins Kino. In den Glanzzeiten der fünfziger Jahre strömten 800 Millionen Besucher in die Filmtheater. Heute sind es gerade mal 121 Millionen.

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Hotspot Berlin

Elf Künstler auf 1000 Einwohner: Berlin hat die höchste Künstlerdichte – und natürlich auch die meisten Ausstellungen im Jahr (370). Die Hauptstadt hat auch die meisten Kreativunternehmen in Deutschland: 18,3 Prozent aller Unternehmen sind in Kulturwirtschaft tätig.

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Hier spielt die Musik

131 öffentliche Orchester mit 10.000 angestellten Musikern: Deutschland hat die dichteste Musiklandschaft der Welt - vom Kammerorchester mit zwölf Musikern in Prenzlau bis zum Gewandhausorchester Leipzig mit 185. Das älteste Orchester spielt seit 1503 in Kassel.

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Heimliche Theatermeister

142 Theaterhäuser finanziert der Staat. Das kleinste in Naumburg mit 80 Plätzen und elf Mitarbeitern. Das größte mit rund 1200 Plätzen in Hamburg. Stuttgart hat - mit Schauspiel, Oper und Ballett - das größte Dreispartenhaus der Welt. Über 1.350 Mitarbeiter sorgen für 900 Vorstellungen im Jahr mit 450.000 Zuschauern. Allein das Große Haus hat 1400 Plätze. Kein Land macht mehr Theater.

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Oper mit Tradition

527 Opernvorstellungen im Jahr - damit ist Berlin in Deutschland Nummer eins. Weltweit aber liegen Moskau (582) und Wien (535) in Führung. Wenn es um die Opernsitzplatzdichte geht, hält das kleine Bayreuth den Weltrekord: 2500 Plätze in gleich zwei historischen Opernhäusern. Genauso viele Plätze hat das Festspielhaus Baden-Baden als größtes deutsches Opernhaus.

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Kunst-Zwerg?

9804 Galerien und Kunsthändler- mehr gibt es nur in den USA. Bei Umsätzen im weltweiten Auktionsmarkt sind wir aber mit zwei Prozent nur ein Zwerg. Das Geschäft mit der Kunst teilen die USA, Großbritannien und China weitgehend unter sich auf.

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Bücher ohne Ende

90.000 Buchtitel kommen jedes Jahr in Deutschland neu auf den Markt. Würde man sie alle nebeneinander stellen, bräuchte man ein 2,5 km langes Regal.

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Musik für die Masse

800.000 Besucher zieht das Rock & Pop-Festival "Bochum Total" jeden Sommer an - das größte Festival des Landes. Größtes kommerzielles Musikfestival bleibt aber "Rock am Ring" mit 87.000 Besuchern.

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Hingehört

Drei Millionen Laien machen in Deutschland, dem viertgrößten Musikmarkt der Welt, selbst Musik - in einem Chor oder Orchester. Nur aus Spaß! Die Zahl der Berufsmusiker liegt bei 64.000. Das entspricht der Einwohnerschaft einer mittleren Stadt wie Weimar.

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Ausgezeichnete Architektur

Sechs Millionen besuchen jährlich den Kölner Dom, Deutschlands populärstes Weltkulturerbe. Das erste Gebäude auf der UNESCO-Liste war 1978 der Aachener Dom. Der vorerst jüngste ein Bauhaus-Ensemble in Bernau bei Berlin.

Wir sind Kulturnation! Tatsache oder Behauptung? DW Kultur prüft zehn populäre deutsche Kulturmythen im Licht von Zahlen und Daten. Keine ganz leichte Aufgabe. Denn Kultur ist heilig in Deutschland.

"Wir sind Kulturnation!" beschwor Innenminister Thomas de Maizière (CDU) vor wenigen Monaten das Land in seinen ansonsten heftig umstrittenen Thesen zur Leitkultur. Und Berlins linker Kultursenator Klaus Lederer verstieg sich bei der Eröffnung eines Klassikfestivals gar dazu, Kunst und Kultur zu den "schärfsten Waffen gegen den Terrorismus" zu erklären. 

Wenn es etwas gibt, das deutsche Politiker auch in Wahlkampfzeiten noch verbindet, dann ist es der Glaube an die Macht von Musik und Literatur. Ein stiller Konsens, der sich quer durch alle Parteien im Bundestag zieht und der dafür sorgt, dass die Subventionen fließen: so beschloss die große Koalition aus CDU und SPD noch vor der Sommerpause, die seit Jahren wachsende Kulturförderung des Bundes im kommenden Jahr gleich noch einmal um satte 23 Prozent auf 1,67 Milliarden Euro zu erhöhen. 

Land der Dichter und Denker

Deutschland ist stolz auf seine Kulturlandschaft. Die beste der Welt, meinen viele. Zu Recht? Wer sich 2017 auf einen fiktiven Flug über das Land der Dichter und Denker, der Musiker und Künstler begibt, der sieht von oben vor allem: viel! 2.117 Verlage und 3.803 Buchhandlungen, 42 UNESCO-Welterbestätten, 1.654 Kinos mit 4.739 Kinosälen, 142 Staats- und Stadttheater mit rund 40.000 Mitarbeitern in 825 Spielstätten,  12.000 öffentliche Bibliotheken, 931 Musikschulen mit 1,4 Millionen Schülern, 29 Kunsthochschulen, 9.804 Galerien und Kunsthandlungen, 6.372 Museen - die Liste ließe sich endlos weiterführen. 

Wo ältere Jahrgänge gerne noch bildungsbürgerlich von der "Kulturnation" sprechen - Bayreuth, Weimar, Elbphilharmonie im Sinn - ziehen Ökonomen und Kulturmanager längst den zeitgemäßeren Begriff der Kreativwirtschaft vor. Die passt besser zu digitalem Denken, liefert messbare Daten statt elitärer Kunstkritik und gilt als dynamisch und wachstumsstark. Das hat auch die Bundesregierung erkannt und schwärmt, dass Kultur- und Kreativwirtschaft "wie kaum eine andere Branche für ein modernes Deutschland" stünden. 

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Wenig Mut, wenig Kreativität?

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Kultur | 18.09.2017

Wo schlägt das kulturelle Herz Deutschlands?

Kultur ist ein Haupttriebwerk im Maschinenraum deutscher Soft Power. Weit über zehn Milliarden Euro investieren Bund und vor allem Länder jährlich in die Kulturmaschinerie - in Jugendtheater, Musikschulen, Kammerorchester, Denkmalsanierung oder Museumsneubauten. Umgerechnet 123 Euro pro Bürger - der Preis eines mittleren Buchregals aus Schweden. 

Viel Geld, viele Arbeitsplätze, viel Kreativität? Nein, befindet das Nachrichtenmagazin "Spiegel" in einem Deutschland-Sonderheft zur Bundestagswahl: "Zu wenig für ein so reiches, großes Land. Zu wenig Mut, zu wenig Liebe, zu wenig kreatives Risiko". Solides Mittelmaß herrschten in Kunst und Kultur: einfallslose Architektur, austauschbare Krimi-Bestseller statt großen Romanen, kraftlose Intellektuelle. Aber wer den "Fetisch Kulturstaat" in Frage stellt, hat es schwer in Deutschland. 

Fetisch Kulturstaat?

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Kultur | 18.09.2017

Kunst: Riese oder Zwerg?

Eine Streitschrift von vier Kulturwissenschaftlern ("Der Kulturinfarkt") nahm 2012 das Wagenburg-Denken einer hochsubventionierten Branche ins Visier, die vor allem an ihrem Selbsterhalt arbeite. Debattiert wurde das nicht. Kultur einem kreativen Wettbewerb aussetzen und öfter am Erfolg messen? Das klang nach neoliberalem Ausverkauf der schlimmsten Sorte. Nicht im Kulturland Deutschland, bitte! 

Mehr zu den Fakten gibt es jetzt bei  DW Kultur / DW Culture auf Facebook. Kultur.21 macht in einer Spezialausgabe den Kulturcheck. Wir vermessen die Kulturlandschaft und erzählen die Geschichten hinter den landläufigen Mythen. 

Verfolgen Sie das Programm von DW-TV am Thementag Demokratie im Livestream auf www.dw.com.

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