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Deutsche Wirtschaft gegen Grexit

12. Januar 2015

Neue Kredite, Schuldenschnitt oder Ausstieg aus dem Euro? Die anstehenden Neuwahlen haben die Diskussion über einen Ausstieg Griechenlands aus dem Euro neu entfacht. Die deutsche Wirtschaft scheint dagegen zu sein.

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Griechenland Symbolbild Drachmen und EURO
Bild: picture-alliance/dpa

In der Debatte um den Verbleib Griechenlands in der Eurozone stärkt die deutsche Wirtschaft Athen den Rücken. "Es muss unser Ziel sein, Griechenland in der Euro-Zone zu halten", sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer der "Welt am Sonntag". "Griechenland hat seine Bereitschaft unter Beweis gestellt, harte, umfassende Reformen anzugehen", sagte Kramer. "Nun gilt es, diesen schweren, aber notwendigen Weg fortzusetzen."

Neue Hilfen und Schuldenschnitt

Derweil wird weiter über neue Hilfen spekuliert, die für das hoch verschuldete Krisenland nötig werden könnten. Griechenland hatte bereits zwei internationale Hilfsprogramme mit Milliardenkrediten bekommen - und zusätzliche Erleichterung durch einen Schuldenschnitt. Dabei waren 2012 Forderungen privater Gläubiger wie Banken in Milliardenhöhe erlassen worden.

In der EU-Kommission wächst einem Pressebericht zufolge die Unterstützung für einen Schuldenerlass für Griechenland. "Ein Schuldenschnitt in Griechenland ist unausweichlich, weil das Land sonst mit seiner Schuldenlast nicht fertig wird", zitierte die Zeitung "Die Welt" hochrangige EU-Kreise. Als Größenordnung für den Schuldenschnitt werde "ein Drittel bis die Hälfte der Staatsschulden" genannt. Die Gesamtschuld Griechenlands liege derzeit bei rund 320 Milliarden Euro. Davon befänden sich 80 Prozent in der Hand öffentlicher Gläubiger.

Athen braucht 20 Milliarden Euro

Die Auffassungen über den Zeitpunkt des Schuldenschnitts gingen allerdings in Brüssel auseinander. Teilweise werde dieser schon in diesem Jahr als notwendig erachtet. Zugleich gebe es aber auch die Einschätzung, dass dieser Schritt "erst in ein paar Jahren kommen wird, wenn keine Gefahr mehr besteht, dass andere Krisenländer ebenfalls auf einen Schuldenerlass spekulieren".

Dem Bericht zufolge gehen die mit den Beratungen vertrauten EU-Kreise davon aus, dass "Griechenland in absehbarer Zeit wohl nicht an den Kapitalmarkt zurückkehren kann und eine vorsorgliche Kreditlinie in Höhe von zehn Milliarden Euro darum keinen Sinn macht". Daher werde das laufende Hilfsprogramm voraussichtlich zunächst über Ende Februar 2015 hinaus verlängert, dann werde sich wahrscheinlich ein drittes Hilfspaket anschließen. Der Finanzbedarf Athens liege mittelfristig bei rund 20 Milliarden Euro.

Neuwahlen in Griechenland

In Griechenland wird am 25. Januar ein neues Parlament gewählt. Die konservative Nea Dimokratia des Regierungschefs Antonis Samaras liegt in den Umfragen an zweiter Stelle. Führend ist das oppositionelle Linksbündnis Syriza unter Alexis Tsipras, das den Bürgern eine Neuverhandlung der Sparabkommen verspricht, die Griechenland eingehen musste, damit die EU-Partner und der IWF das Land mit 240 Milliarden Euro Notkrediten vor der Pleite bewahren.

Samaras versprach am Samstag in einer landesweit ausgestrahlten Wahlkampfrede für die kommenden sechs Jahre 770.000 neue Arbeitsplätze. Zuletzt lag die Arbeitslosenquote in Griechenland bei knapp 26 Prozent. Durch die Fortsetzung des Reformkurses in Griechenland sollen die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt und Investitionen angelockt werden. Außerdem stellte Samaras schrittweise Steuererleichterungen und eine umfassende Reform des Sozialsystems in Aussicht. "Und das ohne neue Defizite."

iw/wen (dpa, rtrd)