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DFB: Urlaubsgrüße aus Faro

André Leslie (zur Zeit in Faro)13. Juni 2015

Auch wenn gegen die "Fußballzwerge" aus Gibraltar wahrscheinlich schon eine durchschnittliche Leistung zum Sieg reichen wird, wollen sich die deutschen Spieler nicht ausruhen. Und wenn, dann nur ein bisschen...

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Pressekonferenz Joachim Löw in Almancil, Portugal (Foto: Arne Dedert/dpa)
Bild: picture-alliance/dpa/Arne Dedert

Shkodran Mustafi steht am Buffet und kippt einen frischgepressten Orangensaft herunter, hoffend, dass er dabei nicht beobachtet wird. Er ist in Trainingskleidung unterwegs, ein verschwitztes Handtuch im Nacken. "Ich komme aus dem Kraftraum", sagt er, als Joachim Löw vorbeikommt - auch der Bundestrainer in Sportklamotten.

"Wir sind nicht hier, um Urlaub zu machen", raunt Mustafi auf Nachfrage und wirkt dabei schon leicht genervt. "Dass wir hier in einer Ferien- und Touristenhochburg sind, bekommen wir gar nicht so mit. Wenn hinten am Pool laute Musik gespielt würde, wäre das etwas anderes. Aber so ist es ja nicht." Tatsächlich: Die Rückseite des Hotels und der Swimmingpool sind gesperrt.

Trotzdem: Ganz von der Hand zu weisen ist der Eindruck, dass sich die DFB-Elf auf Ferienreise befindet, nicht. "Die Mannschaft" wohnt im malerischen Hotel Conrad Algarve in Almancil, alles top-modern und gut bewacht. Die Poolanlage ist beeindruckend, die Porsche-Luxuskarossen vor dem Hauptportal gehören zur Ausrüstung und sind mit dem Schriftzug des Hotelnamens versehen. Man kann nur raten, wie es erst auf der geschützten Rückseite aussehen muss.

Entspannt, aber fokussiert bleiben

Auch wenn die Deutschen gerade erst ihr Testspiel in Köln gegen die USA verloren und dabei nicht ihre beste Leistung gezeigt haben, Extraschichten in der glühenden Sonne Portugals plant deshalb keiner. Joachim Löw findet das auch völlig in Ordnung. “Es ist wichtig, die Spieler nicht zu sehr zu pushen", erklärt er. "Sie müssen im Spiel ihr höchstes Energielevel haben." Das Abschlusstraining werde deshalb ebenfalls kurz ausfallen.

Almancil, Portugal Hotel Conrad Algarve DFB - Quartier
Das deutsche Quartier an der AlgarveBild: DW/André Leslie

Ganz anders handhabt das der Gegner aus Gibraltar. Bereits am Donnerstag wurde intensiv trainiert, Freitagmorgen gab es die nächste ausgedehnte Trainingseinheit, Freitagabend ebenso.

Löw dagegen fordert in erster Linie, dass seine Spieler die Partie genießen sollen. "Nochmal Spaß haben und ein paar Tore erzielen", gab er als Motto aus. Die Sache mit den Toren kam in den vergangenen Tagen des Öfteren zur Sprache. Löw forderte von seinen Spielern mehr Torhunger und mehr Flexibilität auf dem Weg nach vorne - besonders, weil viele Mannschaften so defensiv gegen die deutsche Elf aufträten.

"Dass wir die drei Punkte mitnehmen, das ist klar", sagte Löw. Deshalb lautet sein Plan: "Wir wollen natürlich schon ein paar Tore erzielen, und je früher wir das schaffen, desto besser ist es für unser Spiel." Fragen nach den gefährlichsten Spielern im Team Gibraltars und den Stärken des Gegners werden freundlich überhört und nicht beantwortet.

Ende der Saison

Und es wird auch kein Hehl daraus gemacht, dass sich alle Spieler auf das endgültige Ende einer langen Saison freuen. Das sonnige Urlaubswetter und die entspannte Partie gegen einen deutlich unterlegenen Gegner kommen gerade recht. "Wir müssen noch einmal voll konzentriert sein. Mir ist aber klar, dass die Spannung nicht so groß ist wie bei einem WM-Spiel", räumte der Bundestrainer ein, der sich ebenso wie seine Profis nach Urlaub sehnt. "Ich freue mich darauf, wenn der Fußball mal drei, vier Wochen in den Hintergrund rückt."

Auch Sami Khedira, der Löw zur Pressekonferenz begleitete, kündigte an, die freie Zeit zum Wiederauftanken zu nutzen - auch mental nach der anstrengenden und schwierigen Saison als Reservist bei Real Madrid.

Und im Wissen, dass er anschließend die Beine guten Gewissens hochlegen kann, kündigte Khedira noch Folgendes an: "Es sind die letzten 90 Minuten der Saison. Deswegen geben wir nochmal Vollgas!" Das war nun wirklich das Letzte, das die Spieler Gibraltars - im Hauptberuf Polizisten, Feuerwehrmänner, Verkäufer und Hafenarbeiter - vom deutschen Mittelfeldspieler hören wollten.