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Interview mit Prof. Gerd Zimmermann

30. März 2009

Kunst und Technik, Architektur und Medien: Die Studenten der Bauhaus-Universität Weimar lernen fakultätsübergreifend - ganz im Sinne der Bauhaus-Gründer, wie Rektor Gerd Zimmermann im Gespräch mit DW-WORLD.DE erläutert.

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Bauhaus-Universität Weimar, Rektor Prof. Gerd Zimmermann (Foto: Bauhaus-Universität Weimar, Alexander Burzig)
Prof. Gerd Zimmermann, Rektor der Bauhaus-Universität WeimarBild: Bauhaus-Universität Weimar, Alexander Burzig

DW-WORLD.DE: Vor 90 Jahren gründete der Architekt Walter Gropius das "Bauhaus", eine "künstlerische Lehranstalt", in der Kunst und Handwerk und später auch Kunst und Technik eine Einheit bilden sollten. Die Bauhaus-Universität Weimar tritt das geistige Erbe an. Welche Idee steckt hinter Konzept und Struktur der Bauhaus-Universität, so wie sie jetzt ist?

Gerd Zimmermann: Die Idee ist eigentlich simpel beschrieben: Wir versuchen, im Raum einer modernen Universität die Qualitäten einer Kunsthochschule und einer technischen Universität zusammenzuführen. Das ist die alte Bauhaus-Idee, die wir zu einer neuen Idee für die Universität gemacht haben – der Gedanke, in einer Hochschule Kunst und Technik zu verbinden, was ja üblicherweise nicht der Fall ist.

Wie verwirklichen Sie diese Idee?

Bauhaus-Universität Weimar, Hauptgebäude (Foto: Nathalie Mohadjer)
An der Bauhaus-Uni kommen Kunst und Technik zusammenBild: Nathalie Mohadjer

Auf sehr vielfältige Weise. Wir haben zunächst mal vier Fakultäten hier: Die Fakultät Architektur mit Stadtplanung; die Fakultät Bauingenieurwesen von der Materialwissenschaft über die Konstruktionswissenschaft bis hin zu Umweltwissenschaft und Management; die dritte Fakultät Gestaltung, die Kunst und Design lehrt und für sich schon den Brückenschlag zwischen der Freien Kunst und dem Design enthält, was auch unüblich ist. Und wir haben eine vierte Fakultät Medien. Uns liegt sehr viel daran, transdisziplinär zu sein. Und das ist wirklich die alte Bauhaus-Idee, die wollte, dass in einer solchen Hochschule die Künste und die Technologien zusammenkommen. Das hat Walter Gropius 1923 hier formuliert. Gemeint war damals, dass die Kunst nicht nur auf das Handwerk gegründet ist – was die erste Idee des Bauhauses war –, sondern dass eben die moderne Industrie mit ihren Konditionen ergriffen werden soll und damit das Auseinanderklaffen von Industrie und künstlerischen Ansprüchen überwunden werden sollte. Das versuchen wir hier zu realisieren.

An der Bauhaus-Universität sind alle Fakultäten an der Gestaltung des öffentlichen Raums beteiligt. Bedeutet das, dass zum Beispiel bei der Stadtplanung nicht nur die Architekten mitwirken?

Bauhaus-Universität Weimar, Wandmalerei, aufgetragen von Herbert Beyer zur großen Bauhaus-Ausstellung 1923 im Flur der Nebentreppe des UHG (Foto: Bauhaus-Universität, Nathalie Mohadjer)
Das historische Bauhaus-Erbe ist überall sichtbarBild: Bauhaus-Universität, Nathalie Mohadjer

Wir haben hier einen Studiengang "Media Architecture", der von den Fakultäten Architektur und Medien gemeinsam getragen ist. Dieser Studiengang befasst sich mit der Medialisierung der Architektur, die man ja allgegenwärtig sieht. Elektronische Fassaden, die bespielt werden, Screens in der Stadt, Public Screens während der Weltmeisterschaften – das sind alles Formate, wo die Medien in den urbanen Raum drängen und wo neue Fragen entstehen. Insofern sind eigentlich alle Disziplinen, die wir hier haben, in solchen Thematiken immer gleichzeitig gefragt, vom Design über die Kunst, die Architektur, die Stadtplanung bis hin zum Ingenieurwesen. Und da liegt die große Qualität: Komplexe Themen dieser Art hier im Raum der Universität bearbeiten zu können.

Das Gespräch führte Gaby Reucher
Redaktion: Svenja Üing