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Die Befreiung von Auschwitz

Birgit Götz26. Januar 2005

Auschwitz war das größte und furchtbarste Konzentrations- und Vernichtungslager. In Gaskammern und Krematorien wurden mindestens eine Million Menschen ermordet, bevor russische Soldaten das Lager befreiten.

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Auschwitz: Symbol für die grausame Rassen-Ideologie der NazisBild: dpa

Der 27. Januar 1945 ist ein Samstag. Es ist Nachmittag, als sowjetische Truppen Auschwitz erreichen. Fanatische deutsche Einheiten leisten erbittert Widerstand. 231 Rotarmisten lassen ihr Leben im Kampf um die Befreiung des Vernichtungslagers, in dem noch 8000 Lagerinsassen gefangen sind. Die Geretteten wirken eher tot als lebendig.

Unter den Überlebenden ist auch Anita Lasker. Mitte April 1945 erzählt sie in der BBC von ihrer Zeit im KZ: "Es stand ein Arzt und ein Kommandant bei Ankunft der Transporte an der Rampe und vor unseren Augen wurde sortiert, das heißt: Man fragt das Alter und den Gesundheitszustand. Die unwissenden Ankömmlinge pflegen irgendwelche Leiden anzugeben und unterschreiben damit ihre Todesurteil. Besonders hat man es auf Kinder und Alte abgesehen. Rechts, links, rechts, links. Rechts ist zum Leben, links ist zum Kamin."

Gaskammern und Krematorien

Auschwitz-Birkenau entstand 1940, etwa 60 Kilometer südwestlich von Krakau, zuerst als Lager für politische Häftlinge. 1941 wurde der Komplex erweitert, ein Jahr später errichtete die SS die berüchtigten Gaskammern: Zyklon B, ursprünglich ein Desinfektionsmittel zur Rattenbekämpfung in Schiffsräumen, entwickelt an der Luft Dämpfe, die Menschen binnen Minuten töten. Die Leichen wurden in riesigen Krematorien verbrannt.

Wer gleich nach der Ankunft vergast wurde und wer nicht, entschieden Ärzte der SS. Einer der Mediziner war Josef Mengele. Auch über ihn sprach Anita Lasker in der BBC: "Ein gewisser Dr. Mengele beschäftigte sich mit Forschungen. Das heißt, man brachte Frauen in den bekannten Block 10 in Auschwitz, um dort mit ihnen zu experimentierten. Man sterilisierte die Frauen, das heißt, man machte mit ihnen Experimente, die man mit Meerschweinchen zu tun pflegt. Aber Juden waren ihnen gerade gut genug dazu. Ferner experimentierte man mit Zwillingen. Das heißt man riss ihnen fast die Zungen raus, man öffnete ihnen die Nase etcetera.“

Arbeiten bis zum Umfallen

Wer am Leben blieb, musste Zwangsarbeit leisten. Das Unternehmen IG Farben errichtete in Auschwitz-Monowitz ein eigenes Arbeitslager, auch andere Firmen wie Krupp siedelten sich rings um das Lager an. Die Lebenserwartung der Arbeiter betrug im Schnitt drei Monate.

"Jede Woche wurden so genannte Sortierungen durchgeführt", schilderte die Überlebende Charlotte Grunow der deutschsprachigen Hörerschaft der BBC. "Die Leute mussten stundenlang vor den schrecklichen Blocks stehen. Dann kam der Arzt, Hauptsturmführer Mengele, und machte mit einer Handbewegung einem Leben, das ihm nicht gefiel, ein Ende. Er suchte die Menschen - Nummer 1, Nummer 3, Nummer 5 - sie mussten aus der Reihe treten und wurden auf Block 25 gebracht. Block 25 war der Todesblock.“

Todesmarsch

Um die Spuren des Holocaust vor der herannahenden Roten Armee zu verwischen, sprengte die SS Ende 1944 die Gaskammern und evakuierte die meisten Häftlinge. Charlotte Grunow und Anita Lasker wurden nach Bergen-Belsen gebracht und dort im April 1945 von den Briten befreit. 65.000 Häftlinge ließ die SS in Auschwitz zurück. Sie konnten das sowjetische Artilleriefeuer bereits hören, als ihnen die SS am 18. Januar den Befehl zum Abmarsch gab. "Wir wurden aus dem Lager herausgejagt", erinnerte sich Pavel Kohn aus Prag. "Unter Aufsicht der SS und der Wehrmachtsposten mussten wir mit unbekanntem Ziel Tag und Nacht marschieren. Wer dazu nicht mehr im Stande war und zurückblieb, wurde erschossen.“ Tausende Tote säumten die Route des Todesmarsches. Auch für sie kamen die Befreier zu spät.