USA

Die Fake-News-Maschine von Las Vegas

Kurz nach der Massenschießerei in Las Vegas kursieren Verschwörungstheorien und Gerüchte im Netz. Sie verbreiten sich rasanter als seriöse Berichte. Über ein lukratives Geschäft und das Versagen der Algorithmen.

USA Massenmord in Las Vegas (Reuters/M. Blake)

Bei dem Attentat in Las Vegas starben mindestens 58 Menschen. Mehr als 500 wurden verletzt. Stephen Paddock, der Attentäter, ist tot. Sein Motiv ist noch völlig unklar. So viel zu den von offizieller Seite bestätigten Fakten. Fast zeitgleich mit den ersten Eilmeldungen zu den tödlichen Schüsse in der Spielermetropole machten allerdings auch die ersten Gerüchte und Falschmeldungen die Runde. Diese Meldungen werden um ein Vielfaches häufiger geklickt als die faktenbasierten Berichte seriöser Medien. Aber wieso? Wem bringt diese Flut von Falschmeldungen etwas und warum verbreiten sie sich so rasant?

Umfang der Fake News

Eine Studie der London School of Economics and Political Science (LSE) zeigt das breite Spektrum von Fake News. Dazu zählen laut LSE nicht nur bewusst erlogene Artikel, sondern auch einseitige Berichterstattungen, die die Meinung der Leser in eine bestimmte Richtung zu lenken versuchen. Auch das Verbreiten von Gerüchten zählen die Forscher dazu.

Was behauptet wird

Über das Attentat in Las Vegas sind zahlreiche Gerüchte, aber auch Lügen im Umlauf. Vor allem die rechte Szene spekulierte laut darüber, ob Paddock ein Islamist oder nicht doch eher ein Trump-hassender Linksradikaler gewesen sei. So überlegt das Onlineportal silenceisconsent.com öffentlich, ob Paddock zur Antifa gehört haben könnte.

Laut Polizei hat es sich bei Paddock um einen Einzeltäter gehandelt. In den sozialen Medien hält sich jedoch hartnäckig das Gerücht, es habe mindestens noch einen zweiten Schützen gegeben. Als Beweis für die Theorie posten Gruppen wie "The People's Voice" Artikel mit eingebundenen, verwackelten Nutzervideos. Die Eindeutigkeit des Materials und die Glaubwürdigkeit der Quelle sind dabei nur zweitrangig.

Wie sich die Fake News verbreiten

Im Fall von Las Vegas wird den Silicon-Valley-Giganten Google, Facebook und Twitter vorgeworfen, Falschmeldungen ungenügend eingedämmt und sogar verbreitet zu haben. Nutzer, die sich via Google über die Schießerei informieren wollten, wurden stundenlang über einen Link zur Nachrichtenplattform 4chan geführt, die fälschlicherweise behauptete, der Attentäter sei Geary Danley, der Ex-Mann von Paddocks Freundin. 4chan ist bekannt dafür, Falschinformationen und Verschwörungstheorien nach Massenschießereien oder Terrorattacken zu verbreiten.

Die Gerüchteköche anderer Fake-News-Portale wie der rechten "The Gateway Pundit" bahnten sich einen Weg in die Sozialen Medien. Den professionellen Produzenten von Falschmeldungen gelingt es immer wieder, die Algorithmen von Google, Facebook und Co. zu knacken und für die prominente Ausprägung ihrer Fake News und deren Verbreitung zu nutzen. Dabei hatte Facebook erst diesen Sommer angekündigt, einen Algorithmus entwickeln zu wollen, der Falschmeldungen aufspürt.

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Made in Germany - Fakenews und der Schaden

Das Geschäft mit den Lügen

Mit Fake News lässt sich gutes Geld verdienen. Ein Bericht des Softwareunternehmens Trend Micro deckt zahlreiche Seiten im Darknet auf, die Fake News als Dienstleistung anbieten. 200.000 Dollar kostet beispielsweise eine Kampagne, die provozieren und öffentliche Proteste auslösen soll. Die Diskreditierung eines Journalisten gibt es für 55.000 Dollar. In dem Paket enthalten sind üblicherweise gefälschte Profile und Gruppen in sozialen Netzwerken, die gefälschten Inhalte selbst, sowie genügend Likes und Retweets für eine zügige Verbreitung.

Eine andere Einnahmequelle ist eine Art der Online-Werbung, von der die Studie der London School of Economics and Politics berichtet. Beworben werden dabei vor allem Artikel, die visuell ansprechend sind und viele Klicks zu generieren versprechen. Der Wahrheitsgehalt des Berichts ist weniger entscheidend. Diese programmatische Werbung wird mit Hilfe von Algorithmen vollautomatisch verbreitet. Auch das ist ein Grund, weshalb die schrillen Fake-News-Artikel zum Attentat in Las Vegas um ein Vielfaches häufiger geklickt wurden als die Berichte der "New York Times".

Wieso Fake News funktionieren

Die Sozialpsychologin Catarina Katzer spricht in einemInterview mit der ARD davon, dass Menschen durch die Fülle an Informationen über Nachrichtenseiten und soziale Netzwerke immer oberflächlicher in der Informationsverarbeitung werden. "Wir wissen, dass wir nur zehn bis fünfzehn Prozent dessen, was wir online aufrufen, lesen. Alles andere fällt in ein schwarzes Loch." Das und eine gewisse Bequemlichkeit, den Wahrheitsgehalt von Meldungen zu überprüfen, mache viele Menschen anfällig für Fake News. 

"Wenn wir Dinge im Netz finden, suchen wir immer bekannte kognitive Strukturen oder lassen uns von diesen lenken", sagt Katzer. Diese selektive Wahrnehmung könne ebenfalls dazu beitragen, dass jemand Fake News glaubt. Einfach, weil er das eigene Weltbild bestätigt sieht.

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