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Falkland-Krieg

Andrea Rönsberg/db30. März 2012

Am 2. April 1982 besetzte Argentinien die britischen Falkland-Inseln im Südatlantik. Nach wochenlangen Kämpfen entschied Großbritannien den Konflikt für sich. Militärhistoriker Martin Middlebrook über den Krieg.

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Britische Fahne über den Falklandinseln (Foto: AP)
Bild: AP

Der britische Militärhistoriker Martin Middlebrook, Jahrgang 1932, hat zahlreiche Bücher über entscheidende Wendepunkte in den zwei großen Weltkriegen geschrieben. Der renommierte Historiker und Mitglied der „Royal Historical Society“ schrieb ebenfalls über den Kampf zwischen Großbritannien und Argentinien um die Falkland-Inseln vor 30 Jahren - einmal aus britischer und einmal aus argentinischer Sicht.

Deutsche Welle: Im Vorwort zu einem Ihrer Bücher schreiben Sie: "Mir liegt nichts daran, über Politik und Diplomatie zu schreiben - mich fasziniert der Krieg." Was war so faszinierend am Falkland Krieg 1982, dass Sie darüber schreiben wollten?

Martin Middlebrook: Er war sehr ungewöhnlich. Bis dahin hatte ich vor allem Bücher über die Weltkriege geschrieben, also über jahrelange Konflikte. Aber was 1982 geschah, kam völlig unerwartet. Nachdem der argentinische Kreuzer General Belgrano und der britische Zerstörer Sheffield gesunken waren, wurde mir klar: Was als Kräftemessen begonnen hatte, würde sich zu einem richtigen Krieg auswachsen.

Im Nachhinein erscheint vielen Menschen die damalige Entscheidung der britischen Regierung, sich auf einen Konflikt mit Argentinien einzulassen, als recht bizarr.

Ich finde es nicht bizarr. Man muss sich gewisse Prinzipien der Entsendung der Spezialeinheit genauer vor Augen führen, dann ist die Maßnahme nicht mehr bizarr.

In Ihrem Buch weisen Sie darauf hin, dass derjenige, der die Falkland- Inseln kontrolliert, auch die Kontrolle über ca. 1/6 der letzten Öl- und Mineralreserven der Welt haben wird. Glauben Sie, das war der britischen Regierung bewusst als sie die Spezialeinheit entsandte?

Ich kann mich nicht erinnern, dass damals viel von Öl die Rede gewesen wäre. Vielleicht spielte die Zukunft der Antarktis eine Rolle. Viel wichtiger war jedoch die Anwesenheit der Briten in Port Stanley - die Siedlungen waren sowohl der britischen als auch der argentinischen Regierung ein Dorn im Auge. Wenn die Bewohner der Falkland-Inseln gesagt hätten, uns ginge es besser wenn wir zu Argentinien gehören würden, wäre das britische Außenministerium, denke ich, hoch erfreut gewesen. Das ganze war eine unerfreuliche Angelegenheit, die die britischen Beziehungen zu den Ländern Südamerikas beeinträchtigte. Aber die 1800 Einwohner äußerten sehr deutlich, dass sie britisch sein wollten. Das setzt alles anderer außer Kraft: den Anspruch Argentiniens, jedwede Aussicht auf Öl, das eventuell gefunden wird oder auch nicht und letztlich auch die Bedeutung der Antarktis, die auf lange Sicht der einzige Ort der Welt sein wird, an dem es noch wertvolle Öl- und Mineralvorkommen gibt.

Der Hauptpunkt ist der, dass die Argentinier gewaltsam ein Land besetzten, das nicht besetzt werden wollte. Und Großbritannien - wenn ich das mal so sagen darf - hat eine lange und ehrwürdige Erfahrung darin, besetzte Länder zu befreien. Ich denke das war viel wichtiger. Bedenken Sie, warum die Argentinier die Falkland-Inseln besetzten: Es gab politische Probleme, von denen man mit einer erfolgreichen Besetzung und Beibehaltung der Malvinas ablenken konnte. Die Besetzung war kein Problem; die Beibehaltung war da schon schwieriger.

Luftaufnahme der Falkland Inseln (Foto: NASA)
Die Falklandinseln - Zankapfel zwischen Argentinien und GroßbritannienBild: NASA

Als britischer Militärhistoriker hatten Sie bereits ein Buch über die britische Perspektive des Falkland-Krieges veröffentlicht. Wie ist man Ihnen in Argentinien begegnet, als Sie anfingen, dort für ein Buch über die argentinische Sichtweise zu recherchieren? Die Argentinier haben sich ja zu den Falkland-Inseln bekannt.

Fünf Jahre lagen zwischen dem Buch über die britische Spezialeinheit und dem über die Bewohner der Falkland-Inseln. Ich musste warten, bis ich endlich ein Visum für Argentinien bekam.

Sie haben auch die argentinische Sichtweise kennengelernt. Hat das Ihre Perspektive geändert?

Meine Perspektive hat sich nicht geändert. Ich bin unvoreingenommen dorthin gereist. Aber die Tatsache, dass die Argentinier so standhaft daran glauben, die Malvinas müssten ihnen gehören - trotz der Wünsche der Einwohner - wurde dadurch bestärkt, dass ich mit so vielen Menschen in Argentinien gesprochen habe. Es ist geradezu eine Obsession bei ihnen.

Anfang des Jahres regte man sich in Argentinien darüber auf, dass die Royal Air Force Prince William als Helikopterpiloten auf die Falkland-Inseln schickte. Es hieß, Großbritannien würde den Südatlantik militarisieren. War dem so?

Die tatsächliche Truppenstärke auf den Falkland-Inseln hat sich nicht geändert. Prince William versucht nach Kräften, ein normales Mitglied der Royal Air Force zu sein. Er ist auf den Such- und Rettungsdienst spezialisiert, wirklich keine aggressive Aufgabe. Die RAF hat mit seiner Entsendung wohl keinen so guten Zeitpunkt erwischt, aber es ist keine große Sache.

Die RAF und die britische Regierung haben das Recht, jeden auf die Falkland-Inseln zu schicken, sofern die Bedrohung für Argentinien nicht größer wird. Das gab den Argentiniern nur die Möglichkeit Emotionen hoch zu peitschen, die immer dann beschworen werden, wenn es innenpolitische Probleme gibt. Ich glaube nicht, dass Argentiniens Politik oder Wirtschaft zurzeit besonders stabil sind und das bietet doch ein Ventil für ihre Gefühle und eine Ablenkung vom Alltag.

Ich lese regelmäßig die dortigen Zeitungen und muss sagen, es gibt zunehmend ernstzunehmende Leute in Argentinien, die sagen, diese fixe Idee der Malvinas ist schon zu weit gegangen, wir sollten anerkennen, dass wir weder die Unterstützung der Vereinten Nationen noch dem Rest der Welt haben und außerdem schadet es unsere Zukunftsperspektiven. Wenn wir das weiter beobachten - über die nächsten 10 oder 20 Jahre -, werden wir eventuell entdecken, dass sich die Position im Südatlantik stabilisiert und die Argentinier ihre Androhung fallen lassen, noch einmal zu versuchen, die Falkland-Inseln zu erobern - über die diplomatische, politische, wirtschaftliche oder militärische Schiene. Militärisch ganz sicher nicht. 1982 wurden sie vernichtend geschlagen. Ich glaube nicht, dass man das noch einmal riskieren würde.

Ein demontrant verbrennt eine britische Flagge in Buenos Aires (Foto: AP)
Immer wieder kommt es in Argentinien zu Protesten gegen GroßbritannienBild: AP