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"Die Lage wird immer schlimmer"

17. Oktober 2012

Die Situation der Menschen in den syrischen Konfliktgebieten wird immer verzweifelter. UN-Vertreter berichten von Gräueltaten. Der Papst will eine Solidaritätsdelegation entsenden.

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Durch Bombenangriffe zerstörtre Häuser in der syrischen Stadt Aleppo (Foto: Getty Images)
Bild: Getty Images

"Die Zahl der Menschenrechtsverletzungen hat in den vergangenen Monaten dramatisch zugenommen", sagte der brasilianische Diplomat Paulo Pinheiro in New York. "Mord, ungerechtfertigte Inhaftierung, sexuelle Gewalt, Gewalt gegen Kinder - die Lage wird immer schlimmer."

Pinheiro dokumentiert als Chef einer vierköpfigen Kommission im Auftrag der UN Menschenrechtsverletzungen in Syrien. Die Kriegsverbrechen werden nach seinen Angaben vor allem durch Regierungstruppen verübt. Es gebe allerdings auch Vergehen der Opposition. "Aber die Dimension ist doch eine ganz andere", betonte der brasilianische Diplomat.

Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York schilderte UN-Untergeneralsekretär Jeffrey Feltman die dramatischen Auswirkungen des Konflikts auf Bewohner und Kultur Syriens: " Städte und Dörfer - einige davon Teil unseres Weltkulturerbes - verwandeln sich in Ruinen. Archäologische Schätze wurden geplündert und zerstört." Der Konflikt habe ein "neues und entsetzliches Ausmaß an Brutalität und Gewalt" erreicht, sagte Feltman. Nach neuen Schätzungen der Vereinten Nationen sind in dem Bürgerkrieg inzwischen mehr als 30.000 Menschen getötet worden.

EU fürchtet Eskalation im Syrien-Konflikt

Das Welternährungsprogramm (WFP) wies daraufhin, dass immer mehr Menschen in dem Bürgerkrieg abhängig von Lebensmittelhilfen der UN würden. Im September hätten etwa 1,4 Millionen Menschen die Hilfe der Organisation benötigt, teilte das WFP in Genf mit. Aufgrund der anhaltenden Kämpfe sei es den Helfern aber nicht möglich, alle Bedürftigen zu versorgen. "Es gibt einige Gebiete, die niemand erreichen kann", sagte WFP-Sprecherin Elisabeth Byrs. Dazu zählten unter anderem die Regionen Homs, Aleppo, Daraa sowie ein Teil des Umlands von Damaskus. Am Dienstag wurden nach Angaben von Aktivisten landesweit von den Regierungstruppen 94 Menschen getötet.

Der Vatikan kündigte unterdessen an, Papst Benedikt XVI. wolle eine hochrangige Delegation der römisch-katholischen Kirche nach Syrien entsenden. Benedikt wolle auf diese Weise "seine brüderliche Solidarität mit der ganzen Bevölkerung" Syriens zum Ausdruck bringen, erklärte Kardinal Tarcisio Bertone. Die katholische Kirche könne angesichts der syrischen "Tragödie" kein "stiller Beobachter" bleiben. Die meisten Syrer sind Muslime.

Der Syrien-Sondergesandte der UN und der Arabischen Liga, Lakhdar Brahimi, bemüht sich derweil weiter um eine Waffenruhe in Syrien während des dreitägigen islamischen Opferfestes, das in diesem Jahr am 26. Oktober beginnt. Im Rahmen seiner Sondierungen mit den Nachbarn Syriens traf er zu Gesprächen mit der libanesischen Regierung in Beirut ein. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad zeigte sich bereits offen für eine solche Feuerpause. Man sei "bereit" eine solche Möglichkeit zu betrachten, hieß es aus dem Außenministerium in Damaskus.

wl/qu (dpa, dapd, afp, rtr)