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Die neue Volksaktie?

Arend Wulff6. Mai 2004

Die Postbank geht an die Börse - mit guten Unternehmenszahlen. Ist das die Rettung für den gebeutelten deutschen Kapitalmarkt?

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Die Postbank-Zentrale in BonnBild: dpa


Die Börsianer hoffen wieder: Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann und der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post Klaus Zumwinkel haben Großes angekündigt: Am 21. Juni geht die Postbank an die Börse. Mit seiner klaren Positionierung als Privatbank und einem risikoarmen Geschäftsmodell sei das Kreditinstitut "fit für die Börse", so Zumwinckel.

Fünfzig Prozent minus eine Aktie der Anteile sollen abgegeben werden - so viel also, dass die Deutsche Post gerade eben Mehrheitsaktionär bleibt. Die Zeichnungsfrist beginnt am 7. Juni. Experten rechnen - einen Unternehmenswert von fünf bis sechs Milliarden Euro vorausgesetzt - mit einem Preis von um 30 Euro pro Aktie.

Erlös für Neuerwerbungen

Geplant ist ein Erlös von 2,5 bis drei Milliarden Euro, der in die Kassen des Mutterkonzerns fließt. Das Geld will die Post für den strategischen Ausbau des Konzerns verwenden. Unter anderem wurde Interesse an Postgesellschaften in Österreich und Dänemark gemeldet.

Bei Postbank und Post gibt man sich betont optimistisch. Schließlich ist man mit 11,5 Millionen Kunden Deutschlands größte Privatbank. Laut Schimmelmann hat die Postbank im ersten Quartal das beste Ergebnis ihrer Firmengeschichte erzielt: "Alleine die Spareinlagen wurden um 1,6 Milliarden Euro gesteigert." Auch sei es gelungen, den Nettogewinn 2003 im Vergleich zum Vorjahr beinahe zu verdreifachen.

"Vorsicht bei Börsengängen von Staatsunternehmen"

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Der Erlös des Börsengangs soll in die Deutsche Post fließenBild: AP

Eine gute Ausgangsposition für den Börsengang. Schon erhoffen die ersten Börsianer sich den entscheidenden Impuls für den gebeutelten Kapitalmarkt. Schließlich sei der Börsengang der Postbank die größte Neuemission der letzten drei Jahre in ganz Europa, wie Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger betont. In Deutschland wäre es, nach den abgebrochenen Anläufen der Halbleiterfirmen Siltronic und X-Fab im März, der erste Börsengang in zweieinhalb Jahren.

Und schon wird die Postbank-Aktie als heiße Kandidatin für den Leitindex Dax gehandelt, in dem die 30 wichtigsten Aktienwerte Deutschlands erfasst werden. Doch Markus Straub bleibt skeptisch. Zwar sei es noch zu früh, die vermeldeten Zahlen zu kommentieren, da man dafür den Ausgabepreis abwarten müsse. Aber die Erfahrungen mit den Börsengängen der Deutschen Post und der Telekom geben Anlass zur Vorsicht: "Als Anleger weiß ich, dass Staatsunternehmen und deren Töchter bisher noch keine große Freude gemacht haben."

Eine neue Volksaktie? Da machen sich auch die Postbänkler keine Illusionen. Zwar erwarten sie bei ihrem Börsengang auch Zuspruch von Privatanlegern. "In dieser Hinsicht wachsen aber derzeit die Bäume nicht in den Himmel", sagte der Postbank-Chef. Bei seinem Börsengang schielt der Konzern eher auf institutionelle Großanleger. So wird dem Aktionärsschützer Straub wohl wenigstens eines erspart bleiben: "Wir hoffen, dass es nicht eine Marketingkampagne wie bei der T-Aktie gibt, wo man mit Thomas Gottschalk und guter Laune versucht, dem Anleger eine überteuerte Aktie zu verkaufen."

"Verkauf an Deutsche Bank nicht geplant"

Kurz vor der Verkündigung des Börsengangs hatte die "Financial Times Deutschland" gemeldet, die Deutsche Bank strebe eine Komplettübernahme der Postbank an. Zu diesem Zweck habe es schon Gespräche mit der Bundesregierung gegeben. Zumwinckel dementiert: Die Deutsche Post wolle auf Dauer eine Mehrheit an der Postbank halten. Auch Gespräche über den Kauf eines großen Aktienpaketes durch die Deutsche Bank habe es nicht gegeben. "Zurzeit ist nicht erkennbar, dass ein Großaktionär auf der Bildfläche erscheinen wird", so der Post-Vorstandschef.