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Eigener Fokus: Der Irakkrieg in den US-Medien

Daniel Scheschkewitz, Washington6. September 2006

In den US-Medien ist der Irakkrieg täglich präsent. Die Berichterstattung ist geprägt von der nationalen Debatte über die Frage, wie lange die USA ihre Soldaten noch im Irak kämpfen lassen sollen.

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Beerdigung eines von mehr als 2300 im Irak gefallenen US-SoldatenBild: AP

Ob auf CNN oder einem der anderen Nachrichtenkanäle, der Irakkrieg ist in den US-Medien in der ein oder anderen Form ständig präsent. Dabei prägen die Szenen der alltäglichen Gewalt im Irak nur ein Teil des Bildes. Dass der Krieg inzwischen mehr Amerikaner das Leben gekostet hat als die Terroranschläge des 11. September, wird zwar registriert, doch in jüngster Zeit wird die Berichterstattung vor allem von der Frage dominiert, was wäre, wenn Amerika seine Soldaten abziehen würde.

Dabei kommen neben den Protagonisten des amerikanischen Engagements, wie US-Präsident George W. Bush, gelegentlich sogar Iraker selbst zu Wort. So wie Bushra Jamil, Journalistin des irakischen Frauensenders Radio Mahabba: "Was den Irak noch zusammenhält, ist die Präsenz der amerikanischen Truppen."

Angst um die eigene Haut

Wenn die USA ihre Soldaten abzögen, gehe das große Schlachten los, sagt Mahabba. Dass die Zahl der getöteten Zivilisten im Irak schon jetzt höher ist als je zuvor, interessiert die US-Medien nur am Rande. Von der Bush-Regierung wird vor allem das Schreckenszenario entwickelt, dass ein vorzeitiger Irakabzug neue Terroranschläge in den USA nach sich ziehen würde. "Wenn wir abzögen, hätte das ernste Konsequenzen für die Sicherheit Amerikas", sagt Bushs Sprecherin für den Heimatschutz, Fran Townsend.

Um der Ausgewogenheit willen, der alle seriösen US-Sender zumindest äußerlich gerecht werden wollen, dürfen Strategen der Demokratischen Partei wie Steve Macmahon dem entgegenhalten. "Wir stecken im Irak in der Klemme, während die Terroristen Afghanistan unsicher machen. Die demokratische Partei würde den Krieg zu den Terroristen verlagern."

Irakische Regierungsvertreter in den US-Medien

Um die Nation in Sachen Irak bei der Stange zu halten, wird von den Bush-freundlichen Medien vor allem die Theorie von dem voranschreitenden Aufbau der irakischen Sicherheitskräfte lanciert, die in nicht allzu ferner Zukunft selber für Ordnung im Lande sorgen und somit die amerikanischen Truppen überflüssig machen würden.

Da die Amerikaner dieses Versprechen der eigenen Regierung kaum noch abnehmen, lässt man dabei immer häufiger irakische Regierungsvertreter zu Wort kommen. So erklärte zum Beispiel der stellvertretende Ministerpräsident Barham Salih im Sender Foxnews, die Sicherheit des Irak sei letztlich die Angelegenheit der irakischen Regierung und ihrer Sicherheitskräfte.

PR-Kampagne für das US-Militär im Irak

Dabei versucht die Bush-Regierung ganz gezielt, das Meinungsbild auch im Irak selbst zu steuern. Erst in diesen Tagen wurde ein Public-Relations-Vertrag in Höhe von 20 Millionen US-Dollar für das US-Militär im Irak ausgeschrieben, mit dem die Generäle durch eine gezieltere Auswertung der Berichterstattung zum Thema in die Lage versetzt werden sollen, ihre Botschaft besser in den Medien zu lancieren.

Im Herbst 2005 hatte man im Pentagon noch einen kruderen Weg gewählt. Damals wurden irakische Medien gezielt dafür bezahlt, wenn sie positive Meldungen über die Lage im Lande verbreiteten.