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Eine Versicherung gegen Dürre in Äthiopien

Constanze Prehl16. März 2006

Erstmals deckt ein Versicherungskonzern eine mögliche Hungerkatastrophe ab. Wenn in Äthiopien der Regen ausbleibt, zahlt AXA Re an das Welternährungsprogramm. Ein Modell für andere Regionen?

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Die Dürreregion Denan in ÄthiopienBild: AP
Bauer bei der Arbeit in Äthiopien
Ein Bauer in der Nähe von Addis AbebaBild: AP

Wenn nur eine der beiden Regenzeiten in Äthiopien ausfällt, kann ein Bauer schon auf Lebensmittelhilfe von außen angewiesen sein. Fünf große Dürren erlebte Äthiopien in den letzten zwei Jahrzehnten. Ab Oktober 2006 ist Äthiopien gegen Dürren versichert. Das Welternährungsprogramm (WFP) hat 930.000 US-Dollar bezahlt, um bei Europas zweitgrößtem Versicherungskonzern AXA Re eine Police abzuschließen. Der in Paris abgeschlossene Vertrag soll das Risiko von den Bauern auf die großen Finanziers umleiten.

Hilfeleistungen für die Bauern

"Es ist das erste Mal, dass wir für ein afrikanisches Land tätig werden und für Katastrophenhilfe", sagt Jan Christoph Garrex, der bei AXA für Wetterversicherungen verantwortlich ist. "Wir erhalten eine Prämie und werden am Ende der Versicherungszeit - März bis Oktober - die Versicherungssumme auszahlen, wenn der Niederschlag unter dem für die Region normalen Durchschnittswert liegt." Maximal würden 7,5 Millionen US-Dollar ausgezahlt.

Diese Summe wird dann an das WFP für direkte Hilfsleistungen an die betroffenen Bauern gehen. Bei den Berechnungen kalkulierte man den Verdienstausfall der äthiopischen Bauern durch zu niedrige Regenfälle. Die erste Wahl unter allen Dürregebieten der Welt fiel auf Äthiopien. Aus einem Grund: Hier lagen die besten Daten zu Niederschlägen vor. "Es sind die Daten von 26 Wetterstationen und nicht nur von einer einzigen. Sie stammen von Earthstat, eine sehr bekannte Institution, die die Daten festlegen, kontrollieren und evaluieren wird", erklärt Garrex.

Niedrige Summe

Der Chef der Welternährungsorganisation, James Morris, hofft, dass diese neuartige Versicherung gegen eine humanitäre Krise wegweisend sein könnte, um Millionen Familien vor Unglück zu bewahren. Allerdings ist die Versicherungssumme von 7,5 Millionen US-Dollar relativ gering. Um den Opfern der letzten Dürre zu helfen, benötigt Äthiopien zurzeit 19 Millionen Dollar. Doch das Geld könnte immerhin zur Vermeidung größerer Dürrefolgen beitragen, denn je später Hilfe einsetzt, umso größer und teurer sind meist die Folgeschäden.

Zu geplanten Einsatzmöglichkeiten dieser Versicherung in anderen Dürreregionen der Welt äußert sich AXA-Vertreter Garrex zuversichtlich. Es würden allerdings noch die notwendigen Niederschlagsdaten über einen langen Zeitraum fehlen. "Dazu muss es Wetterstationen geben. Wir arbeiten mit anderen Regierungen und internationalen Organisationen diesbezüglich zusammen", sagt er. In Zentralamerika und Asien arbeite die Versicherung daran, auch eine Police für übermäßige Regenfälle, die Fluten und humanitären Katastrophen verursachen, anzubieten.

Bewährt sich das äthiopische Pilotprojekt, dann wird das Beispiel Schule machen. Langfristig zielt die Welternährungsorganisation darauf ab, dass sich afrikanische Regierungen selbst gegen Dürre versichern. Entwicklungshelfer kritisieren, dass damit Hilfsgelder für Policen und nicht direkt für Nahrungshilfe oder langfristige Entwicklung eingesetzt werden. Außerdem stehe der Gewinn der Versicherung im Vordergrund, die Wurzel des Problems Dürrekatastrophe bleibe unangetastet. Bedenkt man jedoch die derzeitigen Alternativen zum jährlichen Hilfetrommeln der UN - wie beispielsweise den geplanten UN-Sonderfonds für Krisen aus Beiträgen der Mitgliedsstaaten - dann erscheint dieser Weg eine reale Übergangslösung zu sein.