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Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi ist tot

20. Oktober 2011

Der Nationale Übergangsrat in Libyen hat den Tod des gestürzten libyschen Machthabers Gaddafi bestätigt. Er soll nach einem Gefecht in Sirte seinen Verletzungen erlegen sein. Im Land brach Jubel aus.

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Libyens Ex-Machthaber Gaddafi (Foto: dpa)
Gaddafi soll an den Beinen und am Kopf schwer verletzt worden sein, bevor er starbBild: picture-alliance/dpa

"Gaddafi ist tot." Das teilte der Nationale Übergangsrat am Donnerstag (20.10.2011) mit. "Wir verkünden der Welt, dass Gaddafi durch die Hände der Revolution getötet wurde", erklärte der Sprecher der neuen libyschen Führung, Abdel Hafes Ghoga. "Das ist ein historischer Moment, es ist das Ende der Tyrannei und der Diktatur", sagte er. Auch der Ministerpräsident der Übergangsregierung, Mahmud Dschibril, bestätigte Gaddafis Tod und sagte in der Hauptstadt Tripolis, es sei nun an der Zeit, ein neues, einiges Libyen zu schaffen.

In Tripolis und in anderen Orten feierten Gaddafi-Gegner auf den Straßen die Nachricht vom Schicksal des einstigen Machthabers.

Nach Angaben aus dem Übergangrat ist Gaddafi am Donnerstagmorgen bei schweren Kämpfen in seiner Heimatstadt Sirte von Milizionären getötet worden. "Alle Hinweise, die wir haben, besagen, dass Oberst Gaddafi Geschichte ist", sagte Informationsminister Mahmud Schammam dem Fernsehsender CNN. Er sei während der Kämpfe in Sirte getötet worden. Milizionäre hätten versucht, ein Gebäude in Sirte zu stürmen, in dem sich der Ex-Diktator verschanzt haben soll. Gaddafi habe daraufhin versucht zu flüchten. Schammam sagte, er wisse noch nicht, ob der 69-Jährige in dem Haus oder in einem Fahrzeug getötet wurde. Kämpfer des Übergangsrates hätten die Leiche Gaddafis gesehen.

Männer in Kaki-Uniformen feiern (Foto: AP/dapd)
Kämpfer der Übergangsregierung brachen in Jubel ausBild: dapd

Gaddafi erlitt Schussverletzungen

Auch der Militärkommandeur des libyschen Übergangsrates in Tripolis, Abdelhakim Belhadsch, bestätigte im arabischen Fernsehsender Al-Dschasira den Tod Gaddafis. Ein Kämpfer der Übergangsrat-Milizen sagte der BBC, er sei dabei gewesen, als seine Truppe auf Gaddafi gestoßen sein und auf ihn geschossen habe. Bereits zuvor hatte ein Kommandeur der Übergangsregierung erklärt, Gaddafi sei getötet worden, als er versucht habe, aus Sirte zu fliehen. Gaddafis Wagenkolonne sei aus der Luft angegriffen worden, sagte Abdel Basit Harun. Gaddafi habe Schussverletzungen an den Beinen erlitten. Einige Medien berichteten auch von Kopfverletzungen. Inzwischen sind Fotos aufgetaucht, die Gaddafi abbilden sollen. Auf einem Bild ist ein Mann zu sehen, der blutend und umringt von Milizionären des Übergangsrates auf dem Boden liegt.

Der arabische Nachrichtensender Al-Arabija, meldete dass Gaddafis Leiche am Nachmittag in die Stadt Misrata gebracht worden sei. Ein Sprecher des Übergangsrats teilte außerdem mit, dass in Sirte auch Gaddafis Sohn Muatassim und sein letzter Verteidigungsminister, Abu Bakr Juni, getötet worden seien.

NATO hat Gaddafis Wagenkolonne angegriffen

Die NATO hält sich bislang mit Angaben zur Festnahme oder Tötung Gaddafis zurück. Das Militärbündnis erklärte allerdings, es habe am Morgen eine Wagenkolonne mit Gaddafi-Anhängern angegriffen, konnte aber nicht bestätigen, ob sich der gestürzte Machthaber in dem Konvoi befunden habe oder dieser womöglich gefangen genommen oder gar getötet worden sei.

Kämpfe um Gaddafis Heimatstadt Sirte (Foto: dpa)
Die letzte Hochburg Gaddafis soll eingenommen worden seinBild: picture-alliance/dpa

Auch das US-Außenministerium hielt sich zurück. Eine Sprecherin erklärte am Nachmittag: "Das Außenministerium kann derzeit die Medienberichte über die Gefangennahme oder Tötung von Muammar al-Gaddafi nicht bestätigen." Nach Angaben aus Regierungskreisen bemühte sich das Weiße Haus darum, die Berichte über Gaddafi zu klären.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy nannten den Tod Gaddafis "das Ende einer Ära des Despotismus und der Unterdrückung, unter der das libysche Volk zu lange gelitten hat". Weiter erklärten sie: "Heute kann Libyen eine neue Seite seiner Geschichte aufschlagen und eine neue demokratische Zukunft begrüßen." Die politische EU-Spitze forderte den Nationalen Übergangsrat Libyens auf, einen "breit angelegten Prozess der Aussöhnung" aller Libyer einzuleiten.

Gaddafis Geburtsstadt Sirte eingenommen

Die Truppen der Übergangsregierung erklärten am Donnerstag, dass Gaddafis letzte Bastion, seine Geburtstadt Sirte, nach wochenlangen Kämpfen "vollständig befreit" sei. Dadurch und aufgrund der "Bestätigung für den Tod Gaddafis" sei nun das gesamte Land "vollständig befreit", sagte ein hochrangiger Militärvertreter des Übergangsrates, Chalifa Haftar.

Gaddafi hatte das Land rund 42 Jahre lang regiert. Ende August hatten die Rebellen Tripolis eingenommen, seitdem war sein Aufenthaltsort unbekannt. Er war immer wieder an verschiedenen Orten vermutet worden, wie unter anderem in der Wüstenstadt Sebha oder aber in einer Oase im Süden des Landes.

Autorin: Naima El Moussaoui (mit afp, dpa, dapd)

Redaktion: Martin Schrader