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"Findet Nemo" ist erfolgreichster Trick-Film

Svenja Üing21. November 2003

Ein Kino-Fisch erobert die Herzen: In den USA hat "Findet Nemo" allein am ersten Wochenende rund 70 Millionen Dollar eingespielt – so viel wie kein Trickfilm zuvor. Fasziniert sind aber nicht nur die Kinder.

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Leinwand-Helden Dory und Marlin umrundet von einem Schwarm MondfischeBild: AP

Der Held der Unterwasserwelt heißt Nemo. Sechs Jahre ist der kleine, bunt-schillernde Clownfisch alt, der mit seinem allein erziehenden Vater Marlin in einem Korallenriff vor der australischen Küste lebt – bis er an seinem ersten Schultag von Tauchern entführt wird und in einem Aquarium in Sydney landet. Damit beginnt das spannende Abenteuer von Marlins Suche nach seinem verlorenen Fisch-Sohn. In den USA hat "Findet Nemo" seit seinem Kino-Start am 30. Mai über 330 Millionen Dollar eingespielt – weit mehr als "Matrix Reloaded" oder "Flucht der Karibik".

"Nemo" : erfolgreichster Animationsfilm aller Zeiten

"Finding Nemo" ist nicht nur der bislang erfolgreichste Film des Jahres 2003. Er hat auch den Disney-Kassenschlager "Der König der Löwen" entthront. Mit rund 313 Millionen US-Dollar führte die Walt Disney-Produktion die Top Ten der animierten Trickfilme an. Statt des Wüsten-Abenteurers steht jetzt der Unterwasser-Held an dieser Stelle – als erfolgreichster computeraninimierter Film aller Zeiten. Damit haben die Pixar Animation Studios in Kalifornien ihren fünften Erfolgsfilm in Folge produziert – nach "Toy Story 1" (1995), "Das Große Krabbeln" (1998), "Toy Story 2" (1999) und "Die Monster AG" (2001).

Computeranimation allein ist keine Erfolgsgarantie

"Einer der wichtigsten Faktoren für den Erfolg dieser Filme ist ihre Machart", sagt Thomas Haegele, Leiter des Ludwigsburger Instituts für Animation, Visual Effects und digitale Postproduktion an der Filmakademie Baden-Württemberg. Der computeraniminierte, dreidimensionale Effekt setze gerade die Unterwasserwelt von "Finding Nemo" sehr gut in Szene und mache den Film zu einem besonders intensiven Kino-Erlebnis. Die technische Computer-Trick-Kiste allein macht einen animierten Film aber noch nicht zum Leinwand-Hit. "Der Erfolg beim Publikum hat vor allem mit dem Erzählstoff zu tun", erklärt Thomas Klein, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Mainzer Seminar für Filmwissenschaft.

Auf die richtige Mischung komme es an, sagt Thomas Klein: "Filme wie 'Finding Nemo' verbinden die perfekte Illusion – ermöglicht durch die entsprechende Computer-Software – mit menschlich relevanten, existentiellen Themen und komplexen Beziehungsstrukturen." Ein Beispiel: die enge Bindung zwischen dem allein erziehenden Vater-Fisch Marlin und seinem verschwundenen Sohn Nemo. Zwischenmenschliches begegnet dem Zuschauer geschuppt, beflosst und blubbernd – verfremdet eben und einer Parabel ähnlich. Und gerade durch diesen Verfremdungseffekt seien die Pixar-Filme auch für ein erwachsenes Publikum so reizvoll, sagt Klein.

Erfogreiche Mischung aus Tiefe und Witz

Die Filme der 700 Pixar-Mitarbeiter punkten aber nicht nur durch technisches Können und gesellschaftliche Relevanz. Sie sind außerdem dynamisch erzählt, unterhalten das Publikum durch pfiffig-ironische Dialoge und runde Charaktere: Überbehütende Väter, vorwitzige Söhne, vegetarische Haie und vergessliche Damen führen dem Publikum von "Findet Nemo" die eigenen Stärken und Schwächen liebevoll und detailgetreu vor Augen. Tiefe und Witz seien hier in erstaunlichem Ausmaß gelungen, findet auch der Schauspieler Udo Wachtveitl, der der 150-jährigen Schildkröte namens Crush im Film seine Stimme leiht. Ganz im Unterschied zu den Disney-Produktionen der vergangenen Jahre, sagt Filmwissenschaftler Thomas Klein, der sich insbesondere mit den Filmen von Walt Disney beschäftigt hat: "Die klassischen Disney-Filme sind glatter, einfacher gestrickt, oft zu märchenhaft und wenig gesellschaftskritisch."

Kleine Helden mit großem Zielpublikum

"Findet Nemo" ist Unterhaltung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Und das, obwohl das Pixar-Trickfilmstudio nach Angaben von Co-Regisseur Lee Unkrich keine Marktforschung betreibt: "Wir machen die Filme nur für uns. Wir denken nie über eine Altersgruppe nach." Mit oder ohne Erhebungen am Kino-Markt: Die Macher sind clever genug, alle Zielgruppen zu bedienen und zu verzaubern. In den USA ging die Begeisterung der Kinder für ihre Leinwand-Helden aber doch ein wenig zu weit. Dort ist inzwischen angeblich der ein oder andere Zierfisch in der Kanalisation gelandet. Zu seiner eigenen Befreiung versteht sich – und zur Freude hungriger Kanalratten.