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Freier sollen zahlen

5. Dezember 2013

In Frankreich sollen künftig nicht mehr die Prostituierten, sondern ihre Kunden bestraft werden. Mit der Zustimmung durch die Nationalversammlung hat das neue Prostitutionsgesetz die erste Parlamentshürde genommen.

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Prostitutierte mit Freier (Foto: picture alliance)
Bild: picture-alliance/rolf kremming

Wochenlang tobte um das neue Prostitutionsgesetz in Frankreich eine hitzige Debatte. Jetzt hat die Nationalversammlung in Paris die umstrittenen neuen Regelungen zur Prostitution auf den Weg gebracht. In erster Lesung stimmten am Mittwoch in Paris 268 Abgeordnete dafür, Freier künftig für gekauften Sex zu bestrafen. 138 Parlamentarier votierten gegen das Gesetz, das gleichzeitig Prostituierte straffrei stellen soll. Unter den Befürwortern waren auch zahlreiche Parlamentarier der konservativen Opposition

Nun geht die Gesetzesvorlage an den Senat, die zweite Kammer des Parlaments, der in den nächsten Monaten entscheiden soll. Dort gilt eine Zustimmung als sicher.

Freier müssen künftig mit bis zu 1500 Euro Strafe rechnen, wenn sie Sex kaufen. Im Wiederholungsfall sind 3750 Euro fällig. Mit der Kehrtwende im Kampf gegen käuflichen Sex soll sich die Gesetzgebung Frankreichs künftig gegen die Freier richten. Bisher sind nur Prostituierte von Strafen bedroht, auch wenn Prostitution selbst eigentlich erlaubt ist.

Außerdem sieht das neue Gesetz vor, dass Frauen besser unterstützt werden, die aus der Prostitution aussteigen wollen. Dafür sollen jährlich 20 Millionen Euro bereitgestellt werden. Ausländische Prostituierte, die Unterstützung in Anspruch nehmen, erhalten gemäß dem Gesetzentwurf eine sechsmonatige Aufenthaltserlaubnis, ohne dass sie gegen ihre Zuhälter aussagen müssen.

Debatte quer durch Gesellschaft und Parteien

Die Gegner des Gesetzes betonen, dass das angeblich älteste Gewerbe der Welt sich ohnehin nicht abschaffen ließe. Die angedrohte Strafe für Freier zwinge die Frauen, im Verborgenen zu arbeiten und liefere sie erst recht skrupellosen Ausbeutern aus. Aufsehen erregt hatte in der Debatte auch eine Gruppe Prominenter um den Schriftsteller Frédéric Beigbeder, die kürzlich in einem Manifest mit dem provokanten Motto "Hände weg von meiner Hure" das Recht auf käuflichen Sex im beiderseitigen Einverständnis forderten.

Verlässliche Angaben über die Zahl der Prostituierten in Frankreich gibt es nicht. Nach einem Parlamentsbericht könnten es zwischen 20.000 und 40.000 sein. Zahlreiche Frauen stammen aus Osteuropa, Asien, Afrika und Lateinamerika. Viele gelten als Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution.

Im Unterschied zu Deutschland sind in Frankreich Bordelle seit 1946 offiziell verboten. Es gibt jedoch zahlreiche Straßenstriche, beispielsweise im Bois de Boulogne am Stadtrand von Paris, wo Prostituierte ihre Kunden in kleinen Campingbussen oder Lieferwagen empfangen.

qu/gri (dpa, afp, epd, kna)