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Geiseldrama "7 Tage in Entebbe" kommt ins Kino

Laura Döing mit berlinale, dpa, afp, tagesspiegel
14. März 2018

Der Film von "Narcos"-Produzent José Padilha erzählt die wahre Geschichte einer Flugzeugentführung durch linke Terroristen 1976. Mit dabei: Daniel Brühl.

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Rosamund Pike und Daniel Brühl in "7 Tage in Entebbe"
Bild: Liam Daniel

27. Juni 1976. Auf dem Flug von Tel Aviv nach Paris wird ein Air-France-Flugzeug mit mehr als 250 Passagieren an Bord entführt. Die Kidnapper sind die deutschen Linksextremisten Wilfried "Bonni" Böse und Brigitte Kuhlmann sowie zwei Mitglieder der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP). Sie verlangen unter anderem die Freilassung von in Israel inhaftierten palästinensischen Terroristen und Militärs. Außerdem wollen sie Mitglieder der deutschen Terrorgruppe Rote Armee Fraktion (RAF) aus der Haft freipressen.

Die Maschine wird von den Entführern ins ugandische Entebbe gelotst, weil sie dort von Diktator Idi Amin und seinen Soldaten in ihrem Vorhaben unterstützt werden. Außerdem hoffen sie, dass dieser Ort zu weit entfernt ist für das israelische Militär. In Entebbe angekommen, teilen die beiden Deutschen die Fluggäste ein: Israelische Staatsbürger und alle, die die Entführer für Juden halten, bleiben in ihrer Gewalt. Die anderen lassen sie gehen. Sieben Tage müssen die Geiseln ausharren, bis das israelische Militär eine spektakuläre Befreiungsaktion startet.

Padilha bringt Geiseldrama auf die Leinwand

Der Film des brasilianischen Regisseurs José Padilha "7 Tage in Entebbe" feierte bereits im Februar auf der Berlinale Weltpremiere. In den USA ist er ab dem 16. März im Kino zu sehen. Kinogänger in Deutschland müssen sich noch bis zum 3. Mai gedulden. Es ist nicht das erste Mal, dass dieser historische Stoff verfilmt wurde. Keine sechs Monate nach dem blutigen Ende der Geiselnahme veröffentlichte der US-amerikanische Sender ABC den Film "Victory at Entebbe" - unter anderem mit Anthony Hopkins und Kirk Douglas.

NBC zog mit "Raid on Entebbe" einen Monat später nach. Es folgte 1977 die israelische Produktion "Operation Thunderbolt" mit den deutschen Schauspieler Klaus Kinski als Entführer. Die Verfilmungen zeigten die Ereignisse als eine der kühnsten Befreiungsaktionen des israelischen Militärs.

Über 100 Geiseln konnten israelische Elitesoldaten lebend befreien. Drei überlebten die Erstürmung nicht. Bei der Operation starben alle Geiselnehmer und etwa 20 ugandische Soldaten. Auch Oberstleutnant Jonathan Netanjahu kam in Entebbe ums Leben. Er war ein Bruder von Benjamin Netanjahu, dem amtierenden Ministerpräsidenten Israels.

Zeitzeugen am Set

Er wolle mit seinem Film mehrere Facetten der Geschichte beleuchten, sagte der Regisseur José Padilha, als er seinen Film in Berlin vorstellte. Er wolle die Interaktionen zwischen Geiseln und Terroristen zeigen und weg von einem rein militärischen Narrativ. Mit seinem Team hat er gezielt Zeitzeugen aufgesucht und sie nach ihren Eindrücken befragt. Sogar beim Dreh seien Zeitzeugen dabei gewesen, betonte er.

Einer von ihnen ist Jacques Lemoine. Er war der Flugingenieur der gekidnappten Passagiermaschine. Auf der Berlinale stellte auch er sich den Fragen der Journalisten. Die Entführung ist ihm noch immer präsent. Er habe das Gefühl, als wäre das alles erst gestern passiert, berichtete er. "Das hat sich in unserem Inneren festgesetzt. Wenn Sie sieben Kilogramm Gewicht verlieren innerhalb dieser sieben Tage, dann zeigt das auch körperlich, dass es ein Trauma war", sagte Lemoine im DW-Interview.

Daniel Brühl und Rosamund Pike auf der Berlinale
Die Hauptdarsteller in "7 Tage in Entebbe": Daniel Brühl und Rosamund PikeBild: DW/C. V. Teixeira

Seine Erinnerungen sind es auch, die Daniel Brühl geholfen haben, seinen Charakter im Film besser interpretieren zu können. Der Deutsche spielt den Geiselnehmer Böse, einen der Gründer der linksextremistischen Organisation "Revolutionäre Zellen". Böse habe sich bei der Erstürmung durch das israelische Militär dagegen entschieden, alle Geiseln zu töten, ist Lemoine überzeugt.

Für Daniel Brühl eine wichtige Information. "Hinter jedem Terroristen verbirgt sich auch ein Mensch - egal, wie brutal er ist. Und das wollten wir in diesem Film zeigen", sagte er im DW-Interview. Durch sein Spiel wolle er auch die Zweifel und die Zerrissenheit Böses hervorheben.

Der Film wechselt ständig die Sichtweisen, zeigt die Situation aus den Augen der israelischen Regierung, der Terroristen, der verzweifelten Geiseln und der israelischen Soldaten im Trainingslager. Die Schauspielerin Rosamund Pike vermutet, dass der Film aufgrund seiner verschiedenen Sichtweisen auch beim Publikum unterschiedlich ankommt.

Regisseur Padilha: "7 Tage in Entebbe" ist hochaktuell

José Padilha
Regisseur José PadilhaBild: Berlinale

"Obwohl das Ganze 1976 passierte, hat es viel mit dem Hier und Jetzt zu tun", sagte Padilha der DW.  Sein Film solle auch ein Schlüssel zum Verständnis der heutigen Situation im Konflikt zwischen Israel und Palästina sein.

"Die Politiker Schimon Peres, der damals absolut gegen Verhandlungen mit den Entführern war, und Jitzhak Rabin, der dafür war, votierten im Laufe ihrer Karriere beide immer mehr für eine friedliche Lösung zwischen Israel und Palästina. Während der 'Operation Entebbe' starb aber der Kommandant Jonathan Netanjahu. Er wurde in Israel zum Helden. Sein Bruder Benjamin kam aus den USA zurück, wurde Politiker und später Israels Ministerpräsident. Er ist absolut gegen Verhandlungen mit Palästina. Der Keim zu dieser Einstellung stammt aus den sieben Tagen der Entführung", erläuterte Padilha.

Bei der Berlinale lief der Film außer Konkurrenz. Padilha dürfte das nicht besonders gestört haben: Einen Goldenen Bären hat er bereits 2008 mit "Tropa de Elite" gewonnen, einem Film über den brutalen Kampf einer Spezialeinheit gegen die Drogenmafia in Rio de Janeiro. Außerhalb des Kinos hat sich Padilha unter anderem mit der Netflix-Serie "Narcos" um Pablo Escobar und kolumbianische Drogenkartelle einen Namen gemacht.