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Nur wenige Libyer wollten wählen

26. Juni 2014

Zum zweiten Mal nach dem Sturz von Machthaber Gaddafi ist in Libyen eine neue Volkvertretung gewählt worden. Aber: Parteien waren nicht zugelassen und viele Kandidaten unbekannt. So blieb das Interesse äußerst gering.

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Geringe Beteiligung bei der Parlamentswahlen in Libyen (Foto: Reuters)
Bild: Reuters

Die libysche Wahlkommission schätzt, dass nur rund 630.000 Menschen ihre Stimme abgegeben haben. Zwar sollte die Parlamentswahl ein Ende von Chaos und Gewalt bringen, doch ihre Bedeutung dürfte durch das geringe Interesse der Bevölkerung erheblich geschmälert worden sein.

Um die 200 Mandate bewarben sich mehr als 1600 Kandidaten. 32 Sitze sind für Frauen reserviert. Erste Ergebnisse sollen in den kommenden Tagen veröffentlicht werden.

Schon im Vorfeld des Urnengangs hatten sich die Libyer skeptisch gezeigt. Von den 3,4 Millionen Wahlberechtigten hatten sich nur 1,5 Millionen Menschen für die Abstimmung registrieren lassen. Und selbst von diesen registrierten Wählern blieb demnach mehr als die Hälfte am Mittwoch zu Hause.

Nur unabhängige Kandidaten

Warteschlangen vor Wahllokalen gab es Medienberichten zufolge vor allem in der Hauptstadt Tripolis. In Bengasi, dem zukünftigen Tagungsort des Parlaments, war die Beteiligung gering. In einigen östlichen Gebieten wie in Derna konnte nach Drohungen von Extremisten aus Sicherheitsgründen gar nicht gewählt werden. Im Süden des Landes hatten einige Stämme zum Boykott aufgerufen.

Es ist die zweite Wahl eines Parlaments seit dem Sturz von Diktator Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011. Um politische Spannungen zu mindern, traten nur unabhängige Kandidaten an, Parteilisten gab es nicht. Viele Bewerber waren kaum bekannt - die Wähler wussten also nicht, wofür sie stehen.

Erste Ergebnisse werden innerhalb einer Woche erwartet. Danach soll eine neue Übergangsregierung gebildet werden. Das bisherige Parlament war zuletzt von der islamistischen Muslimbruderschaft dominiert. Dabei war 2012 noch die liberale Allianz der Nationalen Kräfte (NFF) als stärkste Kraft aus der Wahl hervorgegangen - die Islamisten stellten lediglich die zweitgrößte Fraktion.

Von Unruhen beherrschtes Land

Das Mandat des Übergangsparlaments lief bereits im Februar aus. Der Versuch der Abgeordneten, ihre Amtszeit bis Dezember zu verlängern, wurde schließlich durch Proteste vereitelt.

Das ölreiche nordafrikanische Land kommt seit dem Sturz Gaddafi vor rund drei Jahren nicht zur Ruhe. Der abtrünnige General Chalifa Haftar hatte im Mai eine Militäroffensive gegen die Islamisten gestartet. Die Behörden werfen Haftar einen "Staatsstreich" vor, doch Teile der Armee haben sich auf seine Seite geschlagen.

gmf/rb (afp, dpa)