Geschichte der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung

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Reiches Erbe der Antike

Katalonien wird früh von den Phönizien, den Etruskern und später den Griechen besiedelt. Letztere lassen sich vor allem in Rosas und Ampurias (Bild) nieder. Die Römer bauen Siedlungen und Infrastruktur weiter aus. Katalonien bleibt Teil des Römischen Reiches bis zur Eroberung durch die Westgoten ab 507 n. Chr.

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Grafschaften und Eigenständigkeit

711 wird Katalonien von den Arabern erobert. Karl der Große stoppt deren Vormarsch 732 bei Tours an der Loire, bereits 759 ist der Norden Kataloniens wieder christlich. 1137 gehen die katalanischen Grafschaften in einer Verbindung mit der Krone von Aragon auf. Im 13. und frühen 14. Jahrhundert beherrscht Aragon das westliche Mittelmeer und erobert Mallorca (Bild) und Valencia.

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Autonomie bis zum Erbfolgekrieg

Im 13. Jahrhundert entstehen die Institutionen der katalanischen Selbstverwaltung, die "Generalidad de Catalunya". Nach der Vereinigung der Krone von Aragon mit dem Königreich Kastilien im Jahre 1476, kann Aragon - unterbrochen durch den Aufstand der Schnitter (Bild) in den Jahren 1640-1659 - noch bis zum Ende des spanischen Erbfolgekrieges (1714) seine autonomen Institutionen bewahren.

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Jahrestag einer Niederlage

Nach der Eroberung von Barcelona am 11.September 1714 durch den Bourbonen-König Phillip V. werden die katalanischen Institutionen aufgelöst und die Selbstverwaltung beendet. An jedem 11.September erinnern die Katalanen (Bild) an die Abschaffung ihrer autonomen Rechte.

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Föderale Ideen in der ersten spanischen Republik

Nach der Abdankung von Amadeo I. am 10. Februar 1873 wird die erste spanische Republik verkündet, die kaum ein Jahr überdauert. Die Anhänger der Republik sind gespalten: die einen verfolgen die Idee einer zentralistischen Republik, die anderen unterstützen ein föderales System. Anhänger des Föderalismus: Francisco Pi i Maragall (Bild), einer der fünf Präsidenten der kurzlebigen Republik.

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Fehlversuch im 19. Jahrhundert

Durch den Versuch Kataloniens, einen Staat innerhalb der spanischen Republik zu gründen, werden die Auseinandersetzungen unter den Republikanern weiter verschärft. 1874 übernimmt die Monarchie und das Haus der Bourbonen mit Alfons XII. (Bild) wieder das Ruder in Spanien.

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Katalanische Republikaner

In der Zeit zwischen 1923 und 1930 errichtet General Primo de Rivera in Spanien mit Unterstützung von König Alfons XIII., der Armee und des Klerus eine Diktatur. Katalonien wird zu einem Zentrum der Opposition und des Widerstands. Der Politiker Francesc Macià (Bild) erstreitet nach dem Ende der Diktatur wichtige Autonomie-Rechte für Katalonien.

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Ende aller Freiheiten mit dem Sieg Francos

In der zweiten spanischen Republik erarbeiten katalanische Abgeordnete das Autonomiestatut von Núria, das 1932 vom spanischen Parlament genehmigt wird. Francesc Macià wird nach den Wahlen zum katalanischen Parlament zum Präsidenten der "Generalidad de Catalunya" gewählt. Der Sieg General Francos im spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) bedeutet jedoch das Ende der zweiten spanischen Republik.

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Verlust aller Freiheiten

Das Franco-Regime (1939-1975) bedeutet für Katalonien die Aufhebung der demokratischer Freiheiten: Verbot und Verfolgung aller politischen Parteien, Abschaffung des Autonomiestatuts sowie die Unterdrückung der katalanischen Sprache und Kultur.

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Wiederherstellung der Autonomie mit einem neuen Statut

Nach den ersten freien Parlamentswahlen nach dem Ende der Diktatur wird die "Generalidad de Catalunya" 1977 provisorisch wiederhergestellt. Auf der Grundlage der demokratischen spanischen Verfassung von 1978 erhält Katalonien 1979 ein neues Autonomiestatut.

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Jordi Pujol, längjähriger Regierungschef Kataloniens

Das erste Autonomiestatut der Nach-Franco-Ära erkennt die Eigenständigkeit Kataloniens und das Katalanische als eigene Sprache an. Im Vergleich zum Statut von 1932 erweitert es die Rechte im Bereich Bildung und Kultur, beschneidet sie jedoch im Bereich der Justiz, der Finanzverwaltung und der öffentlichen Ordnung. Jordi Pujol (Bild) war von 1980 bis 2013 Regierungschef Kataloniens.

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Erstarkendes Selbstbewusstsein

Das Unabhängigkeitsbestreben der Katalanen ist in den letzten Jahren wieder erstarkt. 2006 erhält Katalonien ein neues Autonomiestatut mit erweiterten Kompetenzen. Nach einer Klage der konservativen Partei PP kassiert das Oberste Verfassungsgericht diese jedoch wieder.

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Erster Versuch eines Referendums

Ein Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens war bereits für den 9. November 2014 vorgesehen. Dessen erste Frage lautete "Wollen Sie, dass Katalonien ein Staat sein soll?". Für den Fall einer Zustimmung war eine zweite Frage vorgesehen: "Wollen Sie, dass dieser Staat unabhängig sein soll?". Das Verfassungsgericht setzte die Abstimmung jedoch außer Kraft.

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Duell der Titanen

Seit Januar 2016 ist Carles Puigdemont katalanischer Regierungschef. Er setzt den separatistischen Kurs seines Vorgängers Artur Mas fort und hat für Sonntag, den 1. Oktober 2017 eine neues Referendum ausgerufen, das von Spaniens Ministerpräsidenten Mariano Rajoy als verfassungswidrig abgelehnt wird.

Das Bestreben vieler Katalanen nach Unabhängigkeit hat weitreichende historische Wurzeln. Im Laufe seiner Geschichte hat die Region ein Auf und Ab an autonomen Rechten und Repressionen erlebt. Ein Überblick.