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Ghetto oder sicheres Umfeld: Gamescom Veranstaltung ohne Männer

Männer verboten. Das galt beim Frauentag auf der Gamescom. Die Teilnehmerinnen sollten sich frei äußern können. Dabei haben Männer in der Technologiebranche noch etwas zu lernen.

Eine Besucherin auf der Gamescom testet eine VR-Brille (Foto: Getty Images/A. Rentz)

Männer haben's manchmal nicht leicht. Auch sie werden manchmal ausgeschlossen - wie zum Beispiel beim "Women in Tech Day" auf der Gamescom, der weltweit größten Messe für Video- und Computerspiele in Köln.

Die Veranstaltung gibt es bereits zum zweiten Mal bei der Gamescom. Die Idee dahinter ist, Frauen inspirierende Geschichten aus technologieaffinen Branchen näher zu bringen. Teilnehmerinnen wurden Reden, Präsentationen und Workshops geboten. Außerdem hatten sie die Gelegenheit, Frauen in Führungspositionen kennenzulernen.

"Hier geht es darum, sich gegenseitig zu unterstützen", sagt Meggan Scavio, Leiterin der Game Developers Conference und die Organisatorin des Frauentags auf der Gamescom. "Wir müssen begreifen, dass wir nicht nur immer noch die Unterstützung von Männern benötigen, sondern dass wir uns auch gegenseitig unterstützen müssen. Schließlich sind viele mächtige Frauen hier, die als Mentorinnen mit der jüngeren Generation zusammenarbeiten sollen."

Männer waren bei der Veranstaltung allerdings nicht willkommen.

"Ich wollte einfach ein sicheres Umfeld, wo Frauen frei und offen sprechen können. Sie sollen sich selbst und ihre Arbeit feiern."

Menschen, nicht Frauen, in der Technologiebranche

Frauen aus Wissenschaft und Technik betonen stets, dass ihr Geschlecht keine Rolle spielt. Das sehen zum Beispiel sowohl die Astronautin Samantha Cristoforetti so, als auch die Mikrobiologin, Genetikerin und Biochemikerin Emmanuelle Charpentier und die Biologin und Nobelpreisträgerin Ada Yonath.

Meggan Scavio. (Photo: DW/Z. Abbany)

Scavio: Um vielfältigere Videospiele zu bekommen, dürfen nicht nur weiße Männer unter den Entwicklern sein

Frauen in der Computerspielindustrie sind da nicht anders. Aus diesem Grund sind Begriffe wie "Women in Tech Day" auch nicht unbedingt ideal - auch wenn sie sich prima als eingängige Schlagworte und Twitter Hashtags eignen. Wenn Frauen - genau wie Männer - einfach als Menschen gesehen werden sollen, die kompetent ihre Arbeit machen, ist die Betonung auf "Frauen in der Technologiebranche" wenig hilfreich.

"Wir sind zuallererst Wissenschaftler und Ingenieure und Spieleentwickler", sagt Katie Stone Perez, eine Programmleiterin bei Microsoft und Produzentin bei Xbox. "Aber natürlich sind wir auch Frauen und haben deswegen spezielle Erlebnisse und Perspektiven."

Natürlich sind alle Menschen verschieden. Und die Spiele Industrie weiß, dass sie mehr Vielfalt dringend nötig hat.

"Wir haben noch keine Chancengleichheit in der Industrie, nicht alle sind gleichstark repräsentiert", sagt Perez. "Sobald wir komplette Gleichheit haben, werden wir Veranstaltungen wie diese nicht mehr brauchen."

"Wenn wir nicht Leute haben, die aus verschiedenen Lebensbereichen kommen, dann entstehen Tech-Produkte, die - wie wir in der Vergangenheit gesehen haben - mit dem Leben von Frauen nichts zu tun haben. Und das gilt nicht nur für die Geschlechterfrage, sondern auch für den kulturellen Hintergrund, Nationalität, Lebenserfahrung, verschiedene Familiensituationen - eben all die Dinge, die uns als Mensch einzigartig machen und uns verschiedene Perspektiven geben", so Perez weiter.

Space monster figurine at Gamescom. (Photo: DW/Z. Abbany)

Komplette Gleichberechtigung: Hier weiß keiner, ob er es mit einem männlichen oder weiblichen Monster zu tun hat

Auch unter den Minderheiten gibt es noch weitere Minderheiten.

"Wir müssen versuchen, alle zu erreichen, und das ist meine Aufgabe hier", sagt Scavio. "Ich will so viele Menschen wie möglich erreichen, nicht nur weiße Frauen."

Im Ghetto

Leider glauben viele Männer immer noch, dass die verschiedenen Perspektiven sie nichts angehen. Dabei müssen sich auch Männer mit diesem Thema beschäftigen - schließlich geht es jeden in der Gesellschaft etwas an. Warum dürfen sie dann nicht an einer Veranstaltung wie dem "Women in Tech Day" teilnehmen? Isoliert man Frauen in dieser Branche so nicht?

"Wenn man sich nur auf die Vorurteile konzentriert und zum Beispiel zu viel darüber spricht, warum es Frauen nicht an die Spitze schaffen, dann riskiert man eine Ghettoisierung", sagt Sabine Hansen, eine Beraterin für die Technologiebranche und Leiterin der Unternehmensberatung Kienbaum.

"Es ist wichtiger, dass wir über Digitalisierung allgemein sprechen und darüber, was sie für uns tun kann. Sie öffnet Türen, vielleicht sogar Hintertüren und Kompetenz wird immer wichtiger. Es ist in Ordnung, sich auf Frauen zu konzentrieren, solange wir nicht auf Vorurteile zurückgreifen."

'Videospiele können die Welt verändern'

Für Katie Perez, die einen kinderpsychologischen Hintergrund hat, muss man schon früh anfangen, mit Kindern über Inklusion und Mitgefühl zu sprechen - am besten schon im Kindergarten.

Katie Stone Perez. (Photo: DW/Z. Abbany)

Perez: Die Betonung liegt nicht auf Frauen, sondern auf Menschen

Perez wollte nicht sagen, ob sie es für es richtig halte, Männer vom "Women in Tech Day" auszuschließen, aber sie meinte, dass man "sowohl mit Jungen als auch mit Mädchen" über solche Themen sprechen müsse.

"Und über Videospiele geht das", sagt Perez. "Wir können anfangen, die Welt zu verändern, in dem wir Videospiele nutzen, um Kindern Mitgefühl beizubringen, Menschen anderen Gedanken auszusetzen und diese Erlebnisse dann normalisieren."

Da stellt sich natürlich die Frage: Warum geht das nicht einfach durch natürliche Erlebnisse?

"Es sollte durch natürliche Erlebnisse passieren. Eltern sollten über diese Dinge reden, aber bei vielen Eltern passiert das einfach nicht", sagt Perez. "Wir reden nicht über unsere Gefühle."

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