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Gletscher-Zucht durch künstliche Bewässerung

Damit die Alpengletscher nicht weiter abschmelzen, versuchen Forscher, sie künstlich zu erhalten. Dabei wird Wasser auf die Eisflächen gesprüht, erklärt Gletscherzüchter Eduard Heindl im Gespräch mit DW-WORLD.DE.

Prof. Eduard Heindl (Foto: Sarah Steffen)

Prof. Eduard Heindl versucht Gletscher zu erhalten

DW-WORLD.DE: Herr Heindl, ist es sinnvoll, Gletscher künstlich zu erhalten?

Eduard Heindl: Es ist sicherlich nicht für jeden Gletscher sinnvoll und machbar. Es ist aber für die Gletscher sinnvoll, wo wir wissen: Die sind für unsere Wasserversorgung wichtig, auch lokal zum Beispiel für Bergdörfer. Und es ist dort interessant, wo Skigebiete sind. Denken Sie nur an Gletscherskigebiete: Dort ist das ganze Geschäftsmodell kaputt, wenn der Gletscher weg ist.

Sie haben so etwas schon im Schwarzwald simuliert und dort einen Test-Gletscher besprüht. Kann man die Ergebnisse auf alle Gletscher übertragen?

Das Gebiet im Schwarzwald dient dazu, Parameter zu messen. Also, wie schnell gefriert eigentlich Eis unter bestimmten Bedingungen und wie schnell taut es auf? Die Wettersituation im Januar im Schwarzwald ist sicherlich vergleichbar mit einem Herbst- oder Frühjahrsmonat in alpinen Gletschergebieten, das heißt, man kann dort sehr wohl Schlüsse ziehen.

Ihr Prinzip des "Gletscherzüchtens" funktioniert aber nur, wenn die Temperaturen unter null Grad sinken.

Morteratschgletscher in der Schweiz (Foto: ullstein bild - Ex Press/Adair)

Gletscher, wie der Morteratschgletscher in der Schweiz, schmelzen langsam dahin

Wir brauchen natürlich Temperaturen unter null Grad, aber die sind reichlich vorhanden. Also selbst im Schwarzwald könnten wir theoretisch acht Meter Eis innerhalb eines Winters bilden, in den Gletschergebieten weit über 40 bis 50 Meter. Also viel mehr als man eigentlich an Abschmelzrate hat. Also die Kälte reicht völlig aus .

Im Schwarzwald haben Sie jeden Tag 40 Kubikmeter Wasser versprüht - ist das nicht eine enorme Wasserverschwendung?

Das Wasser wird ja in keiner Weise geschädigt. Man nimmt das Wasser von Bassins, und es läuft ja auch irgendwann wieder den Hang hinunter. Das Wasser wird nicht verbraucht. Es wird nur in gefrorener Form gespeichert.

Und die Kosten?

Die Sache kostet natürlich, aber viel weniger als zum Beispiel Schneekanonen. Die brauchen 50 Mal so viel Energie wie diese Technik. Für die müssten wir pro Quadratkilometer ungefähr 100.000 Euro in Strom investieren.

Ist es überhaupt schlimm, dass Gletscher abschmelzen?

G letscher sind wichtige Trinkwasserreservoirs, sie sind für den Tourismus in den Alpen sehr wichtig und es sind natürlich auch Naturschönheiten, die man nicht verlieren will. Der Klimawandel ist wahrscheinlich die Hauptursache, dass die Gletscher in den Alpen stark zurückgehen. Wir sehen jetzt einen Rückgang von einem Meter Dicke jährlich. Und das ist natürlich auf Dauer das Ende der Gletscher.

Eduard Heindl ist ausgebildeter Physiker und Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Furtwangen im Schwarzwald.

Das Interview führte Sarah Steffen
Redaktion: Judith Hartl

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