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Krise in Guinea

5. November 2009

Einen Monat nach dem blutigen Massaker an über 150 Demonstranten kommt Guinea nicht zur Ruhe. Streiks in Schulen, Banken und Versicherungen legen fast das ganze öffentliche Leben des westafrikanischen Landes lahm.

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Moussa Dadis Camara, Militärherrscher von Guninea mit Leibgarde(Foto: ap)
Moussa Dadis Camara, Militärherrscher von GuineaBild: AP

Am 28. September hatten Zehntausende gegen Präsident Moussa Camara demonstriert, der Ende 2008 durch einen Militärputsch an die Macht gekommen war. Während der Kundgebung eröffneten Polizisten und Soldaten das Feuer auf die rund 50.000 Demonstranten. Große Teile der internationalen Gemeinschaft reagierten mit Sanktionen. Doch die vielen Rohstoffe Guineas sind auch trotz der Staatskrise für manch einen Investor von Interesse. Ein chinesisches Unternehmen schloss erst vor kurzem einen Milliarden-Deal mit den Militärherrschern ab.

Die Bedrohung bleibt

Verletzter Demonstrant in einem Krankenhaus in Conacry (Foto: ap)
Verletzter Demonstrant in einem Krankenhaus in ConacryBild: AP

Anfang der Woche sprach der guineanische Militärherrscher öffentlich sein Bedauern über die vielen Toten des September-Massakers aus – doch die täglich Bedrohung für die Bevölkerung geht ungemindert weiter. Ein Großteil der Schüler und Studenten traut sich schon lange nicht mehr aus dem Haus – aus Angst vor Ausschreitungen und gewaltsamen Übergriffen. Die vielen Fehltage werden inzwischen zum Problem für das gesamte Bildungssystem des Landes. Ein Grundschüler aus der Hauptstadt Conakry berichtet: "Meine Eltern haben mir gesagt, dass ich zuhause bleiben soll wegen des Streiks. Wenn du raus gehst, können sie dich umbringen oder dir die Hände abhacken."

Mittlerweile ist auch die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS aktiv geworden. Sie organisiert diese Woche politische Verhandlungen im benachbarten Burkina Faso, um nach friedlichen Lösungen der Staatskrise zu suchen. Auch die internationale Gemeinschaft hat reagiert. Die Europäische Union und die Vereinigten Staaten haben Sanktionen gegen Guinea erlassen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat eine Untersuchungskommission ernannt, die sich mit der Gewalt im Land befassen soll.

Investitionen trotz Staatskrise

Burkina Fasos Präsident Blaise Compaore in Guinea (Foto: ap)
Burkina Fasos Präsident Blaise Compaore versuchte, in Guinea zu vermittelnBild: AP

Einige Investoren scheinen die blutigen Ausschreitungen jedoch nicht davon abzuhalten, Geschäfte mit der Militärjunta einzugehen. Vor kurzem unterzeichnete der "China International Fund" einen Sieben-Milliarden-Dollar Investitionsvertrag mit Guinea. Nach heftiger internationaler Kritik bestritt China eine offizielle Verwicklung der Regierung in das Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Hongkong hat. Für Markus Weimer vom Londoner Think Tank Chatham House erscheint die chinesische Version wenig glaubwürdig.

Niemand wisse genau genau, so Weimer, ob der "China International Fund" Verbindungen zum chinesischen Staat habe oder nicht, aber es gebe Anzeichen dafür. Die Hintergründe müsse man wohl in Angola suchen. Da sei der "China International Fund" schon seit längerer Zeit präsent, und in Angola werde dieser Fund auch mit der Regierung von China in Verbindung gebracht. Es sei eben so, dass diese Verbindung nur dann negiert werde, wenn es schlechte Nachrichten gibt.

Enorme Rohstoffvorkommen

Symbolbild: Händeschütteln zwischen Afrikanern und Chinesen(Foto: dpa)
Was für Geschäfte macht China in Guinea?Bild: picture-alliance/ dpa

In dem Investionsvertrag soll es um die enormen Rohstoffreserven des westafrikanischen Landes gehen. Neben Gold- und Diamantenvorkommen ist Guinea weltweit einer der größten Förderer von Bauxit, das für die Herstellung von Aluminium benötigt wird.

Die Menschen in Guinea haben aber andere Sorgen. Ihnen geht es vor allem darum, die Gewalt im Land möglichst schnell zu überwinden. Der Student Diallo meint, die Machthaber müssten schnell zur Demokratie zurückkehren: "Es müssen Wahlen organisiert werden. Sonst haben wir ständig Angst vor Gewalt, wenn wir die Hörsäle betreten."

Eigentlich sind für den kommenden Januar Präsidentschaftswahlen in Guinea geplant. Ob diese wirklich stattfinden, wird auch davon abhängen, ob die internationale Gemeinschaft genug Druck auf die Militärmachthaber und ihre Finanzierer im Ausland ausübt.

Autor: Jan-Philipp Scholz
Redaktion: Klaudia Pape