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Indonesien am Scheideweg

Stephen Fleay/dk, copyright Qantara.de6. März 2004

Indonesien, das bevölkerungsreichste unter den islamischen Ländern, tut alles, um sich als führender Staat eines gemäßigten Islam in Asien zu positionieren. 2004 ist ein wichtiges Wahljahr.

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Auf Megawati Sukarnoputri ruhten Hoffnungen, die sie nicht erfüllt hatBild: AP

Im Frühjahr werden in Indonesien Parlaments- und Präsidentschaftswahlen abgehalten, und die erste Direktwahl eines Präsidenten wird in zwei Runden, im Juni und September, stattfinden. Die Themen des Wahlkampfes umfassen ein breites Spektrum, angefangen von der weitverbreiteten Korruption über unterschiedliche Vorstellungen von öffentlicher Moral bishin zur Religion.

Unterhaltungskultur gegen Moral

Die Sängerin Miss Inul ist eine der populärsten Figuren des öffentlichen Lebens in Indonesien, besser bekannt als “the Driller”. Die Gründe liegen auf der Hand: Ihre Songs tragen Titel wie “Shake it, shake it”. Miss Inuls äußerst suggestive Hüftbewegungen im indonesischen Fernsehen sorgten für Aufruhr unter Politikern der eher konservativen Religionsparteien, so dass sie selbst zu einem Wahlkampfthema in dem islamischen Staat mit der größten Bevölkerungsdichte avancierte.

Toleranz oder Strenge

Falls die derzeitige indonesische Regierung wiedergewählt werden sollte, würden unverhohlene sexuelle Anspielungen in der Öffentlichkeit wohl per Gesetz verboten werden. Eheähnliche Lebensgemeinschaften und bestimmte sexuelle Neigungen würden vermutlich unter hohe Strafen gestellt werden. Natürlich wäre dies der schlimmste Fall. Je näher aber die Wahlen rücken, desto deutlicher zeigt sich auch ein - wenn auch gemäßigterer - Islam, mit dem immer mehr Menschen sympathisieren.

Die innerindonesischen Befindlichkeiten werden auch von den Nachbarn verfolgt: In Australien etwa ist Besorgnis angesichts einer möglichen “Bedrohung durch eine aggressive islamische Regierung in Indonesien” laut geworden. Medienberichten zufolge erklärte Bob Carr, Premier von Neu-Süd-Wales, dass sich Australien verstärkt mit Gefahren für die eigene Sicherheit beschäftige.

Undurchsichtiges Kandidatenkarussell

In den vergangenen Jahren hatte Präsidentin Megawati Sukarnoputri das Amt inne, nun sind zwei weitere Töchter Sukarnos, Schwestern Megawatis, für verschiedene Parteien beim Rennen um das Präsidentenamt dabei. Ihr Bruder ist Mitglied des derzeitigen Parlaments.

Die Tochter des früheren Präsidenten Suharto, Siti Hardiyanti Rukmana, auch "Tutut” genannt, wurde als Überraschungskandidatin gehandelt und löste damit zahlreiche Spekulationen um die mögliche Rückkehr der Suharto-Getreuen aus. Bruder Tommy Suharto wird nicht dabei sein – er sitzt in Haft wegen eines Auftragmordes an einem Richter.

Von Generälen und Mogulen...

Auch mehrere Generäle machen sich Hoffnungen auf das höchste Amt. Seit langem besitzen die indonesischen Militärs Einfluss auf die Regierung. Ebenso bewerben sich ein Medienunternehmer und ein Comedy-TV-Star um das Amt. Durch die über 20 Parteien, die in den Wahlkampf gehen, wird es wohl ein recht großes Aufgebot für die Präsidentenwahl geben.

Der einzige "radikale” muslimische Geistliche, der über genügend Anhänger verfügen würde, ist Abu Bakar Ba´asyir. Allerdings sitzt der als Anführer der terroristischen Gruppierung Jemaah Islamiah Beschuldigte wegen Einwanderungsvergehen in Haft, und er wird wohl auch bis nach den Wahlen hinter Gittern bleiben.

Armut ist das dringendste Problem

Der Kampf gegen Korruption und Terrorismus geht weiter. Wer auch immer die Macht in dem bevölkerungsreichsten islamischen Land haben wird, muss sich mit einem offensichtlichen und drängenden Problem auseinandersetzen: das der extremen Armut der vergessenen unteren Schichten.