Olympische Winterspiele

Innsbruck plant Olympia-Relaunch

Ein kleineres, günstigeres, sympathischeres Olympia: Mit dieser Vision will die österreichische Stadt Innsbruck sich um die Winterspiele 2026 bewerben. Doch die Macher müssen nicht nur das IOC überzeugen.

Österreich Blick vom Stadtturm des Alten Rathauses auf Innsbruck (picture alliance/chromorange/M. Wirth)

Es ist kein ausgewachsenes, stolzes olympisches Feuer, das bei der Präsentation der Innsbrucker Olympiabewerbung 2026 in einem Landhaus in Innsbruck brennt. Eher eine kleine Flamme der Hoffnung. "Olympia in Tirol ist machbar, und Olympia in Tirol ist sinnvoll", so nüchtern drückt es Günther Platter aus, der Landeshauptmann des österreichischen Bundeslandes aus. Begeisterung zeigen eher die Verfasser der Machbarkeitsstudie, die ihre Vision von einem neuen Olympia präsentieren und dabei nicht an Superlativen sparen. Innsbruck könne mit seiner Bewerbung für die Winterspiele 2026 "Neuland" betreten, sagte Stefan Klos vom Planungsbüro Proprojekt aus Frankfurt, das schon Hamburg 2024 und Almaty 2022 betreut hat. "Innsbruck und Tirol hätten das Potential, Vorreiter für moderne, nachhaltige und moderate Winterspiele zu sein", heißt es in der Machbarkeitsstudie.

Kleiner, schlanker, günstiger sollen die Spiele werden. Kein einziger Neubau, kein echtes Olympiastadion, Wettkämpfe in der ganzen Region und über die Grenzen hinweg, auch in Deutschland. Man wolle ein selbstbewusstes Angebot abgeben, sagte Karl Stoss, geistige Vater von Innsbruck 2026 und Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC): "Das IOC braucht uns mehr als wir das IOC." Landeshauptmann Platter aber blieb bei seiner Vorsicht. Er weiß: Es gilt nicht nur, die Mächtigen des Weltsports vom Tiroler Weg zu überzeugen. Sondern auch darum, am 15. Oktober einen Volksentscheid zu gewinnen, gegen den Trend, der zuletzt Olympiabewerbungen in Graubünden, München, Hamburg, Krakau und Stockholm scheitern ließ.

Geht es um die Sache oder das Bauchgefühl?

Österreich Karl Stoss (picture alliance/picturedesk/H. Ringhofer)

ÖOC-Präsident Karl Stoss

Platter nennt die 137 Seiten starke Machbarkeitsstudie "eine seriöse Grundlage für die Abstimmung am 15. Oktober". Er räumt gegenüber der DW aber auch ein, dass die Bürger letztlich eine "Bauchentscheidung" treffen würden. Aus dem Kreis seines Koalitionspartners, der Grünen, ist sogar zu vernehmen, es werde eine Abstimmung darüber, ob das IOC ein "korrupter Haufen" sei. IOC-Mitglied Stoss sieht im Imageproblem der Hüter der Ringe einen Vorteil für Innsbruck: Er habe aus Lausanne den klaren Wunsch vernommen, die Spiele zurück in die alpinen Kernregion zu führen.

Tatsächlich scheint Innsbrucks Bewerbung viele Punkte der IOC-Agenda 2020 umzusetzen: Wenn nicht hier, wo schon 1964 und 1976 die Spiele zu Gast waren - wo sonst? In der Region sind viele Anlagen bereits vorhanden und haben sich bewährt - wie jüngst die Biathlon-WM in Hochfilzen zeigte. Um sich den Neubau einer Eishalle zu sparen, soll eine Arena im bayrischen Inzell genutzt werden. Insgesamt sollen die Wettkämpfe so über die Region verteilt werden, dass 69 Prozent aller Medaillen nicht in Innsbruck selbst vergeben werden. Das Budget des Organisationskomitees soll mit 1,175 Milliarden Euro weit unter dem Durchschnitt bleiben.

Außerdem seien keine öffentlichen Investitionen in Verkehrswege geplant - und wenn doch, so Stoss, so seien diese auch unabhängig von den Winterspielen notwendig. Aus dem Olympischen Dorf wiederum könnten Sozialwohnungen entstehen, die Innsbruck ohnehin fehlten.

Ein enges Rennen zeichnet sich ab

Letztlich liege es an der Politik, olympische Begeisterung zu entfachen, sagt Stoss. 1993 und 1997 war das nicht gelungen, damals scheiterten Volksbefragungen zu einer Bewerbung.

Österreich Bergiselschanze in Innsbruck (picture alliance/Fotostand/Wagner)

Innsbrucks Olympiaplaner wollen die Spiele auf die gesamte Region ausweiten

Letztere, weil sich zwar die Landbevölkerung für Olympia aussprach, die Bürger der Stadt Innsbruck aber dagegen. Eine Befragung der "Tiroler Zeitung" vom Jahreswechsel lässt diesmal ein enges Rennen erwarten: 41 Prozent sprachen sich für eine Bewerbung aus, 29 Prozent klar dagegen, 32 Prozent waren noch unentschieden.

Ein Bobteam hat die Frage nach einer Bewerbung schon entzweit: 1972 in Sapporo starteten Fritz Dinkhauser und Werner delle Karth gemeinsam im Zweierbob. Heute wirbt Dinkhauser, mittlerweile Politiker, vehement gegen Innsbruck 2026 - unter anderem in Radiospots. "Das Geld wäre besser in den Dörfern aufgehoben, in den Kindergärten, in den Krankenhäusern", sagt der 77-Jährige. Die Kampagne stößt seinem alten Weggefährten delle Karth, der 1976 den Olympischen Eid sprach, sauer auf: "Es wäre das Schlimmste, wenn wir uns nicht bewerben würden", sagt er. "Was wäre Innsbruck ohne Olympia? Nix."

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