1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Investitionsstandort Vietnam

Rodion Ebbighausen19. November 2014

Ho Chi Minh-Stadt ist zwei Tage Dreh- und Angelpunkt der deutschen Wirtschaft in Asien. Die 14. Asien-Pazifik Konferenz erwartet über 750 Delegierte. Ein Anlass, das Gastgeberland unter die Lupe zu nehmen.

https://p.dw.com/p/1DpZg
Wirtschaft in Vietnam
Bild: picture-alliance/dpa/EPA/Luong Thai Linh

Adidas, BMW, Zwilling - rund 300 deutsche Unternehmen sind nach Schätzungen der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) in Vietnam bereits aktiv. Im internationalen Vergleich belegt Deutschland bei den Investitionen in Vietnam damit Platz 22. Die Spitzenplätze haben Japan und Südkorea inne. Thomas Hundt von Germany Trade & Invest (GTAI), eine Agentur des Bundes, die unter anderem Außenwirtschaftsinformationen für deutsche Unternehmen bereitstellt, sagt im Interview mit der Deutschen Welle: "Vietnam wünscht sich natürlich mehr Engagement von Deutschland, da die Bundesrepublik einen guten Ruf als Investor hat."

Die 14. Asien-Pazifik Konferenz, die am morgigen Donnerstag beginnt, ist eine Gelegenheit für Vietnam, sich der Welt zu präsentieren. Die Konferenz wird alle zwei Jahre an wechselnden Standorten vom Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft, der Außenhandelskammer und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie veranstaltet. In diesem Jahr fiel die Wahl auf die Wirtschaftsmetropole Ho Chi Minh-Stadt. Auch Sigmar Gabriel, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, wird in Vietnam sein.

Wachsender Binnenmarkt

Ein Beispiel für ein erfolgreiches Engagement in Vietnam ist der deutsche Sportartikelhersteller Adidas. Das Unternehmen bezieht seit vielen Jahren Produkte von vietnamesischen Zulieferern, wie Simone Lendzian von Adidas schriftlich gegenüber der Deutschen Welle erklärt. Vietnam ist als Zulieferland für Adidas geeignet, da es sich durch gute Qualität in der Produktion auszeichne. Vietnam sei für Adidas nach China und mit Indonesien einer der wichtigsten Zulieferstandorte weltweit.

Produktion im Adidas-Werk in Vietnam
Produktion im vietnamesischen Adidas-Werk bei Ho Chi Minh-Stadt.Bild: picture-alliance/dpa/P. Kneffel

"Außerdem nimmt die Bedeutung von Vietnam als Absatzmarkt für Adidas zu. Die junge Bevölkerung des Landes hat ein großes Interesse an internationalen Marken. Wir erleben eine große Bekanntheit und Beliebtheit unserer Marke in Vietnam und sehen deshalb eine verstärkte Nachfrage an unseren Produkten", so Lendzian. Mit etwa 90 Millionen Einwohnern, deren Durchschnittseinkommen stetig steigt, ist inzwischen auch der Binnenmarkt attraktiv. Seit 2009 ist Vietnam nach den Kriterien der Weltbank ein Land mit mittlerem Einkommen, also mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von über 1000 US-Dollar.

Ausländische Direktinvestitionen

Die Wirtschaft Vietnams ist 2013 um 5,4 Prozent gewachsen. Für den wichtigen Bereich der ausländischen Direktinvestitionen, die fast 20 Prozent zum vietnamesischen Bruttoinlandsprodukt beitragen, stellt ein aktueller Report der Weltbank zur Wettbewerbsfähigkeit der Pazifikanrainer fest: "Ausländische Investoren beurteilen das Investitionsklima Vietnams grundsätzlich positiv, was vor allem mit der politischen und der makroökonomischen Stabilität, einer hoch motivierten und gut ausgebildeten Arbeiterschaft und der Nähe zu chinesischen Lieferketten zusammenhängt."

Um allerdings mehr ausländische Investoren anzulocken, sei vor allem eine Verbesserung der Verwaltung und die Ausbildung von Fachkräften notwendig, so der Bericht der Weltbank. Den letzten Punkt hebt auch Hundt von GTAI hervor: "Ein Schwachpunkt sind zu wenige Fachkräfte." Dieses Manko werde bislang noch von den geringen Arbeitskosten aufgewogen, die der entscheidende Standortvorteil Vietnams seien, so Hundt. "Angelernte Arbeitskräfte verdienen etwa zwei Drittel weniger als in China. Deswegen gibt es derzeit auch eine Welle von Fabrikverlagerungen von China nach Vietnam." Nach wie vor böten sich bei arbeitsintensiver Fertigung die größten Chancen. Das aber ändere sich langsam: "In den 90er Jahren hat es mit der Textilindustrie angefangen, heute wird es allmählich technischer mit Waschmaschinen, Elektronikteilen und Smartphones."

Reformen und Öffnung nötig

Höherwertige ausländische Investitionen hängen laut Weltbank auch davon ab, ob es der vietnamesischen Regierung gelingt, gleiche Regeln für alle Marktteilnehmer zu schaffen. Bisher werden staatseigene Unternehmen noch bei der Kredit- oder Konzessionsvergabe bevorzugt, was den Wettbewerb verzerrt. Die staatseigenen Unternehmen erwirtschaften nach aktuellen Studien mindestens ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts, gelten allerdings als ineffizient, da sie sich nur begrenzt den Regeln des freien Marktes unterwerfen müssen und bei Schwierigkeiten von der Politik geschützt werden. Reformen werden verschleppt oder nicht umgesetzt, da die Politiker, die die Reformen durchsetzen müssten, oft selbst an den Unternehmen verdienen, die sie reformieren sollen.

Bildergalerie Vietnam
In der zentralvietnamesischen Provinz Ha Tinh investiert der südkoreanische Konzern Samsung Milliarden.Bild: DW/R. Ebbighausen

Hanoi will bis Ende 2014 mit der 'Resolution 15' zwei neue Gesetze verabschieden, die die staatseigenen Unternehmen zumindest teilweise dem Markt öffnen. Die Hoffnung ist, damit private Investoren anzulocken. Die staatseigene Fluggesellschaft Vietnam Airlines hat im November den ersten Schritt gemacht. Anteile im Umfang von 3,5 Prozent des Gesamtbestandes wurden am Freitag (14.11.2014) an der Börse in Ho Chi Minh-Stadt angeboten. Die Fluglinie bleibt aber zu 75 Prozent in Staatsbesitz.

Kooperation mit Deutschland

Bei den Reformbemühungen arbeitet die vietnamesische Regierung mit der Bundesrepublik Deutschland zusammen, die seit der strategischen Partnerschaft von 2011 einen Rechtsstaatsdialog mit Vietnam führt. Bis heute gibt es erhebliche bürokratische Hürden, wie Hundt weiß, fügt aber hinzu: "Die vietnamesische Regierung hat immer ein offenes Ohr, wenn Unternehmen oder die Verbände wie die europäische oder amerikanische Handelskammer Probleme vortragen." Nichts desto trotz sei die gründliche Vorbereitung und professionelle Beratung für alle Unternehmer, die in Vietnam aktiv werden wollen, unerlässlich: "Wer in Vietnam investieren oder Handelsgeschäfte abwickeln will, muss sich sehr gut vorbereiten. Eine Rechtsberatung muss in jedem Fall im Vorfeld eingeholt werden."

Vietnam Airlines Flugzeug
Vietnam Airlines will an der Börse abheben. Bisher mit wenig Erfolg.Bild: picture-alliance/dpa/Daniel Reinhardt