iPhone X mit Gesichtserkennung: Bitte recht freundlich!

Die Gerüchteküche brodelt, die Leaks überhäufen sich: Zum 10-jährigen Jubiläum bringt Apple womöglich ein neues iPhone auf den Markt. Vielleicht ohne Home Button, dafür mit Gesichtsscanner.

Sind wir doch mal ehrlich: Richtige Überraschungen bei den Präsentationen der neuen iPhones gab es schon lange nicht mehr. Eine bessere Kamera hier, ein schnellerer Prozessor da, eine Plus-Version und ein Billig-iPhone - deren Preis zwar noch lange nicht günstig war, aber nun gut. Apple darf das eben. 

Trotzdem brodelt die Gerüchteküche vor dem alljährlichen Apple-Event immer wieder hoch - so auch jetzt. Das Netz ist voll von iPhone-Enthüllungen, sogenannten Leaks. Aber diesmal liegt etwas in der Luft. Denn die Chancen stehen gut, dass Apple etwas wirklich Neues aus dem Hut zaubert: das iPhone X und 8, wie der iOS-Entwickler Steven Troughton-Smith auf Twitter enthüllte. Aber es ist ja schließlich auch das zehnjährige Jubiläum des iPhones, da kann man es ruhig mal krachen lassen. Aus gegebenem Anlass findet das Apple-Event erstmals im Steve Jobs Theater auf dem neuen Campus "Apple Park" in Cupertino in Santa Clara County, Kalifornien, statt. Auch dadurch steigt die Erwartungshaltung.

Bye-bye Home Button?

Ein Gerücht, das sich hartnäckig hält, wird für jeden iPhone-Besitzer eine Umstellung bedeuten: der fehlende Home Button. Dabei war unser Daumen bzw. Zeigefinger doch bislang unser wichtigstes Gliedmaß, wenn es ums Bedienen und Entsperren unseres Smartphones ging. Im Schlaf beherrschen wir die wichtigsten Funktionen wie den Doppeltipp, den Fingerabdruck oder den "Swipe to unlock" unseres iPhones.

Letzteres - das Entsperren - könnte auch durchaus eine der spannendsten Neuerungen beim iPhone X sein. Denn statt Touch ID kursiert das Schlagwort Face ID durchs Netz. Kurzum: Gesichtserkennung.

Infografik Wie funktioniert eigentlich Gesichtserkennung? DEU

Bitte recht freundlich

Schauen wir unserem iPhone nun also morgens tief in die Augen, um einen ersten Blick auf Mails, Wetter und Co. zu erhaschen?

Sehr gut möglich. Der iOS-Entwickler Guilherme Rambo hat Apples Gesichtserkennung bereits geleakt. Pearl ID lautet der dazugehörige Codename.

Und nicht nur das Entsperren, auch das Bezahlen soll künftig damit möglich sein. Auch andere Apps können auf die Funktion zurückgreifen.

Damit dürfte nicht nur das iPhone einen gewaltigen Entwicklungssprung machen, sondern wir gleich mit. Denn ab sofort heißt es dann auch für Smartphone-Nutzer: Umdenken, Home Button-Gewohnheiten ablegen und sich Apple fügen. Denn auch andere Handy-Hersteller werden sicherlich nicht lange auf sich warten lassen, um mit Apple mitzuhalten.

Wer zuerst kommt...

... mahlt nicht unbedingt zuerst. Apropos, da war ja was! Samsung hatte mit seinem Galaxy S8 bereits versucht, Gesichtserkennung und Iris-Scanner einzuführen. Allerdings konnte dieses Feature leicht überlistet werden - mit Fotos und Videos. 

Apple soll dagegen eine weitere Kamera zur Tiefenmessung bzw. einen Infrarotsensor einsetzen, damit das System nicht so leicht ausgetrickst werden kann. 

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Das Datenschutz-Dilemma

Während derzeit die Gerüchteküche die Diskussionen dominiert, dürfte spätestens nach Vorstellung der neuen iPhones Kritik laut werden. Spioniert uns Apple aus? Was kann mein iPhone aus meinem Gesicht lesen? Sieht Siri bald, wenn es mir nicht gut geht und hat sie dafür einen erheiternden Spruch parat? Das wäre ja klasse... aber inwieweit müssen wir uns um unsere biometrischen Daten und die Analyse unseres Gesichtsscans sorgen?

Viele Fragen, wenig Antworten. Wer der Sache nicht traut, dem bleibt einzig, kein Smartphone zu nutzen. Denn auch wenn man die Face ID beim iPhone X deaktivieren kann, heißt das noch lange nicht, dass jeder dieses Nein akzeptiert. Wer Daten will, kommt an Daten - da muss gar nicht mal Apple seine Finger im Spiel haben. 

Habenwollen - und nun?

Nach dem Apple Event heißt es jedoch erst einmal: Geduld. Ab wann das iPhone erhältlich ist, ist nämlich noch unklar. Aber auch hier lässt uns die Gerüchteküche nicht im Stich: Weihnachten 2017 könnten die ersten Exemplare unter dem Baum liegen.

Wer nun trotzdem schon etwas melancholisch wird, kann sich hier noch mal durch die iPhone-Geschichte klicken - Home Button garantiert:

Wirtschaft

Das Original

Das erste iPhone, das Apple-Gründer Steve Jobs am 9. Januar 2007 vorstellte, wirkt aus heutiger Sicht zwar ganz ok, aber sicher nicht spektakulär. "Primitiver Klotz", spotten einige Tech-Kommentatoren heute. Ein unfaires Urteil?

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Quälend langsam

Daten übertrug das erste iPhone mit Edge, einer Technologie, die auf dem Mobilfunksystem der zweiten Generation (2G/GSM) aufbaute. Und das war wirklich langsam. Um eine 5MB große Datei zu versenden, brauchte man acht Minuten - mit dem heutigen 4G/LTE Standard dauert es weniger als vier Sekunden.

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App-solut undenkbar?

Es gab noch keinen App Store, als das erste iPhone auf den Markt kam. Der wurde erst 2008 durch ein iTunes-Update eröffnet. Steve Jobs hatte lange gezögert, ob er Kunden überhaupt erlauben sollte, ihre Smartphones durch Apps zu personalisieren.

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Spartanische Texte

Im Jahr 2007 waren iPhones noch nicht in der Lage, Textnachrichten auch mit Fotos zu verschicken. Apples heutiger iMessage-Dienst erlaubt Usern dagegen auch das Teilen von Bildern, Videos, Kontaktinformationen und vielem mehr.

Wirtschaft

Bilderwelten

iPhones der ersten Generation hatten noch ziemlich bescheidene Kameras mit einer Auflösung von gerade mal zwei Megapixeln. Videos konnten sie gar nicht aufnehmen - heute unvorstellbar. Mit dem aktuellen iPhone 7 (im Bild bei der Präsentation) sind hochauflösende Fotos und Videos dagegen ein Kinderspiel.

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Funktionen ohne Ende

Eine Mitteilungszentrale (Notification Center) hatte das iPhone 2007 natürlich auch noch nicht. Und keine Siri oder andere digitalen Assistenten. Es gab nicht einmal ein Navigationssystem. All diese Funktionen erhielten iPhones erst im Lauf der Jahre.

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Ständige Entwicklung

Von den zahlreichen Features moderner iPhones konnten die Entwickler des Prototyps nur träumen. Ausruhen kann sich Apple aber nicht. Insgesamt hat die Firma zwar mehr als eine Milliarde iPhones verkauft, doch 2016 waren es erstmals weniger als im Vorjahr: 211 Millionen, ein Minus von acht Prozent.

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