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Iraker gegen den Diktator

Rafael Heiling3. Februar 2003

Saddam Hussein stürzen – das wollen sie alle. Ansonsten aber sind sich die irakischen Oppositionsgruppen nicht einig. Manche sympathisieren mit den USA, manche nicht. DW-WORLD stellt die wichtigsten vor.

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Ahmed Chalabi - folgt er Saddam Hussein?Bild: AP

Irakischer Nationalkongress

Der Irakische Nationalkongress (INC) sieht sich als Dachverband der irakischen Oppositionsgruppen. Er wurde 1992 gegründet und hat nach eigenen Angaben einen genauen Plan für die Post-Saddam-Ära: eine "geordnete Absetzung" des Regimes, eine Übergangsregierung und demokratische Wahlen. 1995 war der INC an einem Putschversuch gegen Hussein beteiligt, unterstützt vom US-Geheimdienst. Allerdings hat INC-Chef Ahmed Chalabi keine tadellose Reputation: Er war in einen Bankenskandal verwickelt und in Jordanien wegen Betrugs verurteilt.

Irakische Nationale Einheit

Auch die Organisation "Irakische Nationale Einheit" möchte im Irak Demokratie und Pluralismus einführen. In der Organisation sind vor allem ehemalige Mitglieder von Militär und Sicherheitskräften versammelt, die die irakische Armee für einen Umsturz gewinnen wollen. Der Gruppe wurde 1990 gegründet und hat seinen Sitz in Jordanien. Sie unterhält auch den Radiosender "Al Mustaqbal" (die Zukunft).

Hoher Rat für eine Islamische Revolution im Irak

Der Hohe Rat für eine Islamische Revolution im Irak vereint die Schiiten, die im Irak vor allem im Süden des Landes leben. Die Vereinigung wurde 1982 gegründet. Sie wird vom Iran unterstützt. Dort unterhält der Hohe Rat sein Hauptquartier, auch sein Oberhaupt Mohammed Baqir Al Hakim lebt in dem Nachbarland Iraks. Zwar unterstützt diese Oppositionsgruppe die Bemühungen des Westens, Saddam Hussein zu stürzen. Sie will aber nicht direkt mit der US-Regierung zusammenarbeiten und weder eine Besatzung noch einen vom Ausland eingesetzten Machthaber im Irak akzeptieren. Der "Hohe Rat" hat sich mit den kurdischen Parteien PUK und KDP gegen Hussein verbündet.

Islamische Daawa Partei

Die Islamische Daawa Partei (IDP) existiert bereits seit 1957. Sie will mit friedlichen Mitteln einen Umsturz erreichen – danach soll im Irak eine Demokratie entstehen. Ihre Aktivitäten lenkt die IDP von London aus; auch sie vertritt vor allem südirakische Schiiten.

Iraks Kommunisten

Die Kommunistische Partei Iraks wurde nach eigenen Angaben 1934 gegründet, seitdem aber immer wieder von den Herrschern im Irak bekämpft. Sie hat Büros in London und Damaskus. Die Kommunisten treten für einen Regimewechsel ein. Sie sind jedoch gegen eine allzu große Unterstützung durch die USA.

Patriotische Union Kurdistans

Die Patriotische Union Kurdistans (PUK), im Juni 1975 entstanden, wird vom Anwalt und Journalisten Dschalal Talabani geleitet. Sie sieht sich in sozialdemokratischer Tradition und tritt für eine Demokratie im Irak ein – dabei sollen die irakischen Kurden ein eigenes Gebiet bekommen, in dem sie selbst bestimmen. Die PUK hatte sich mit der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) überworfen; nun nähern sich beide wieder an.

Kurdische Demokratische Partei

Die Kurdische Demokratische Partei (KDP) von Massud Barsani ist die zweite große Kurdenfraktion, die zusammen mit der PUK den Norden Iraks beherrscht. Sie besteht seit April 1946 und betont, dass die Selbstbestimmung der Kurden "nur in einem demokratischen, pluralistischen und föderalen Irak" realisiert werden könne. Und zwar mit friedlichen Mitteln.

Monarchisten

Manche wünschen sich einen irakischen König zurück. Ein Kandidat wäre zum Beispiel Sharif Ali bin al Hussein – ein Nachkomme der Königsfamilie, die Ende der 1950er-Jahre ins Exil ging. Er führt eine Bewegung an, die im Irak eine konstitutionelle Monarchie einführen will. Al Hussein selbst würde dann König.