Kurden im Irak

Iraks Ex-Präsident Talabani gestorben

In einem Krankenhaus in Berlin ist der frühere irakische Präsident Dschalal Talabani gestorben. Der kurdische Politiker wurde im April 2005 als erster Nicht-Araber Präsident des Iraks und war bis 2014 im Amt.

Iraks Ex-Präsident Talabani gestorben (picture-alliance/dpa/H. Mizban)

Dschalal Talabani, der sich als Staatsoberhaupt des Iraks für die Versöhnung der Volksgruppen eingesetzt hatte, litt seit Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls. Wiederholt war er zur Behandlung in Deutschland. Jetzt ist er im Alter von 83 Jahren gestorben, wie das Staatsfernsehen berichtete.

Im November 1933 wurde Talabani in einem Bergdorf im Nordirak geboren. Er war ein entschiedener Befürworter der kurdischen Unabhängigkeit und ein erklärter Gegner des langjährigen irakischen Diktators Saddam Hussein. Nach dessen Sturz infolge einer US-Invasion wurde Talabani 2005 zum Präsidenten ernannt. Bei der ersten Präsidentenwahl 2006 wurde er im Amt bestätigt und 2010 für eine zweite Amtszeit gewählt.

Irak Präsident Dschalal Talabani (picture-alliance/dpa/dpaweb)

Talabani und der heutige Kurdenpräsident Massud Barsani (l.) - hier in einer Aufnahme von 2006 - waren einst erbitterte Rivalen

Stellvertreter eines geeinten Iraks

Als Präsident verstand er es, viele Jahre lang die Idee eines gemeinsamen Iraks zu verkörpern, den es in der Realität nicht gibt. Erst vor einer Woche hielten die Kurden im nordirakischen Autonomiegebiet ein hoch umstrittenes Referendum ab, in dem sie sich für die Unabhängigkeit aussprachen.

Der studierte Jurist Talabani, den seine kurdischen Landsleute einfach "Onkel Dschalal" nannten, galt als lebensfroh, charismatisch und humorvoll, aber auch als gewiefter Taktiker. Im Jahr 1964 hatte er sich im Streit von der Demokratischen Partei Kurdistans (DPK), des heutigen Präsidenten Massud Barsani getrennt und mit der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) seine eigene Partei gegründet.

In den 90er Jahren lieferten sich beide Parteien einen blutigen Bruderkrieg im Nordirak, bevor sich Talabanis Partei 2002 mit dem DPK-Führer Barsani versöhnte. Dies legte den Grundstein für das heute existierende kurdische Autonomiegebiet im Nordirak.

uh/myk (dpa, afp, ap)

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