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#JeSuisAhmed - Trauer um Polizisten

Greta Hamann9. Januar 2015

Bei dem Attentat auf die Satire-Zeitung Charlie Hebdo starben zwölf Menschen. Neben Journalisten kamen auch zwei Polizisten ums Leben. Nun solidarisiert sich das Netz mit ihnen. Einer der beiden - Ahmed - war Muslim.

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Ahmed Merabet und Blumen. (Foto: Marc Piasecki/Getty Images)
Die Franzosen trauern auch um die ermordeten Polizisten, auf den Fotos Ahmed MerabetBild: Marc Piasecki/Getty Images

"Ich bin nicht Charlie, ich bin Ahmed, der tote Polizist. Charlie machte sich über meinen Glauben und meine Kultur lustig und ich starb für sein Recht, das zu tun." - Dieser Tweet, verfasst vom Aktivisten Dyab Abou Jahjah, gab wohl den Anstoß zu einer weiteren Solidaritätswelle, die derzeit durch das Netz geht: "JeSuisAhmed", Ich bin Ahmed. Es ist eine Anlehnung an die Aussage "Je Suis Charlie" (Ich bin Charlie), unter der sich Menschen auf der ganzen Welt vor den ermordeten Journalisten der Satire-Zeitung Charlie Hebdo verneigen.

Ahmed Merabet war Muslim. Und sogar UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich zu seinem Tod: Es sei eine weitere Erinnerung daran, welchen Dingen wir gemeinsam gegenüber stehen, sagte er: Das Attentat solle nicht als Akt eines Religionskriegs betrachtet werden. "Es ist ein Angriff auf unser aller Menschlichkeit, der uns verängstigen und aufhetzen soll."

Ahmed Merabet war Polizist. Er starb, weil er an diesem Tag im Dienst und zur falschen Zeit am falschen Ort war. Zuständig für das Pariser Viertel, in dem sich die Redaktion von Charlie Hebdo befindet. Nur wenige Meter vom Gebäude der Satire-Zeitung entfernt wurde er ebenfalls Opfer der Attentäter. Allem Anschein nach wollte er die flüchtigen Terroristen aufhalten. Ein Amateurvideo, gefilmt aus einem Hochhaus, zeigt die letzten Sekunden, in denen Merabet noch lebte. Das Video wurde vielfach in den sozialen Medien geteilt und von Millionen Menschen angeschaut. Deutsche wie Französische Fernsehsender zeigen aus Respekt vor dem Toten jedoch nicht das komplette Video.

Im Video ist zu sehen wie die beiden Täter aus ihrem Auto steigen. Merabet liegt bereits verletzt am Boden. "Willst Du uns töten?", schreit ihn einer der beiden vermummten Männer an. "Nein, ist schon gut, Chef" ist als Antwort zu hören. Merabet hebt zum Schutz eine Hand und wird dann von einem der Attentäter im Vorbeigehen mit einem Schuss in den Kopf brutal hingerichtet.

Standbild Amateurvideo Charlie Hebdo Terrorangriff (Foto: Reuters)
Ein Video, aufgenommen von einem Anwohner, zeigt wie die Terroristen Merabet erschießenBild: Reuters

Merabet, zweifacher Vater Anfang vierzig, war bereits seit acht Jahren bei der Polizei. Er war der Sohn einer Einwandererfamilie aus dem überwiegend muslimischen Norden Afrikas. "Merabet war sehr diskret und sehr pflichtbewusst", sagte der Sprecher der Polizeigewerkschaft der französischen Tageszeitung Le Figaro "Wir sind alle sehr geschockt".

Merabet starb, weil er seine Pflicht tat - genauso wie sein Kollege Franck Brinsolaro - Vater einer einjährigen Tochter, verheiratet mit einer Journalistin einer französischen Tageszeitung. Er war für den persönlichen Schutz von Stephane Charbonnier, dem Chefredakteur von Charlie Hebdo, abbestellt. "Er konnte nichts tun", sagte ein Kollege Brinsolaros. "Gegen die Waffen der Attentäter konnte er nur verlieren."