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Kein Stürmer, kein Robben - torlose Bayern

18. Februar 2015

Das Achtelfinal-Hinspiel des FC Bayern in der Champions League verlief nicht nach Wunsch. Die Offensive stach nicht, im Mittelfeld standen sich die Weltstars auf den Füßen herum. Drei Gründe, warum es nur ein 0:0 gab.

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UEFA Champions League Arjen Robben David Alaba Schachtar Donezk FC Bayern München Ukraine, Spieler des FC Bayern schauen enttäuscht (Foto: dpa)
Bild: picture-alliance/dpa/Andreas Gebert

Bayern München hat beim Auswärtsspiel gegen Schachtjor Donezk einen frustrierenden Abend erlebt. Nach dem 8:0-Galaauftritt gegen den Hamburger SV mit hohen Erwartungen in die Ukraine gereist, kamen die Bayern trotz großer Feldüberlegenheit und einem Chancenplus nur zu einem 0:0. Woran lag es? Hier sind drei Gründe, warum in der Ukraine nicht mehr als das torlose Unentschieden herausgesprungen ist:

Ausgebremster Robben: Arjen Robben ist derzeit in bestechender Form. Der Niederländer, der in der Bundesliga bereits 14 Treffer erzielt hat, kann Spiele alleine entscheiden. Gegen den Hamburger SV war er am Wochenende noch Bayerns Bester. Mit seinen Dribblings auf dem rechten Flügel, bei denen er an der Strafraumkante nach innen zieht und den Ball dann gekonnt mit dem linken Fuß auf den langen Pfosten zirkelt, ist Robben eine Waffe.

Gegen Schachtjor Donezk blieb diese Waffe aber stumpf. Zu massiert standen die beiden Viererketten der Ukrainer. Sobald Robben nach innen zog, sah er sich zwei, drei, manchmal sogar vier Verteidigern gegenüber, die einen Abschluss für Bayerns Kunstschützen unmöglich machten. Nur zweimal feuerte der Niederländer überhaupt einen Schuss auf das Donezker Tor ab - keiner von beiden zwang den gegnerischen Schlussmann zu einer Parade. Warum, fragt man sich, verteidigt gegen Robben in der Bundesliga eigentlich keiner so?

Champions League Achtelfinale Schachtjor Donezk FC Bayern München, Dribbling Arjen Robben (Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)
Robben kam nur selten in SchusspositionBild: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Kein echter Stürmer: Bayern-Coach Pep Guardiola hat eine Vorliebe für gepflegtes Kurzpassspiel. Lange hohe Bälle oder weite Flanken auf wuchtige, kopfballstarke Stürmer sind seine Sache nicht. Und so trat er dann auch in Donezk, wo sich in der Innenverteidigung baumlange Ukrainer tummeln, eher mit vergleichsweise kurzgewachsenen Offensivspielern auf. Mario Götze und Thomas Müller wechselten sich im Sturmzentrum ab, manchmal stießen Robben und Franck Ribery in den Strafraum hinein, die aber ebenfalls nicht als Kopfballungeheuer bekannt sind. Gegen die vielbeinige Donezker Abwehr gab es am Boden kein Durchkommen. Möglicherweise wären ein paar Flanken die Lösung gewesen. Allerdings hätte es dazu einen Robert Lewandowski als Abnehmer in der Mitte gebraucht. Der Pole kam erst in der 75. Spielminute für Götze rein und wurde auch danach nicht mit Flanken gefüttert. Möglicherweise hätten hier eine frühere Einwechslung und eine damit einhergehende taktische Anweisung, den Torjäger auch mal mit hohen Bällen von außen zu bedienen, statt sich mit Dribblings durch die Abwehrreihen der Ukrainer zu wühlen, den ersehnten Treffer gebracht.

Problemfall Alonso: Im defensiven Mittelfeld standen mit Bastian Schweinsteiger und Xabi Alonso zwei Platzhirsche auf dem Feld. Da der Spanier seine Stärken auf der defensiveren Position hat, musste Schweinsteiger, der das Spiel am liebsten auch vor sich hat, wieder nach vorne ausweichen. Guardiolas Plan, die Ukrainer mit viel Ballbesitz hinten rein zu drücken ging zwar auf, doch machte Alonso das Aufbauspiel der Bayern langsam.

Und Schweinsteiger spielte meist so weit vorne, dass er schon bei der Ballannahme vom Gegner bedrängt wurde. Freier Raum, um das Spiel in der Vorwärtsbewegung selbst zu gestalten, blieb dem deutschen Weltmeister so nicht. Auch in der Defensive bewies Alonso in seinem 100. Champions-League-Spiel erneut Tempodefizite - exemplarisch bei seinen beiden Gelben Karten, die in der 65. Minute zum Platzverweis führten. Die Bayern müssen sich fragen, ob sie ihr defensives Mittelfeld in Zukunft wirklich mit zwei Spielern besetzen wollen, die vom Typ her so ähnlich sind wie Schweinsteiger und Alonso, oder ob es nicht besser wäre, mit nur einem Sechser und zwei wuseligen und dribbelstarken Achtern zu operieren. Gegen den Hamburger SV gelang das glänzend: in Abwesenheit von Alonso mit Schweinsteiger defensiv, sowie David Alaba und Götze offensiv.

Champions League Achtelfinale Schachtjor Donezk FC Bayern München, Ballannahme Schweinsteiger (Foto: dpa)
Schweinsteiger war immer in BedrängnisBild: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Zu Alonsos Ehrenrettung sei allerdings gesagt, dass der HSV auch nicht so defensiv auftrat wie Schachtjor Donezk. Ob es ohne Alonso besser läuft, wird der FC Bayern in jedem Fall im Rückspiel gegen die Ukrainer am 11. März in München herausfinden. Schließlich ist der Spanier dann wegen seiner Gelb-Roten Karte vom Dienstagabend gesperrt.