Reise

Kitesurfen im Paradies

In Jericoacoara ist der Wind fast immer perfekt. Einst Geheimtipp ist das Fischerdorf in Nordostbrasilien heute eines der beliebtesten Wassersportreviere der Welt.

Brasilien Jericoacoara Nationalpark (DW/B. Kopsch)

Pünktlich zum Sonnenuntergang pilgern Scharen von Menschen zur großen Düne am Ortsrand von Jericoacoara. Wie auf eine Tribüne setzen sie sich in den Sand und blicken aufs Meer: Kitesurfer so weit das Auge reicht. Sie gleiten vor der Küste entlang, immer weiter, bis sie am glühenden Horizont verschwinden.

Die Lenkdrachensegler haben Jericoacoara zu einem internationalen Touristenmagneten gemacht. Noch weit entfernt vom trubeligen Massentourismus, doch längst kein Geheimtipp mehr. "Es ist eine ganz besondere Stimmung hier", sagt eine junge Holländerin. "Man hat das Gefühl, man ist am Ende der Welt. Trotzdem trifft man Leute von überall her. Und alle sind wegen der Natur hier. Es ist total entspannt."

Brasilien Jericoacoara Nationalpark (DW/B. Kopsch)

Kult: Abend für Abend pilgern Touristen die "Sonnenuntergangsdüne" hinauf

Dann tut sie das, womit sich die Anderen auch vergnügen: Sie nimmt Anlauf, springt über den Dünenrand und lässt sich einfach durch den weichen Sand den Abhang herunterkugeln.

Perfekte Brise

Es ist jeden Abend das gleiche Schauspiel. Das ganze Jahr hindurch. Denn hier im Nordosten Brasiliens, an der Küste des Bundesstaates Ceará geht fast immer Wind. Von Ende Juli bis Ende Januar bläst er mit mehr als vier Beaufort - ideale Bedingungen für Wind- und Kitesurfer. Auch die angenehmen Luft- und Wassertemperaturen mit um die 28 Grad, lassen die Fangemeinde stetig wachsen.

Langsam zieht Maurice Laurent seinen Fallschirm an den Strand. Vor acht Jahren hat der Kiter dieses Wassersportrevier entdeckt. Seitdem kommt der Franzose jedes Jahr zurück: "Egal wann man herkommt: Es ist immer alles perfekt! Die Sonne scheint, das Wasser ist warm und es weht immer ein Wind. Deswegen ist das hier zum Treffpunkt der internationalen Wind- und Kitesurferszene geworden. Man kennt sich. Und jeder, der einmal hier war, will wiederkommen! Auch wegen der malerischen Umgebung."

Brasilien Jericoacoara Nationalpark (DW/B. Kopsch)

Die Wanderdünen verändern fortlaufend die Landschaft des Nationalparks

Paradies mitten im Nationalpark

Jericoacoara liegt gut 300 Kilometer westlich der Bundeshauptstadt Fortaleza, inmitten eines Nationalparks, umgeben von Wanderdünen und Süßwasserlagunen. Rund 15 Meter im Jahr werden die Dünen vom Wind nach Westen getragen und können bis auf 100 Meter Höhe anwachsen. Sie haben eine beeindruckende Sandlandschaft geschaffen, die sich bis zu 20 Kilometer ins Landesinnere erstreckt. Zwischendrin kleine Oasen, wie die "Lagoa do Paraíso": Wer inmitten dieser Lagune in der Hängematte schaukelt, am Ufer Palmen und in der Ferne scheinbar die endlose Wüste, der versteht, warum dieser paradiesische Ort seinen Namen verdient.

Brasilien Jericoacoara Nationalpark (DW/B. Kopsch)

Einheimischer Führer: Carlos Nascimento zeigt Touristen mit dem Buggy den Nationalpark

Carlos Nascimento hat gerade Touristen in seinem Buggy hergefahren. Seine indigenen Vorfahren lebten schon vor 500 Jahren in dieser Region. Als Junge hat er noch das Fischen gelernt. Doch jetzt arbeitet fast seine ganze Familie im Tourismus. Das sei abwechslungsreicher und lukrativer: "Als Fischer musst Du um 2 Uhr morgens raus und fängst oft nur wenig. Wir haben in Hütten aus Lehm und Stroh gewohnt und die jungen Leute hatten keine Perspektive", erklärt der 45-Jährige. "Jetzt lerne ich andere Kulturen kennen, zeige den Leuten meine Umgebung und kann davon meine Familie ernähren. Wir wohnen heute in einem 150-Quadratmeter-Haus und meine Kinder müssen nicht aus Jericoacoara weggehen, denn der Tourismus hat uns genügend Arbeitsplätze gebracht."

Touristen bringen ein bißchen Wohlstand

Brasilien Jericoacoara Nationalpark (DW/B. Kopsch)

Auch im Zentrum von Jericoacoara gibt es nur Sandwege

Als in den 80er Jahren die ersten Reisenden ihren Weg hierher fanden, habe seine Familie diese noch bei sich Zuhause untergebracht. Ohne etwas dafür zu berechnen, im Tausch gegen ein T-Shirt oder ein Paar getragene Turnschuhe. Heute gibt es hier rund 130 Unterkünfte: von einfachen kleinen Pensionen bis zu stilvollen 5 Sterne-Hotels. Auch die Familie von Carlos Nascimento hat Land an die Hoteliers verkauft. Zum Spottpreis. Der Anbau von Mais, Bohnen und Maniok auf dem trockenen Boden lohnte sich für sie immer weniger, seit auch noch der Regen abnahm.

Die Bauvorschriften verhindern Hochhäuser und durch den Ort führen lediglich Sandpfade. So hat sich Jericoacoara etwas rustikalen Fischerdorfcharme bewahrt. Obwohl mittlerweile hunderttausende Menschen jedes Jahr den Nationalpark besuchen. Seit Kurzem gibt es hier in der Nähe auch einen kleinen, internationalen Flughafen, der die Besucherzahl in den kommenden drei Jahren noch um 20 Prozent steigern soll.

Brasilien Jericoacoara Nationalpark (DW/B. Kopsch)

Entspannen in der "Lagoa do Paraíso" zwischen den Dünen

Stolz braust Carlos Nascimento mit seinem Buggy samt Touristen durch die Dünenlandschaft. Sein einst abgeschiedenes Fischerdorf gehört jetzt zu den bekanntesten Strandorten Brasiliens. Und die Sonnenuntergangsdüne zu den Hauptattraktionen. Rund 500 Jahre soll sie alt sein und noch etwa 30 Meter hoch. Doch sie schrumpft. Die Scharen von Besuchern, die sie jeden Abend erklimmen, beschleunigen diesen natürlichen Prozess. Noch vier, fünf Jahre, meint der Tourguide, dann sei sie verschwunden. Doch neue Dünen werden kommen. Und Touristen, vor allem Wassersportler. Denn eines wird bleiben: der stetige Wind.

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