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Das Ende der Konkurrenz auf dem Energiemarkt

12. März 2018

Mit einem radikalen Kurswechsel wollen sich die größten deutschen Energiekonzerne RWE und Eon neu aufstellen. Das ist nötig, wird aber zulasten der Mitarbeiter und Verbraucher gehen, meint Andreas Becker.

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Strommast bei Sonnenuntergang mit Windrädern und Kernkraftwerk
Bild: Fotolia/Thorsten Schier

Früher plante man in der Energiewirtschaft langfristig. Heutzutage werden strategische Entscheidungen zunehmend hektisch getroffen. Das zeigt die Nervosität der Branche in Deutschland.

Erst vor zwei Jahren spalteten sich die großen Energieversorger Eon und RWE auf. Eon lagerte Kohle, Gas und Wasserkraft in ein eigenes Unternehmen namens Uniper aus und brachte es an die Börse.

Bei RWE war es ähnlich, aber umgekehrt. Hier wurden die erneuerbaren Energien sowie Netze und Vertrieb als Neugründung Innogy an die Börse gebracht. Der Mutterkonzern RWE wurde zur einer Art Bad Bank mit den Altlasten der fossilen Energieerzeugung.

Alles wieder anders

Nun, zwei Jahre später, ist diese grundlegende Neuausrichtung bereits wieder Makulatur. Wenn das komplizierte Milliardengeschäft klappt, das RWE und Eon vereinbart haben, wird der Ökostromanbieter Innogy zerschlagen - zum Ärger seiner 40.000 Mitarbeiter, aber auch des Managements.

Eon, einst der größte deutsche Energieerzeuger, will sich fast völlig von der Stromproduktion verabschieden und ganz auf Stromnetze und Vertrieb konzentrieren. Der Konzern behält nur drei Kernkraftewerke, die bis 2022 abgeschaltet werden, die Anteile an Uniper hat er bereits im vergangenen Jahr verkauft.

Umgekehrt ist es bei RWE: Die bisherige Nummer zwei der deutschen Energiewirtschaft gibt Netze und Vertrieb auf und wird nur noch Energie produzieren - aus erneuerbaren, aber auch fossilen Quellen.

Becker Andreas Kommentarbild App
DW-Wirtschaftsredakteur Andreas Becker

Konkurrenten werden Partner

Das würde den jahrzehntelangen Wettbewerb zwischen RWE und Eon auf einen Schlag beenden. Aus Konkurrenten würden Partner, die auch finanziell verbunden sind, weil sich RWE an Eon beteiligen soll.

An der Börse werden die Pläne bejubelt, die Aktien der Unternehmen legten kräftig zu. Die Fokussierung auf ein klar umrissenes Kerngeschäft wird an den Finanzmärkten immer gerne gesehen. Und die Anleger hoffen, dass die Zeit der Rekordverluste bei Eon und RWE nun vorbei ist.

Aber was ist aus dem Prinzip geworden, dass Konkurrenz das Geschäft belebt? Noch müssen die Wettbewerbshüter zustimmen, auch wenn bisher unklar ist, ob eigentlich deutsche oder europäische Behörden zuständig sind.

Sicher ist, dass die ohnehin hohen Energiekosten in Deutschland in Zukunft nicht niedriger werden. Und sicher ist auch, dass die Konzentration auf jeweils ein Geschäftsfeld Einsparungen ermöglicht - was massiv Arbeitsplätze kosten wird.

Kaum Kritik

Trotzdem begrüßt die Gewerkschaft Verdi die Pläne, trotzdem bleiben Verbraucherschützer gelassen. "Wir bewerten das positiv", heißt es auch aus Kreisen der Bundesregierung, es sei wichtig, dass es einen nationalen Versorger mit Gewicht gebe.

Den deutschen Energiekonzernen wurde oft - und zu Recht - vorgeworfen, sie hätten die Energiewende verschlafen. Jetzt legen sie plötzlich einen Aktionismus an den Tag, der auch vor radikalen Brüchen mit erst vor kurzem getroffenenen strategischen Entscheidungen nicht zurückschreckt.

Bisher gibt es kaum Kritik und keinen Gegenwind aus der Politik. Das deutet darauf hin, dass man den angeschlagenen Versorgern keine Steine in den Weg legen will. Wahrscheinlich hat man in Berlin ein schlechtes Gewissen, die Firmen mit den häufigen Richtungswechseln bei der Energiepolitik überfordert zu haben.

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Andreas Becker
Andreas Becker Wirtschaftsredakteur mit Blick auf Welthandel, Geldpolitik, Globalisierung und Verteilungsfragen.