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Kein Platz für Russland in Rio

18. Juli 2016

IOC-Präsident Thomas Bach ist kein Freund eines kompletten Olympia-Ausschlusses Russlands. Der McLaren-Bericht lässt ihm jedoch keine andere Wahl, meint DW-Sportredakteur Stefan Nestler.

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Einmarsch der russischen Olympia-Mannschaft 2012 in London. Foto: dpa-pa
Bild: picture alliance dpa/M. Kappeler

Die Beweise sind erdrückend. Der Bericht, den der kanadische Jura-Professor Richard McLaren im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA verfasst hat, lässt keinen Zweifel zu: Die russische Regierung war in das systematische Doping bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi eingebunden. Das Sportministerium habe die Manipulationen positiver Dopingproben russischer Sportler "gelenkt, kontrolliert und überwacht", heißt es in dem McLaren-Report. Mit anderen Worten: Der Staat hat Doping nicht nur gedeckt, sondern den Sportbetrug gesteuert.

Doping auch in Sommersportarten

Die Ermittler der WADA - und darin liegt die eigentliche Sprengkraft des Berichts - fanden außerdem Belege dafür, dass dieses staatlich gelenkte Dopingsystem auch bei olympischen Sommersportarten angewendet wurde: So verschwanden auch im Kanusport, beim Rudern, im Radsport, beim Schwimmen, Judo, Fußball, Handball oder Volleyball positive Dopingtests russischer Sportler. In der "überwiegenden Mehrzahl der Sportarten" sei in Russland systematisch gedopt worden, sagt Richard McLaren.

Bach steht im Wort

Jetzt liegt der Ball beim Internationalen Olympischen Komitee. IOC-Chef Thomas Bach, bekanntermaßen kein Freund eines Olympia-Ausschlusses des kompletten russischen Teams für Rio 2016, wird sich an seinen Worten messen lassen müssen. "Klar ist, wenn es einen institutionellen Eingriff gegeben hätte, dann würde das IOC auch institutionell reagieren und wird dabei nicht zögern", hatte Bach gesagt. Die Bedingung des staatlichen Eingriffs ist laut McLaren-Bericht gegeben. Ein Komplett-Ausschluss ist die logische Folge, meinen Bach und das IOC es mit der erklärten "Null-Toleranz-Politik" gegenüber Doping wirklich ernst.

Politisches Signal nötig

Einziges Schlupfloch, um aus der Nummer noch herauszukommen, wäre ein juristisches: sollte der Internationale Sportgerichtshof entscheiden, dass ein Teamausschluss einer Art Sippenhaft gleichkäme und darauf bestehen, nur im belegten Einzelfall zu drakonischen Strafen zu greifen. Aber wie wollte man dann staatlich gesteuertes Doping überhaupt noch sanktionieren? Ein sportpolitisches Signal muss her, und das IOC sollte die Chance nicht versäumen, es zu liefern.

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DW Kommentarbild Stefan Nestler
Stefan Nestler Redakteur und Reporter