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Politik

Mit Tippelschritten gegen den Klimawandel

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Jens Thurau
17. November 2017

Die Klimakonferenz in Bonn lässt einen ratlos zurück. Es geht voran, aber sehr langsam. Und die Kohle wird zu einem immer größeren Problem - vor allem für den selbsternannten Musterknaben Deutschland, meint Jens Thurau.

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COP23 UN Klimakonferenz in Bonn
Bild: picture-alliance/ZUMAPRESS.com

Was war das jetzt für eine Klimakonferenz in Bonn? Ein Erfolg, wie die Staaten-Verhandler es uns weismachen wollen? Ein Ignorieren der Brisanz des Klimawandels, wie es die Umweltgruppen behaupten? Die Wahrheit liegt wohl wieder mal in der Mitte.

Die Verhandler, sie haben recht: Von Anfang an war klar, dass in Bonn nur über sehr komplexe, höchst technische Details des Pariser Klimavertrages von 2015 gesprochen werden würde. Darüber, wie die rund 190 Länder der UN ihre Pariser Klimaziele miteinander vergleichen können etwa. Aufregend klingt das nicht. Und all diese Fragen werden dann erst in einem Jahr auf der nächsten Klimakonferenz in Polen endgültig beschlossen. Ja, so langsam zieht sie dahin, die Klimakarawane. Immer kreisend um die Heilige Kuh aller UN-Konferenzen - die Einstimmigkeit am Ende. Man braucht schon sehr viel Optimismus und Geduld, um das gut zu finden. Andererseits: Es hätte auch schiefgehen können, selbst bei einer so dünnen Beschlusslage.

Kohlestrom: Ein Mega-Problem

Die Umweltgruppen - sie haben in Bonn den Finger vor allem in eine Wunde gelegt: Noch nie wurde auf einer Klimakonferenz so viel über die Kohle gesprochen. Die immer noch da ist, in China, in Indien, in den USA, trotz aller Bemühungen, die erneuerbaren Energien voran zu bringen. Und vor allem auch in Deutschland, das sich als Gastgeberland peinliche Fragen gefallen lassen musste, weil das Land seine eigenen Klimaziele wohl nicht einhalten kann.

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Jens Thurau ist Klimaexperte der Deutschen Welle

Sind es nicht die Deutschen, die sich gern selbst als Vorreiter im Klimaschutz aufführen? Unrealistisch waren die Erwartungen an die Rede der Bundeskanzlerin auf der Klimakonferenz, denn es war klar: Angela Merkel kann kein Ausstiegsdatum für die Kohleverstromung in Deutschland nennen, weil sie immer noch nicht weiß, ob und mit wem sie überhaupt weiter regieren kann in Berlin. 23 Staaten haben in Bonn erklärt, sie wollten bald aus der Kohle aussteigen - Deutschland ist nicht dabei. Das ist dem Umstand geschuldet, dass eine nur geschäftsführende Regierung einen so weitreichenden Beschluss nicht treffen darf. Falsches Timing, könnte man sagen.

Nach der Paris-Euphorie

Es wird deutlich: Nach der Euphorie von Paris vor zwei Jahren hat die internationale Klimapolitik wieder die Mühen der Ebene erreicht. Die Schwüre von 2015 müssen jetzt umgesetzt werden, das fällt schwer. Geopolitisch stehen die Zeiten für multilaterale Verträge ohnehin nicht gut: Die Despoten und Nationalisten in Osteuropa, in der Türkei und in den USA haben keine Antennen für den Klimaschutz. 

Die USA: Isoliert, jedenfalls die Regierung

Aber, immerhin, Stichwort USA: Die Zeiten sind vorbei, da alle Staaten auf die USA starrten, auf ihr Auf und Ab in der Klimapolitik. Mal Blockade unter den Republikanern, mal Fortschritt etwa unter Barack Obama. Längst sind die Grundlagen gelegt. Entwicklungs- und Schwellenländer, auch die Industriestaaten arbeiten zusammen, geben Geld für die Anpassung an den Klimawandel, formulieren Ziele. Städte und Regionen auch aus den USA haben in Bonn eindrucksvoll klar gemacht: Sie alle lassen sich vom Klimaleugner Donald Trump nicht aufhalten.

...und weiter geht's

All das bleibt aber trotzdem ungenügend. Denn die Zeit läuft immer mehr davon, ja, das ist richtig. Aber eine andere Bühne, um das Menschheitsproblem Klimawandel zu lösen, gibt es nicht. Und deswegen: weiter geht's.

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